[Rezension] Die wilden Piroggenpiraten

Die wilden Piroggenpiraten:

Ein tollkühnes Abenteur um eine entführte Mohnschnecke und ihre furchtlosen Retter

von Maris Putnins

Fischer Verlag, 2012

Gebunden, 656 Seiten

ISBN: 3596854520

14,99 €

Leseprobe

Bonus zum Buch: Rezept der Piroggenpiraten

 

“Einer für alle, alle für einen
Eine süße Mohnschnecke als Piratenkapitän, eine wilde Pirogge im Kloster, ein Hörnchen im Kerker, ein Eclair, der Schiffbruch erleidet.
Es wird wild gekämpft, es rieseln die Füllungen, und der Schlachtruf lautet: Macht sie zu Semmelbröseln!
Dieses Buch ist einzigartig. Es ist verrückt, wahnsinnig komisch und abgedreht. Und es hat alles, was ein großer Abenteuerroman braucht. Und alle, wirklich alle, werden ihren Spaß haben und lauthals lachen, wenn sie die essbaren Helden auf ihrem steinigen Weg zum großen Glück begleiten.
Ein Hoch auf alle Kaffeestückchen und Teigtaschen dieser Welt!”

Mit „Die wilden Piroggenpiraten“ liegt dem Leser ein besonders schmackhaftes Buch vor – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Charaktere in diesem Buch sind zweibeinige Personifikationen von etwas zum Naschen. Ob eine Mohnschnecke, ein Eclair, ein Zwieback oder eine Teigtasche – die Idee zu den Charakteren ist in der Tat ein „gefundenes Fressen“ und so innovativ, dass selbst einem älteren Leser dieses Kinderbuch Spaß macht!

Der auktoriale Erzählstil und der mitschwingende „Es war einmal“-Tonfall verleihen dem Roman ein wenig kinderfreundlichen Märchenbuchcharakter. Gleichzeitig ist die rasant voranschreitende Handlung jedoch so spannend, dass er bald sich zu einem richtigen „Abenteuerschinken“ mausert, der versehen mit einer Prise Humor jeden Lesergeschmack treffen dürfte.
Die Protagonisten sind trotz zumeist teigiger Substanz sehr authentisch dargestellt und benehmen sich trotz Blutlosigkeit wie Menschen: Sie verlieben sich, erleben Trauer, sind trotz ablaufendem Haltbarkeitsdatum heldenmutig, versnobt, machen Fehler und vollbringen Gutes. Jedes „süße Stückchen“ und jede „Teigware“ zeichnet sich durch ganz eigene Charakterzüge aus und ist auf seine Art liebenswürdig. Ich kann keinen benennen, der im Verlaufe des Buches nicht über sich selbst hinausgewachsen wäre oder dem Leser letztlich ungeahnte Füllungen offenbart hätte.
Besonders schön fand ich bei der Charakterzeichnung zudem, dass für jedes Hauptpersonenrezept stets zwei gleiche Zutaten verwendet und vom Leser auch herausgeschmeckt wurden: Hoffnung und Lebensfreude.
Und ich denke, dass das eine wichtige Botschaft für den Leser darstellt: Auch wenn es ernste und sehr traurige Moment im Leben gibt, es lohnt sich, weiterzumachen und die Freude daran nie zu verlieren. Es gab schon immer Menschen, die Angst vor der „Hölle“ haben – die Buchhelden in diesem Roman beweisen, dass selbst nach einem Aufenthalt im warmen Ofen das Abenteuer erst so richtig beginnen kann. Dann eben einfach ein bisschen „crosser“.
Zu der Handlung selbst sollte wohl nichts weiter verraten werden – ein Bäcker behält das Geheimnis um seine „Spezialzutat“ schließlich auch stets gut unter Verschluss.

Allerdings würde ich „Die wilden Piroggenpiraten“ keinem Kind unter zehn Jahren zum Lesen geben. Eine Stärke von immerhin 656 Seiten könnte auf die kleinen Schlemmerer evtl. abschreckend wirken und sie vorab übersättigen. Ebenso wie manch angebrachter Witz oder die ein oder andere behandelte Thematik, was auch die Antriebskraft hinter so mancher Tat der Protagonisten einschließt, von diesen vielleicht nicht in dem Maße verstanden werden könnte, wie es ältere Leser vermögen. Da auch einige neologistisch eingebrachten Redewendungen und Begriffe nicht ohne Nachschlagen im Glossar gleich richtig gedeutet werden könnten, was meinem Lesevergnügen aber keinen Abbruch getan hat, würde ich Putnins Werk den eingefleischteren Bücherwürmern empfehlen.
Ja, ich kann diesen Roman nur empfehlen – denn eine so originelle Geschichtsidee gehört einfach gelesen, genossen und noch mehr „Restaurantkritikern“ vorgesetzt. Als zusätzliche Bonus zählen die goldigen Zeichnungen, die jeweils am Kapitelanfang einen Ausschnitt aus dem Geschehen im Buch visualisieren und das Extra, das der Verlag für uns Leseratten und Naschkatzen im Internet zur Verfügung gestellt hat und auf das am Anfang des Buches nochmal hingewiesen wird: Die Rezepte der Helden finden sich online zum Nachbacken.
Köstlich!

 

[Autoreninterview] Fragen an Sabrina Qunaj

Es ist schon ewig her, seitdem ich das letzte Mal einem Schreibfederschwinger mit meinen Fragen auf die Pelle gerückt bin. Aus diesem Grund hat mein Dickkopf beschlossen, bei der Autorin meines absoluten Lese-Highlights des Jahres 2012 “Elfenmagie” genauer nachzuhaken, was das Schreiben für sie bedeutet und wie sie es angeht. Und meine Ausbeute an Antworten kann sich sehen lassen, aber lest selbst …

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Hallo Sabrina!

„Eigentlich gibt es über mich nicht besonders viel Interessantes zu sagen.“ Diesen Satz habe ich in der Biographie auf deiner Homepage gefunden und ich gestehe, dass ich dieser Aussage recht wenig Glauben zu schenken vermag. Es heißt, dass Autoren ihren Figuren immer ein wenig etwas von sich selbst mitgeben. Bei so spannenden und vielschichtigen Persönlichkeiten, wie der Leser sie in deinem  Debüt „Elfenmagie“ findet, stellt sich mir nun natürlich die Frage: Wer von ihnen hat etwas von Sabrina Qunaj abbekommen und natürlich, was genau ist das?

Ich würde sagen, jeder meiner Figuren hat einen Teil von mir – schließlich kommen sie ja auch von mir. Ich denke mir die Hintergründe der Charaktere aus, stelle mir Fragen: Woher kommen sie, wie haben sie ihre Kindheit verbracht, wer sind ihre Freunde, Familie … So entwickeln sich die Persönlichkeiten, denn es ist ja unsere Umgebung, die uns letztendlich formt. Wir alle haben viele Eigenschaften in uns – manche mehr, manche weniger ausgeprägt und so haben meine Charaktere allesamt ein Stück „Sabrina“ abbekommen. Ich bin ein Mensch, der nicht impulsiv handelt und sehr genau nachdenkt – das habe ich mit Liadan gemein. Andererseits bin ich auch sehr verträumt und romantisch, was ich Eamon weitergegeben habe. Nevliins Ehrgeiz – er wollte ein Ritter werden und arbeitete so hart und lange dafür, bis er es schaffte – ist genau der Grund, aus dem auch ich meinen Traum vom Schreiben verwirklichte. Vanora hat ebenfalls einen Teil von mir, wie in etwa meinen Trotz „du glaubst, du kannst mir etwas vorschreiben?“, aber auch die Opferbereitschaft für diejenigen, die sie liebt. Alkariel fühlt sich im Recht und ist eigentlich nur einsam. Ich weiß nicht, was aus mir werden würde, wenn ich solch eine Verantwortung tragen müsste und niemanden hätte, der diese Last mit mir teilt. Auch ich würde mich wohl an etwas festklammern – sei es nun eine Person oder ein Ziel, das ich zu erreichen strebe.

 

„Elfenmagie“ sticht allein schon durch seine starke Seitenzahl aus den vielen Debütneuerscheinungen hervor. Wie genau sah deine Motivation aus, so einen „Wälzer“ zu Ende zu schreiben? Gab es auch Zeiten, in denen du am liebsten abgebrochen hättest?

Damals dachte ich noch gar nicht an eine Veröffentlichung. Ich schrieb normale A4 Seiten und erzählte, was ich zu erzählen hatte.  Die Überraschung kam dann später beim Umwandeln in Normseiten, wo sich die Zahl fast verdoppelte.

Nein, abbrechen wollte ich nie. Ich schrieb „Elfenmagie“ nur für mich zum Spaß und nur dann, wenn ich zum Schreiben aufgelegt war. Solche Gedanken kamen erst bei anderen Projekten, als ich schon Verträge und dementsprechend Abgabetermine hatte. Das war zeitweise schon stressig.

 

Durch den „POV“-Schreibstil hast du von jedem deiner Figuren ein klares Charakterportrait gezeichnet. Wie viel Psychologe steckt in einem Schriftsteller?

Puh, eine schwere Frage. Ich glaube, Einfühlungsvermögen ist wirklich das Wichtigste und ich finde es immer noch am Spannendsten, die Charaktere zu entwickeln. Es gibt eine so unglaublich große Vielfalt an Persönlichkeiten und diese zu entdecken und auf ihren Weg zu schicken ist furchtbar aufregend. Was für ein Mensch bin ich, wenn ich ohne Familie und in einer Umgebung von Krieg aufwachse? Was für ein Mensch bin ich, wenn ich stets geliebt und behütet werde? Wie reagiert der eine auf schlimme Situationen? Wie der andere? Solche Fragen zu lüften und dann aufzuschreiben macht das Schriftstellersein für mich aus.

 

Das Schicksal spielt eine wichtige Rolle in deinem Debüt „Elfenmagie“ und schneidet nicht unbedingt nur gut ab. Welche Rolle misst du selbst diesem bei?

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Ich selbst bin kein sehr spiritueller Mensch, ertappe mich aber häufig dabei zu sagen „es hatte einen Grund, dass das passiert ist“. Ich wollte unbedingt eine bestimmte Wohnung haben, bekam sie nicht und war enttäuscht. Später bekam ich aber eine viel schönere.  Ich bekam Jobabsagen und war verzweifelt, doch dann winkte plötzlich der Traumjob. Diese Liste ließe sich endlos weiterführen. Nun sage ich jedes Mal, wenn etwas nicht klappt: „Wer weiß, wozu das noch gut war“ und so findet man sich leichter mit Negativem ab. Ob das jetzt Vorherbestimmung, Karma oder Schicksal ist … Keine Ahnung, aber ich halte Elfen für sehr spirituelle Wesen und daher musste diese Welt auch von einer höheren Macht gelenkt werden. Ob diese jetzt gut oder böse oder irgendetwas dazwischen ist, sei mal dahingestellt.

 

2012 erscheinen ja gleich zwei weitere Romane aus deiner Feder. Wie viel Vorausplanung an Plot- und Charakterstruktur hast du für deine bisherigen Bücher betrieben, bevor der eigentliche Schreibprozess losging? Lässt du Ideen sich auch während dem Schreiben aus dem Moment heraus entfalten?

Wie viel Vorausplanung? So gut wie keine. Mich trifft eine Idee, ich denke darüber nach und bei der ersten Gelegenheit schreibe ich drauf los. Meine Geschichten entwickeln sich immer erst beim Schreiben. Ich habe keine Notizbücher, Zettelchen oder Plot-Strukturen. Ich lerne die Geschichte, die Umgebung und meine Charaktere langsam beim Schreiben kennen  – genauso wie der Leser. Natürlich muss ich dann häufiger zurück zum Anfang, um gewisse Dinge umzuschreiben, aber das Vorausplanen bringt bei mir nicht viel, weil dann doch wieder alles anders kommt.

 

Wann genau weißt du dann, dass es sich lohnt, eine neue Idee weiter zu verfolgen?

Bisher hatte ich noch keine Idee, die ich nicht bis zum Ende durchzog :-) Manchmal, wenn ich gerade im Schreibprozess eines anderen Projektes bin und sich die Ideen sammeln, vermische ich auch mal mehrere zu einem Projekt. Ich nehme das Beste von allem und mache etwas Neues daraus.

 

Die nächste Frage klingt mit Sicherheit sehr banal, doch ist sie auch eine der interessantesten: Warum genau schreibst du?

Ich fing an, weil ich die Bilder in meinem Kopf nicht mehr los wurde und sie sich, anstatt schwächer zu werden, immer mehr weiterentwickelten und schärfer wurden. So wurde eine Art Sucht daraus, von der ich nicht loskomme. Der Moment, wenn ein Charakter vom vorgegebenen Pfad abweicht und seine eigene Geschichte erzählt, entschädigt für alle durchwachten Nächte und Flauten.

 

Die bekannte „Schreibblockade“. Ist sie nur ein Mythos oder musstest du dich selbst schon mit einer herumschlagen?

Da sind wir ja schon bei den Flauten :-) Ich werde immer von einer Art Schreibrausch erfasst und schreibe dann auch oft zwanzig Seiten am Tag. Diese Phasen flauen dann aber ab und dann steh ich plötzlich da und komm nicht weiter. Da ich aber nicht komplett ohne das Schreiben leben kann, gehe ich dann einfach zu einem anderen Projekt, wo wieder alles neu und aufregend  ist und mache da weiter und so geht es hin und her – ich schreibe immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Wenn gar nichts hilft: ab nach draußen, Musik an und dem Kopfkino zuschauen.

 

Wie sehr hat das Schreiben dich und dein Leben verändert? Erlebst du es manchmal als Last?

Das Schreiben hat mich ruhiger und ausgeglichener gemacht. Ich verdiene mein Geld mit dem, was ich liebe. Ich muss morgens nicht mehr ins Büro hetzen, kann mich voll und ganz nach meinen Kindern richten und bin mein eigener Herr. Es ließ mich auch selbstbewusster werden und gab mir eine Menge Kraft. Ich lerne durch meine Charaktere, erlebe durch sie so viele schwierige Situationen und lerne, damit umzugehen, dass ich den Alltagsproblemen mit Ruhe und Gelassenheit begegnen kann. Früher kam für mich schon ein Strafzettel einem Weltuntergang gleich. Auch meine Kinder profitieren davon, denn eine vollgeschmierte Wand, schlaflose Nächte und umgestoßene Saftgläser können mich nicht aufregen. Eine Last? Manchmal wünschte ich mir, eine neue Idee sofort aufschreiben zu können und nicht noch erst etwas anderes fertigmachen zu müssen, für das ich einen Termin einhalten muss. Aber das Schreiben selbst empfinde ich nicht als Last.

 

Gibt es eine Textpassage, einen Protagonisten oder eine Idee, auf die du besonders stolz bist?

Immer die neueste! Jedes Mal, wenn ich mit einem neuen Projekt anfange, eine neue Idee finde und mit dem Schreiben beginne, sage ich: Das ist das Beste, das ich je geschrieben habe. Besonders gern mag ich aber die Prologe meiner Fantasy-Bücher, aber davon kennt ihr ja erst einen.

Es ist bekannt, dass du dich beim Schreiben von der Musik inspirieren lässt. Wie bringst du diese in deinen Schreibprozess ein?

Die Charaktere entwickle ich während dem Spazierengehen mit meinem MP3 Player. Texte, Emotionen verbinden sich und lassen Bilder vor meinem geistigen Auge aufleben. Während dem Schreiben höre ich aber lieber Instrumentalmusik, um die richtige Stimmung heraufzubeschwören und nicht von den Texten abgelenkt zu werden.

 

Die Erscheinungsdaten vom zweiten Band der Elvion-Reihe, sowie deines ersten Jugendbuches stehen zwar schon an, doch für deine Leser ist es mit Sicherheit spannend zu erfahren, ob du bereits weitere Projekte geplant hast. Wenn ja, darfst/kannst du schon ein bisschen etwas darüber verraten?

Ich habe noch zwei Fantasy-Jugendbücher zu Hause liegen: den zweiten Band von „Teufelsherz“ und eine völlig eigene Geschichte. Im Moment schreibe ich an meinem ersten historischen Roman und vielleicht darf ich auch bald mit einem dritten Band der Elvion-Reihe anfangen.

 

Unterschiedliche Genre bzw. ein anderes Zielpublikum verlangen meistens auch einen etwas anderen Schreibstil. Inwieweit trifft das auf dich zu? Und falls es das tut – fällt dir der Wechsel vom Stil für einen Erwachsenen- zum Jugendroman schwer? Wo genau liegen die Unterschiede?

Ich wechsle nicht bewusst den Schreibstil, wenn ich von Fantasy zu Historie, von Jugend- zu Erwachsenenbüchern wechsle. Im Moment des Schreibens bin ich der jeweilige Charakter und spreche mit seiner Stimme. Wenn sich die Sprache und der Schreibstil dadurch ändern, passiert das ganz von selbst und unbewusst.

 

Hast du für die Hobby-Autoren da draußen vielleicht noch einen Tipp?

Schreibt in erster Linie für euch selbst. Legt euer Herz und eure Seele in die Geschichte. Gebt den Charakteren den Freiraum, um ihren Weg selbst zu bestimmen – okay, das war jetzt mehr als nur ein Tipp.

Gibt es da noch etwas, das du deinen Lesern abschließend sagen möchtest?

Ich möchte mich bei allen Lesern bedanken, besonders bei denen, die mir so liebe und motivierende Nachrichten schreiben oder so tolle Rezensionen verfassen. Ich hoffe sehr, dass die nächsten Bände ebenso überzeugen und ich die hohen Erwartungen erfüllen kann.

 

Liebe Sabrina,

habe vielen Dank für die Zeit und vor allem deine Mühe! Ich wünsche dir weiterhin so viel Freude am Schreiben und vor allem – viel Erfolg!

Danke, Anna, für das tolle Interview und die originellen Fragen. Es hat mir Spaß gemacht, sie zu beantworten und ich hoffe, dass die Leser sie auch interessant finden werden.

Alles Liebe

“Ascheträume” geht an …

Ich hatte wieder so viele tolle Kommentare dabei, dass ich mich zuerst nicht entscheiden konnte, wer “Ascheträume” jetzt bekommen soll. Mit vielen der Träume konnte ich mich nämlich so gut identifizieren! Doch ich bin mir sicher, wenn die restlichen Teilnehmer wüsste, was die Gewinnerin geschrieben hat, würden sie meiner Entscheidung zustimmen, dass das Buch nur an SARAH F. gehen kann!

Herzlichen Glückwunsch, Sarah. Ich hoffe, du wirst deine Freude mit dem Buch haben! Für deinen Traum drücke ich dir alles, was zu drücken geht! :-)

Und natürlich drücke ich euch für alle anderen die Daumen! Ich bin mir sicher, wer so viel Verständnis für die Delfine aufbringt, den werden die Tiere gerne einmal in ihrer Nähe dulden. Der Jakobsweg dürfte auch zu meistern sein – und die Hochzeit in weiß … Gott! Ich werde vor jedem niederknien, der sich einen Kerl mit einem SOLCHEN Blick angeln konnte! ;D

 

Alles Liebe euch Lieben

eure Clee

[Buchfamilienzuwachs] Verrückt, bekloppt oder einfach nur süchtig?

Okay, wer hat mir letztens gleich noch gesagt, dass ich gar nicht so verrückt bin? Oh, richtig – verdammt! Das war ich selber. Doch immerhin hat das jetzt zum Vorteil, dass ich lediglich vor mir selber zugeben muss, dass ich unrecht hatte.

Einigen ist ja schon aufgefallen, dass ich einige Zeit keinen SuB mehr hatte, sieht man mal von “Dark Canopy” ab, dass ich ja seit Längerem am Lesen bin. Ich hatte mich nämlich dazu entschlossen, den alten SuB erst einmal vollständig abzulesen und in der Zeit auch keine Rezensionsexemplare mehr anzufordern oder mir selbst Bücher zu kaufen. Das hat so gut geklappt, dass ich jetzt zum ersten Mal (!) seitdem ich Clee’s Bücherwelt ins Leben gerufen habe, nur ein bis zwei Rezensionsexemplare, die noch nach einer Kritik schreien, hier lieen habe. Allerdings, wie ich gestehen, werden bald schon wieder ein paar Besprechungsexemplare bei mir eintrudeln, wenn auch äußerst wenige (ich glaube, insgesamt dieses Jahr noch sechs bis sieben Stück).

Neben meinem Stolz über mein Durchhaltevermögen hat sich jedoch auch ein anderes Gefühl in mir breit gemacht … Unzufriedenheit. Ich hab es geliebt, mit dem Wissen, dass noch viele unbekannte Abenteuer auf mich warten, in mein Buchregal zu blicken. Das war jetzt aber natürlich nicht mehr möglich. Ich lese durchaus Bücher gerne zweimal (oder manchmal auch acht Mal), doch die Lockrofe des Unerforschten blieben aus. Und glaub mit … diese Stille ist nichts für eine Clee.

Deshalb habe ich die letzten beiden Wochen damit zugebracht, wieder neue Versuchungen für mich zugänglich zu machen (ich handhabe das offensichtlich ganz im Stile Oscar Wildes). Und seht nur, was dabei herausgekommen ist …

Neue englische Bücher:

Gillian Philip – “Firebrand” (Band 1)

Gillian Philip – “Bloodstone” (Band 2)

Nun, wie man sich vielleicht denken kann, habe ich mir die Bücher nicht wegen der Cover zugelegt, sondern wegen der Leseprobe zu “Firebrand: >>Klick!<< Und weil ich stark annehme, dass das Buch mich überzeugen wird, habe ich Band 2 gleich hinzu gekauft. Wir werden sehen, ob das ein Fehler war …

 

Elizabeth Gaskell – “North and South”

Kennt jemand die BBC-Verfilmung von “North and South”? Heiliger Buchrücken – was liebe ich diesen Film und erst die Originalstimme von Richard Armitage als John Thornton … *schmacht*

Wirklich, wenn ihr etwas für diese Art Film übrig habt, dann müsst ihr ihn euch ansehen! Neben einer glaubwürdigen Liebesgeschichte warten Film (und ich nehme an, damit auch das Buch) mit einem sehr realistischen Portrait des Konflikts der Arbeiterklasse mit dem “Industrieadels” des Viktorianischen Englands (1850).

 

Juliet Marillier – “Heart’s Blood”

Die Autorin sagt eigentlich schon alles … Und dann habe ich irgendwo noch folgegende Versprechung gelesen: “Medieval Ireland meets Beauty and the Beast”! *.*

 

 

Neal Shusterman – “Unwind”

Klingt nach einer spannenden Dystopie:

“In America after the Second Civil War, the Pro-Choice and Pro-Life armies came to an agreement: The Bill of Life states that human life may not be touched from the moment of conception until a child reaches the age of thirteen. Between the ages of thirteen and eighteen, however, a parent may choose to retroactively get rid of a child through a process called “unwinding.” Unwinding ensures that the child’s life doesn’t “technically” end by transplanting all the organs in the child’s body to various recipients. Now a common and accepted practice in society, troublesome or unwanted teens are able to easily be unwound.”

 

Lisa Mantchev – “Eyes like Stars”

Steffi von Daydreaming and Dreaming hat mir diesen Floh ins Ohr gesetzt. Und wirklich überzeugen musste sie mich nicht groß, siehe Klappentext:

“Enter Stage Right

Beatrice Shakespeare Smith (Bertie): Our heroine.
Nate: A dashing pirate who will do anything to protect Bertie.
Cobweb, Moth, Mustardseed, and Peaseblossom: Four tiny, mischievous fairies, and Bertie’s loyal sidekicks.
Ariel: A seductive air spirit. Disaster follows in his wake, but Bertie simply cannot resist him.

Welcome to the Théâtre Illuminata (…)”

 

Suzanne Brockmann – “The Unsung Hero”

Wieder eine Empfehlung … wenn schon ein Liebesroman, dann einer mit knallharten “Navy SEALs” oder? ;)

“Navy SEAL Lt. Tom Paoletti, on medical leave after a near-fatal head injury, returns to his New England hometown and is drawn into an unresolved relationship with the girl he left behind. Kelly Ashton, now a pediatrician, is caring for her dying father when Tom returns to disrupt–and enrich–her life. Then Tom glimpses a terrorist he once pursued who’s supposed to be dead, but his antagonistic superiors attribute the unlikely sighting to his head injury. Brockmann keeps the tension high, while also revealing the heartbreaking wartime secret shared by Kelly’s father and Tom’s beloved uncle. Another subplot involving Tom’s niece also plays nicely into the dramatic finale as Tom and a makeshift team must take on terrorist bombers unaided.”

 

Patricia Briggs – “Moon Called” (Band 1 der Mercy Thompson-Reihe)

Patricia Briggs – “Blood Bound” (Band 2 der M. T.-Reihe)

Ich habe die ersten beiden Bände vor zwei Jahren auf deutsch gelesen. Da ich die Reihe jetzt fortführen möchte, aber gesehen habe, dass der Sprachwitz der Autorin in der Übersetzung nicht so richtig herauskommt, werde ich sie jetzt auf englisch lesen …

Mercy Thompson ist so eine richtige “Kick Ass”-Frau, die kein Spielball sondern eher der Schiedrichter der Männerwelt ist. Doch dabei ist sie keineswegs eiskalt oder so berechnend, wie man es diesem Frauentyp gern zuschreibt … Ein genialer und absolut sympathischer Charakter!

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Neue historische Romane:

Charlotte Thomas – “Der König der Komödianten”

“Veneto, 1594: Sie sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen – eine hinreißende Hauptdarstellerin, ein waffenstarrender Zwerg, ein schlitzohriger Intendant und dessen bockige Enkelin. Mitten hinein in dieses schillernde Ensemble gerät der völlig unerfahrene, achtzehnjährige Marco. Begeistert von der faszinierenden Welt des Theaters zieht er mit der Truppe nach Venedig, wo es bald um Sein oder Nichtsein geht: Nur ein neues Stück kann das Ensemble noch retten. Langsam entwickelt sich Marco vom einfachen Kulissenschieber zum Autor seines eigenen Stücks – doch bis er dieses auf die Bühne bringen kann, muss er noch viel lernen. Über das Schreiben. Über die Liebe. Und vor allem über das Leben selbst. “

Sagt das alles?

 

Tania Douglas – “Die Ballonfahrerin des König”

Tania Douglas – “Die Blutlüge”

Beide Bücher waren Glücksfälle. Ich habe das eine als Mängelexemplar und das andere als Restposten erwerben können. Natürlich habe ich vorher noch die Leseproben herangezogen, um zu gucken, wie die Autorin schreibt und ob mir ihr Stil gefällt. Und ich bin mir sicher, dass “Die Ballonfahrerin des Königs” mir besonders gut gefallen wird. Ich habe schon angefangen, es zu lesen, und bin bis jetzt begeistert.

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Neue Fantasy-Romane:

Kai Meyer – “Die Sturmkönige Band 2: Der Wunschkrieg”

Kai Meyer – “Die Sturmkönige Band 3: Glutsand”

Ich hätte schier schreien können, als ich gesehen habe, dass es den dritten Band als HC nicht mehr im Handel zu kaufen gibt. Umso erfreuter war, dass ich bei einem kleinen Onlineversand sogar eine signierte Ausgabe, die sie noch auf Lager hatten kaufen konnte! Sieht im Regal einfach schöner aus, wenn es durchweg die gebundenen Ausgaben sind – da zahlt man auch die zusätzlichen Versandkosten gerne. ;)

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Sonstige neue Bücher:

Simone Elkeles – “Du oder die große Liebe”, Band 3 der Fuentes Brüder-Reihe

Der erste Band “Du oder das ganze Leben” ist ja eines meiner absoluten Lieblingsbücher, Band 2 war ebenfalls gut – Band 3 hebe ich mir jetzt schon seit Veröffentlichungstermin auf. Ich will einfach nicht, dass die Reihe zu Ende ist! >.<

 

Julian Frost – “Last Days On Earth”

Julian Frost ist ein neues Pseudonym der Autorin: Susanne Gerdom. Muss ich mehr sagen?

“Die Maya waren ein Volk von großer Weisheit, sie konnten in die Zukunft blicken und sahen, dass die Menschheit am 21. Dezember 2012 vollständig vernichtet wird: Die Welt wird von Feuersbrünsten heimgesucht und von Erdbeben erschüttert, die Meere treten über die Ufer, die Sonne brennt erbarmungslos auf die Erde nieder, die Ernten verdorren, die Tiere verenden, die Menschen verhungern – nichts bleibt mehr, wie es war. Doch eine allerletzte Hoffnung gibt es. Karla van Zomeren ist eine Weiße Hexe. Nur sie kann die absolute Katastrophe verhindern – wenn sie sich der düsteren Vorhersage entgegenstellt und dabei ihr Leben, ihre Liebe und das Schicksal der ganzen Welt riskiert.”

 

Kathryn Stockett – “Gute Geister”

Nachdem ich jetzt schon so viel Gutes über dieses Buch gehört habe, musste ich es einfach selbst haben …

“Jackson, Mississippi, 1962: Die junge Skeeter ist frustriert. Nach dem Studium verbringt sie die Tage auf der elterlichen Baumwollfarm, als einzige ihrer Freundinnen ohne einen Ring am Finger. Sehr zum Missfallen der Mutter. Doch der Mann, mit dem ihre Freundinnen sie verkuppeln wollen, ist ein hochnäsiger Snob. Und dann ist auch noch ihr schwarzes Kindermädchen, bei dem sie stets Trost fand, spurlos verschwunden. Skeeter wünscht sich nur eins: Sie will weg aus dem engen Jackson und als Journalistin in New York leben. Und um diesem Ziel näher zu kommen, verbündet sie sich mit zwei Dienstmädchen, die ebenso unzufrieden sind wie sie: Aibileen zieht inzwischen das siebzehnte weiße Kind auf. Doch nach dem Unfalltod ihres einzigen Sohnes ist etwas in ihr zerbrochen. Und Minny ist auf der Suche nach einer neuen Stelle. Sie ist bekannt für ihre Kochkünste, aber sie ist auch gefürchtet: Denn Minny trägt das Herz auf der Zunge. Und gemeinsam beschließen die drei außergewöhnlichen Frauen, gegen die Konventionen ihrer Zeit zu verstoßen und etwas zu wagen. Denn sie alle haben das Gefühl zu ersticken und wollen etwas verändern – in ihrer Stadt und in ihrem eigenen Leben.”

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Die Folge dieser Buchkauforgie?: Volle Regale, leerer Geldbeutel und sehr gute Laune trotz leerem Geldbeutel.

[Blogger-Pläuschchen] Jede Anna braucht ihren Otto … oder auch nicht?

Meine lieben Leidensgenossen … nein, natürlich macht das Bloggen Spaß, deswegen dürfte hier ein Neologismus angebrachter sein *räusper*:

Meine lieben Glücksgenossen und -genossinnen,

ich finde es immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Reaktionen auf eine meiner Rezensionen ausfallen. Da gibt es Leser, die sich für meine Kritik bedanken, Leser, die sie zwar zur Kenntnis, aber nicht allzu ernst nehmen und Leser, die den darin enthaltenen Kritikpunkten vollkommen widersprechen. Ganz egal, zu welcher der drei Kategorien ein Leser gehört – ich freue mich über seine Antwort, denn sie interessiert mich wirklich. Manchmal frage ich mich jedoch, warum Leute meinen, mich aufgrund einer Meinungsäußerung (wo ich jedem seine doch mehr als gerne zuspreche) gleich beleidigen zu müssen (obwohl ich damit nicht ausdrücken möchte, dass Rosamunde Pilcher als Beleidigung meines Lesegeschmacks anzusehen ist – ich kenne keines ihrer Bücher. Vielleicht sollte ich aber mal eines lesen …)

Wer nicht versteht, auf was ich mit dieser Aussage anspiele, der lese bitte das hier: >>Klick!<<

Ich möchte meinen dortigen “Unterhaltungspartner” mit diesem Post keineswegs für seine Meinung zu meiner Reznsion und mir angreifen. Er darf von mir denken, was er möchte, und das ist vollkommen in Ordnung. Ich verwende dieses Gespräch lediglich als Fallbeispiel, weil mich eine Frage seit ein paar Minuten brennend interessiert: Passiert euch Bloggern oder Lesern es auch mal, dass es zu solchen Meinungsverschiedenheiten kommt? Und wenn ja, wie reagiert ihr darauf? Sollte man auf so etwas überhaupt ragieren?

Ich hatte ja versucht, mir einen Kommentar meinerseits zu verkneifen. Man siehe jedoch, ich erlitt zwei Fehlschläge. Ich hätte im vergangenen England wahrlich keine gute Gouvernante abgegeben, denn ich äußere mich einfach zu gerne zu Themen, zu denen ich was zu sagen habe, – besonders natürlich auf Unsachlichkeiten, die meine Person betreffen.

Ich meine, ich bin diesem “Otto” nicht böse, aber deswegen so etwas einfach im Raum stehen zu lassen …Was meint ihr? Ist es legitim, auf so etwas zu antworten oder sollte man solche “Auseinandersetzungen” lieber vermeiden?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

 

Alles Liebe

eure Clee

Triklin – Die Feuertänzer

Triklin – Die Feuertänzer

von Uta Maier

Papierfresserchens Mtm-Verlag, 2012

TB, 604 Seiten

ISBN: 3861960745

16,90 €

Leseprobe

 

“Im Wasserreich sagt man, das Feuer sei rote Magie, die die Seele fängt. Wie wahr dieser Ausspruch ist, versteht die junge Ana-ha erst, als sie selbst ins Feuerland reisen muss. Während eines alten Rituals inmitten der märchenhaften Flammen kommt sie allerdings endlich dem undurchsichtigen Einzelgänger Iciclos näher. Dass ihr bester Freund Seiso-me sie immer wieder vor diesem warnt, überhört sie geflissentlich. Erst als die heiligen Symbole der Elementenreiche nacheinander gestohlen werden, kommen ihr Zweifel. Könnte Iciclos tatsächlich einer der gefürchteten Symbolräuber sein, die mit den Heiligtümern eine göttliche Dimension öffnen wollen? Die volle Wahrheit über ihn, seine Gefährten und ihre eigene Rolle bei deren Plänen erfährt sie erst, als sie sich durch Iciclos’ vermeintlichen Verrat in den Händen von Fiuros Arrasari wiederfindet, einer seiner Verbündeten und ihr erbittertster Feind. Und die rote Magie, die die Seele fängt, wird für sie buchstäblich zur Feuertaufe.”

Mit „Triklin – Die Feuertänzer“ ist der mir zuvor noch unbekannten Autorin Uta Maier ein fulminantes und spannendes Buch gelungen, dass ich wirklich in einem Rutsch durchgelesen habe.
Die Grundidee, nämliche die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft bezeichnend für die vier verschiedenen Stämme zu nehmen, ist mit Sicherheit nichts allzu neues, doch die Autorin hat es dennoch geschafft, aus dieser Thematik eine innovative Geschichte zu ziehen.
Besonders gut gefallen hat mir die relative Unvorhersehbarkeit der Handlung – gerade das Ende war für mich ein dermaßen großer Spannungsfaktor, da ich nicht genau zu sagen vermochte, wie sich die Protagonistin Ana-ha letztlich entscheiden würde – und das war wirklich DIE Entscheidung des ganzen Buches, bei der alles auf dem Spiel stand, was mir als Leser wichtig war.

Hinzu bietet uns Maier hiermit auch nicht nur ein reines Abenteuer – Fragen über den Sinn des Lebens und den inneren Konflikt einer Person, wie weit ist zu weit, wenn man seine Ziele erreichen will, werden in die Handlung mit eingebunden und verleihen dem ganzen die nötige Tiefe. Damit will ich nicht sagen, dass hier groß herum philosophiert wird. Die Autorin hat es einfach geschafft, anhand gewisser Ereignisse diese Fragen in den Raum zu werfen und den Leser somit zu Nachdenken anzuregen.
Auch die Figuren weisen den erwünschten Tiefgang auf. Hier gibt es keine „Schwarz-Weiß“-Zeichnung. Jeder hat seine guten und weniger guten Charakterzüge. Die Motive sind sowohl bei den Anta- als auch bei den Protagonisten gut herausgearbeitet worden, sodass ich für jede Person und deren Handlungsweise Verständnis aufbringen kann, wenn ich sie dann auch nicht unbedingt gutheiße.
Ebenso der sogenannte „tortured hero“ (gehört für mich einfach zu einem guten Buch dazu) samt innerer Zerrissenheit fehlt hier nicht, sondern findet in Iciclos seine Gestalt. Auch wenn er teilweise wirklich den falschen Weg gewählt hat, ist er meine Lieblingsfigur. Ich habe einfach eine Schwäche für solche Charaktere …
Aber auch Ana-ha, trotz hin und wieder auftretender Naivität ist sie eine starke Persönlichkeit, und Seiso-me, der mich letztendlich am meisten beeindruckt hat, sind mir sofort ans Herz gewachsen. Sie sind alle in ihrem Verhalten sehr authentisch dargestellt und bieten ausreichend Identifikationspotenzial.

Zwar hatte ich so meine Probleme mit der „Dreiecksbeziehung“, aber ausnahmsweise mal nicht nur, weil die einzelnen Parteien sich nicht entscheiden konnten, sondern weil dadurch das Freundschaftsverhältnis zwischen den Beteiligten zu sehr gelitten hat und der Ausgang des ganzen umso tragischer erscheint.
Gut allerdings war, dass die Liebesgeschichte durchaus eine tragende, aber keine dominante Rolle eingenommen hat. Die Annäherung der Charaktere war zögerlich, ihre Gefühle haben eine Entwicklung durchgemacht und erst dadurch konnten sie nachvollziehbar wirken. Lieben ohne Grund – dieses Phänomen bleibt dem Leser glücklicherweise erspart.

So habe ich letztendlich auch nur zwei weitere eher negative Kritikpunkte zu vermerken und das ist der teilweise Stilbruch im Sprachbild der Autorin. Der Einwurf von modernen Begriffen wie „Hi“ usw. hat nicht zu der eher altehrwürdigen Ausdrucksweise der Charaktere gepasst, geschweige denn in das Weltbild dieser Fantasy-Geschichte.
An sich war der Schreibstil flüssig, doch hier und da hätte eine Kürzung bei den gedanklichen Ausführungen der Personen vielleicht nicht geschadet, weil dadurch kurze Längen entstanden sind und man eigentlich viel lieber wissen wollte, wie es weitergeht, als mehrere „Ich wünsche“-Sätze zu lesen.

Ich muss aber sagen, dass „Triklin – Die Feuertänzer“ trotz der oben erwähnten „Mängel“ ein flüssig zu lesendes, spannendes und ergreifendes Buch ist, das vor allem durch die vielen Wendungen im Handlungsverlauf, die grauschattierten Charakterportraits und ein Ende ohne erzwungen herbeigeführtes „Happy End“ überzeugt. Ich bin gespannt, was es als nächstes von Uta Maier geben wird!

Allerdings, was ich noch bemerken muss, ist der Einband des Buches nicht gerade sehr lesefreundlich. Er ist eigentlich aus einem eher unelastischen Material, biegt sich jedoch schon alleine beim ins Regal Stellen nach außen, ebenso wie die Seiten. Doch davon mal abgesehen gefällt mir das Coverbild sehr gut.

© BlancaBlack1

Der Kuss des Feindes

Der Kuss des Feindes

von Titus Müller

Fischer, 2012

Gebunden, 282 Seiten

ISBN: 3596854458

14,99 €

 

“Liebe kennt keine Grenzen
Kappadokien um 800 n. Chr.: Über zehntausend Menschen leben in der geheimen unterirdischen Stadt Korama. Es sind Christen. Sie haben hier Zuflucht gefunden vor den Arabern, die das Land erobert haben. Arif, der Sohn eines arabischen Hauptmanns, entdeckt bei einem Streifzug das Christenmädchen Savina und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Unbemerkt folgt er ihr und entdeckt so den geheimen Zugang in das Höhlensystem der Christen. Eigentlich müsste Arif seinem Vater melden, dass er die Stadt der Christen entdeckt hat …”

Mit „Der Kuss des Feindes“ ist Titus Müller wirklich ein stimmungsvoller Jugendroman, der mit bildreicher Sprache das Kappadokien 800 n. Chr. wieder auferstehen lässt, gelungen. Ich bin mir deshalb ziemlich sicher, dass dieses Buch gerade junge Leser, die keine große Erfahrung mit dem historischen Genre haben oder bisher vielleicht auch nicht mal Interesse daran entwickeln konnten, für Geschichte zu begeistern vermag.
Ich gebe zu, über die hier behandelte Thematik und den historischen Kontext wusste ich vorher so gut wie nichts, doch dank Müller ist mein Interesse jetzt geschürt und für einen so kurzen Roman habe ich jetzt schon das Gefühl, gut informiert zu sein. Die Tatsache, dass 10.000 Menschen in einer unterirdischen Höhlenstadt Schutz gesucht und gelebt haben, klingt fast schon nach dem Stoff für ein Fantasy-Abenteuer. Dass unsere Weltgeschichte wahrhaftig ein solches Szenario hergibt ist daher umso faszinierender.

Wie ich im Nachwort des Autors lesen durfte hat er den Ort des Geschehens selbst erkundet und das merkt man an dem klaren und plastischen Portrait, das er von den vorkommenden Landschaften zeichnet.
Doch das war noch nicht einmal das Beste an diesem Roman. Vielmehr ist es die Art und Weise, wie Müller mit dem Konfliktzwischen Christentum und Islam umgeht.
Dem Werk liegt die gewünschte Objektivität zugrunde, doch da die Protagonisten natürlich jeweils durch ihre Glaubensrichtung geprägt sind, lässt er auch deren subjektive Vorstellungen einfließen. Der Leser stößt dadurch auf so manches Vorurteil und auf Hass, doch gleichzeitig bekommt er vermittelt, dass gegenseitiges Verständnis und das Aufkommen von Toleranz die daraus resultierende Feindschaft beilegen kann.
Die Menschen mögen sich auch in ihrem Glauben unterscheiden, doch in den wesentlichen Dingen gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen.

Verstärkt wird diese Botschaft durch die Liebesgeschichte von der Christin Savina und dem Moslem Arif. Eigentlich müssten sie sich als Feinde gegenüberstehen, doch sie beweisen durch ihre Gefühle füreinander, dass eigentlich ein Kampf für die Menschen ausgefochten werden muss – nicht einer unter ihnen.
Beides sind sehr authentische und sympathische Charaktere, die durch einen festen Willen, genauen Vorstellungen von ihrem weiteren Lebensweg, aber auch der nötigen Nachdenklichkeit und Offenheit, aufgrund der sie letztendlich mit den alten Vorurteilen brechen können, überzeugen. Savina war mir teilweise zwar etwas sprunghaft, aber als Zeugnis ihrer Jugend ist das eine nur nachvollziehbare Eigenschaft. Ihren Freiheitsdrang konnte ich nämlich so gut nachempfinden, dass ich ihr im Namen dessen ziemlich vieles verziehen hätte.
Arif hingegen war viel ernster, was wohl auch in seiner Vergangenheit begründet liegt – der Familiensituation, in der er aufgewachsen ist.
Schön fand ich an den beiden als Paar, dass sie neben ihren Gefühlen nicht die offenkundigen Probleme aus den Augen verloren haben. Die Liebesgeschichte ist demnach nicht zu dominant, auch wenn sie der Auslöser für vieles ist.
Zwar, und das ist mein einzig wirklich negativer Kritikpunkt an „Der Kuss des Feindes“, ging mir der Prozess des Verliebens zu schnell, doch das ist ein Umstand, der bei der niedrigen Seitenzahl zu erwarten war. Und da auch die anderen Charaktere realistisch vorgestellt und in die Handlung eingebunden wurden, gibt es für mich nichts weiter zu motzen.
Natürlich ist nicht auf jede Figur bis ins kleinste Detail eingegangen worden, doch wie schon gesagt – die Seitenzahl hat nichts anderes zulassen und dafür war es ausreichend.

So kann ich „Der Kuss des Feindes“ getrost jedem etwas jüngeren Histo-Lesemuffel ans Herz legen. Lasst euch überzeugen, dass die Vergangenheit aufregender sein kann, als ihr vielleicht denken mögt!

 

© Fischer Verlag

Der Schwur der Sünderin

Der Schwur der Sünderin

von Deana Zinßmeister

Goldmann, 2011

TB, 480 Seiten

ISBN: 3442472490

9,99 €

Leseprobe

 

“Als die junge Anna Maria nach einer gefahrvollen Reise in ihr Heimatdorf Mehlbach zurückkehrt, wird ihr ein kühler Empfang bereitet. Denn mit Veit befindet sich ein geheimnisvoller Fremder an der Seite der jungen Frau, den die Mehlbacher misstrauisch beäugen. Als Veit kurz darauf mit Wölfen im Wald gesehen wird, hängt ihm bald der Ruf an, selbst ein Wolf zu sein. So schlägt das Misstrauen im Dorf in Angst um, und Anna Maria, die nun für alle die „Wolfsbraut“ ist, setzt alles daran, den Mann, den sie liebt, vor einem grausamen Schicksal zu retten …”

„Der Schwur der Sünderin“ ist mein erstes Buch von Deana Zinßmeister (leider habe ich nämlich erst zu spät bemerkt, dass es der zweite Band nach „Die Gabe der Jungfrau“ ist). Umso erfreulicher war es, dass ich mich trotz nicht vorhandenem Vorwissen gut in der Geschichte zurechtgefunden habe – meines Erachtens ist der erste Roman deshalb keineswegs von Nöten, um diesen hier zu lesen.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass hierin die Geschichte des einfachen Volkes erzählt wurde. So begegnen uns auch die Probleme der Bauern und Landsknechte, wie z.B. die Hungersnot durch Missernten aufgrund von schlechten Wetterverhältnissen oder der Aberglaube der Menschen aus der Frühen Neuzeit – allem voran der Aberglaube im Bezug auf Werwölfe oder Gestaltwandler, der ein nicht wegzudenkender Bestandteil des hier dargestellten Kulturportraits ist.
Allerdings ermöglicht es Zinßmeister dem Leser auch, das Verhältnis von Wolf und Mensch aus einem anderen Blickwinkel zu begutachten. Einer der Protagonisten ist ein „Wolfsbanner“, ein Mensch, der mit den Wölfen lebt und in den Tieren nicht den Feind sieht, sondern ein ebenso wertvolles Geschöpf wie den Menschen.
Da steht es außer Frage, dass sich ein Konflikt zwischen den Ansichten über Wölfe und die Menschen, die sich mit den Tieren „zusammentun“, ergeben wird.
Bei dieser Thematik wurde die Motivation beider Parteien wirklich gut herausgearbeitet. So kann ich als Leser sowohl die Verfolger der Wölfe und Ankläger des Wolfbanners verstehen, als auch die „Pro-Wolf-Seite“. Dabei steht außer Frage, wem meine Zuneigung bei diesem Konflikt gehört.
Gleich verhält es sich bei den Charakteren. Anna Maria und Veit sind beide sehr sympathische Figuren, die sich trotz aller Probleme stets selbst treu bleiben und für das kämpfen, was sie lieben und von wem sie überzeugt sind.
Doch auch den Nebenfiguren wird genug Raum zur Entfaltung eingeräumt, sodass der Roman keinesfalls zu eindimensional bleibt. Darunter finden sich Menschen, die der Leser ebenfalls gern haben oder bei allem Verständnis auch abgrundtief hassen wird.

Die bereits im Klappentext angepriesene Liebesgeschichte war zum Glück auch nur ein Handlungsstrang von vielen und deshalb nicht dominierend. Kitsch sucht man hier vergeblich und das ist auch gut so, denn dadurch erscheint die Beziehung zwischen Veit und Anna Maria viel realistischer im Anbetracht der Ereignisse.

Da ich auch an den geschichtlichen Begebenheiten sehr interessiert bin, war es für mich ebenso erfreulich, festzustellen, dass die Autorin ihren Lesern eine ausreichend gute Beschreibung des damaligen Lebens liefert. Eine Karte vom Deutschland (1525/26) und ein Personenregister am Anfang des Buches ermöglicht einem auch eine gute Orientierung, sodass ich keinerlei Probleme damit hatte, mich bei den Örtlichkeiten und Charakteren zurechtzufinden.

Deshalb gibt es für mich auch nur einen kleinen negativen Kritikpunkt an diesem Buch und das ist der Schreibstil. Zinßmeister weiß sich durchaus auszudrücken und einen flüssigen Text zu Papier zu bringen, doch durch den auktoriale und teilweise ein wenig zu stark nüchternen Erzählstil hat mir an so mancher Stelle ein Bild der Gefühlslage der Protagonisten gefehlt. Ich habe die Personen agieren sehen, aber richtig berührt haben sie mich dabei nicht immer – nicht immer, d.h., das war keineswegs ein durch den ganzen Roman hindurch auftretendes „Phänomen“.

Ich vermag demnach zu sagen, dass „Der Schwur der Sünderin“ ein unterhaltsamer, interessanter und, durch die Thematik und der daraus resultierende Konfliktsituation aufgrund von Aberglaube bedingt, auch spannender Roman war, den ich gerne gelesen habe.
Ich bin gespannt, wohin und Deana Zinßmeister in ihrem nächsten Buch entführt und freue mich darauf, es herauszufinden!

 

© RandomHouseOnline

Jessica

Jessica

von Rebecca Abrantes

scholz film fernseh ABC Fachverlag, 2011

TB, 632 Seiten

ISBN: 3941653164

10,95 €

 

“Jessica hat geschworen, sich niemals wieder dem Willen eines Mannes zu beugen. Christopher ist nicht gewohnt, um etwas zu bitten, sondern es sich zu nehmen. Sein Herz gehört der Freiheit des Meeres und dem Abenteuer. Nichts ist ihm mehr verhasst als das steife, konventionelle Leben, das er in England durch seinen Titel zu führen gezwungen ist. Kaum jemand weiß, was sich hinter seiner blaublütigen Fassade noch verbirgt. Daher tauscht er dieses Leben oft gegen das eines Kapitäns auf salzigen Schiffsplanken ein. So ist es für ihn eher eine Unannehmlichkeit, als er auf dem Weg zurück zu seinem Schiff geradezu über eine junge, geschundene Frau stolpert. Doch er zögert keine Sekunde lang, die schöne und geheimnisvolle Jessica Brice zu retten … Und wie dankt sie es ihm? Erst erliegt er ihrer verführerischen Unschuld, dann erleichtert sie ihm um einen beträchtlichen Geldbetrag und verschwindet spurlos. Eine lange Suche beginnt …”

Ein Mann mit einem pikanten Geheimnis trifft auf eine emanzipierte Frau, die ihm so richtig eines auswischt? Eigentlich klingt das nach dem Stoff, der mein Leserherz zum schneller schlagen bringen könnte, doch leider war das bei „Jessica“ nicht wirklich der Fall.
Am Anfang war ich noch richtig begeistert. Jessica wehrt sich mit spitzer Zunge und auch Taten gegen die mehr als ungerechte Behandlung des Vaters. Sie hat ihren eigenen Willen, einen Dickkopf und genau Vorstellungen, wie ihr Lebensweg zu sein hat – für den sie dann auch alles tut.
Doch kaum taucht ihr Kerl der Marke „Mister Perfect“ auf, scheint sie sich in ein naives Nervenbündel zu verwandeln, dass den gerade erst kennengelernten Christopher immerzu anschmachtet. Ich muss ihr zwar zugutehalten, dass sie dennoch auf ihrer Unabhängigkeit appelliert – nach der Behandlung ihres Vaters soll immerhin nicht wieder ein Mann ihr Leben bestimmen –, doch der Protest erscheint schwach und kommt viel zu spät. Erst als sie hinter Christophers Geheimnis kommt, scheint sie wieder aus ihrem Liebestaumel aufzuwachen und zu merken, dass die „Beziehung“ (sofern ihre Beziehung nach einer so kurzen Kennenlernphase von ein paar Stunden, bevor sich beide voll und ganz begehren, überhaupt diese Bezeichnung verdient) keinerlei Grundlage außer der gemeinsamen Anziehungskraft hat. Das hat so völlig dem Bild, das ich mir vorher von Jessica gemacht habe, widersprochen.
Klischee!
Ebenso, wie „perfect Christopher“ ein Klischee auf zwei Beinen ist. „Eigentlich steht er ja auf einen anderen Frauentyp, aber dieses weibliche Geschöpf fasziniert ihn dermaßen, dass er nicht mehr von ihr loskommen wird.“ Gut, das kann durchaus passieren – doch dann hätte ich mir in Christopher einen Charakter mit mehr unvorhergesehenen Ecken und Kanten gewünscht. Er wirkt – bedingt durch sein Geheimnis, das ich hier jedoch aus wohl verständlichen Gründen nicht verraten wird – mehr wie ein pubertierender Junge, der erst einmal seinen Platz im Leben finden muss. Er muss herausfinden, wer er ist und was er will und solange er das eben nicht weiß, baut er viel Mist, um der Langeweile und dem Zwang, den sein Stand mit sich bringt, zu entfliehen.

Dann wird der Roman durchaus besser, was witziger Weise daran liegt, dass die beiden getrennte Wege gehen und sich Jessica erst einmal ein eigenes Leben aufbaut, während Christopher das alte fortführt, aber damit natürlich nicht mehr zufrieden ist so ohne Jessica-Anhang. Jessica ergeht es insgeheim auch so, auch wenn sie sich endlich wieder stark präsentiert und lieber ihre Wut auf den Verräter Christopher schürt.
Leider jedoch treffen beide wieder aufeinander und dieses Aufeinandertreffen mutet auch eher an Kindergartenzirkus und Zickenkrieg. Der Leser weiß, auf was alles hinauslaufen wird und ist dann nur noch genervt, weil die Protagonisten so lange bis zum Ende brauchen. Natürlich haben die beiden ihre Differenzen, doch wenn sie konsequenter mir ihrer Abneigung umgegangen wären und sich nicht immer von der unbegründeten Anziehung zueinander ins Verabscheuen rein gepfuscht hätten lassen, dann wäre ich zufriedener gewesen. Es gab keine nachvollziehbare Entwicklung oder Begründung dieser Anziehung, die so stark ist, dass sie nie nachlässt und genau da lag das Problem. Liebe ist mehr als „ich möchte mich an seinen starken Oberarmen festhalten“ oder „mein Gesicht in ihrem Haar vergraben“ (das sind jetzt keine Zitate, aber meines Erachtens nach veranschaulicht das die Gefühle der beiden sehr gut).

Ich spreche den Roman durchaus einen gewissen Unterhaltungsfaktor zu, guten Ideen und einiges „Lachpotenzial“, das sich aus dem Verhalten der (teilweise auch wirklich sympathischen) Nebenfiguren ergibt, weshalb ich diesen Roman auch nicht allzu schlecht bewerten kann. Doch die oberflächliche Liebesgeschichte, die den meisten Platz in diesem Buch einnimmt, ist ein zu starker Wermutstropfen, als dass „Jessica“ wahrhaftig hätte begeistern können.

 

Die Launen des Teufels

Die Launen des Teufels

von Silvia Stolzenburg

Bookspot, 2010

Gebunden, 466 Seiten

ISBN: 3937357416

16,95 €

 

“Ulm anno 1349: Um Gott ein Denkmal zu setzen, beschließen die Bürger der Handelsmetropole den Bau eines himmelstürmenden Münsters. Der habgierige Glockengießer Conrad setzt alles daran, von dem geplanten Bauvorhaben zu profitieren und scheut weder vor Intrige noch vor Mord zurück, um sich einen einflussreichen Platz im Rat der Stadt zu sichern. Skrupellos zwingt er seine blutjunge Tochter Anabel ins Bett des lüsternen Abtes der Barfüßerabtei, von dem er sich Vorteile zur Erlangung seiner Ziele erhofft – doch Anabel liebt Bertram, den Lehrling ihres Vaters. Gemeinsam beschließen sie, aus Ulm zu flüchten, aber sie haben nicht mit dem schrecklichsten aller Feinde gerechnet: dem Schwarzen Tod! Dieser schleicht durch die Gassen der Stadt, bereit, wahllos zuzuschlagenDas gewaltige Bauvorhaben des Ulmer Münsters schürt Konflikte zwischen den immer mächtiger werdenden Zünften und dem städtischen Patriziat. Als der gewissenlose Glockengießer Conrad beschließt, die damit einhergehende Korruption zu seinem Vorteil zu nutzen, ist ihm seine schöne Tochter Anabel willkommenes Mittel zum Zweck. Begehrt vom Abt der Barfüßerabtei, in der sie als Helferin im Hospital arbeitet, wird sie von Conrad kurzerhand an diesen verpfändet. Um ihre Geschwister vor dem brutalen Vater zu schützen, fügt die junge Frau sich ihrem Schicksal, ihre Liebe jedoch gilt einzig Bertram, dem Lehrling des Glockengießers. Als Anabels Geschwister der in Ulm wütenden Pest zum Opfer fallen, beschließen die Liebenden, die Stadt heimlich zu verlassen. Doch dazu kommt es nicht: Conrad ermordet den Alderman, um dessen Posten zu ergattern und schiebt die feige Tat Bertram in die Schuhe. Während Bertram im Kerker ebenfalls an der Pest erkrankt, versucht Anabel verzweifelt, die Unschuld ihres Geliebten zu beweisen. Da wird die hochschwangere Adelige Katharina von Helfenstein in das Hospital eingeliefert. Sie bringt dort das Kind ihres Liebhabers, Ritter Wulf von Katzenstein, heimlich zur Welt. Selbst in höchster Gefahr, da ihr Gemahl bereits nach ihr suchen lässt, wird die Gräfin zur letzten Hoffnung von Anabel und Bertram.”

Da habe ich doch wochenlang dem Lesen von „Die Launen des Teufels“ entgegengefiebert und umso enttäuschter bin jetzt, dass es mich letztendlich nicht wirklich überzeugen konnte.
Teilweise hat das daran gelegen, dass der Schreibstil einen leichten Geschichtsbuchcharakter aufweist. Die vielen eingeworfenen Begriffserklärungen haben den Lesefluss immer wieder unterbrochen und der „Prolog“ erklärt lediglich die politischen, kulturellen und sozialen Zustände und Gegebenheiten der Mitte des 14. Jhd. – eben wie ein Lehrbuch. Das ist an sich alles nicht schlecht und auch wirklich interessant, doch wäre der Prolog besser zum Nachwort erklärt (obwohl der Umstand mit dem Prolog jetzt nicht so schlimm war, da er gut in die Thematik einführt hat) und die Begriffe in einem Glossar untergebracht worden.

Doch das war nicht einmal mein größter Kritikpunkt. Viel mühsamer gestaltete sich das Verfolgen der, ich möchte sagen, erzwungen eingeführten „Liebesgeschichte“ von Bertram und Anabel.
Liebe auf den ersten Blick ist schön und gut, solange man hier zwischen „Liebe“ und „Verliebtheit/Verknalltheit“ unterscheidet. Man liebt einfach nicht auf den ersten Blick, das ist ein Gefühl, das einer Grundlage und Entwicklung bedarf. Der Charakter sollte dabei mehr Rolle als das Äußere einer Person spielen. Bertram und Anabel haben sich jedoch nur gesehen und schon war es die „ganz große Liebe“. Das ist mehr als oberflächlich, ebenso wie die generelle Charakterzeichnung der Personen in diesem Roman. Es gibt nur Schwarz oder Weiß. Die Frauen haben alle ein gutes Herz, während die Männer nur so vor Bosheit triefen – abgesehen von dem lieben Bertram natürlich. Gefehlt haben realistische Motive – die gewisse Grauschattierung, die sie zu authentischen Figuren gemacht hätte.

Ebenso gestört hat mich, dass der Münsterbau ein wenig zu kurz kam. Die meiste Zeit liest man von dem Schrecken, den die Pest verbreitet, und wie ungesittet es unter den Bewohnern Ulms zugeht – hier ein Mord, da eine Vergewaltigung. Das zeichnet neben der eintönigen Charakterzeichnung für mich ein zu düsteres Bild der damaligen Zeit und da die Hauptpersonen Anabel und Bertram noch nicht einmal selbst viel dazu beitragen, ihren Peinigern ein Schnippchen zu schlagen, hat mir das auch nicht wirklich viel Vergnügen bereitet. Vielmehr war es deprimierend.
Natürlich ist die düstere Atmosphäre dabei nicht das eigentliche Problem, denn die Pestepidemie ist mit Sicherheit kein Anlass für Glückseligkeit, doch das die Menschen so sehr ein Klischee bedienen haben, um den „das Dunkle Zeitalter“-Effekt noch zu verstärken. Es ergab sich darauf einfach ein zu eintöniges Weltbild.

So muss ich leider sagen, dass „Die Launen des Teufels“ außer einer guten Idee für mich nicht viel hergibt. Höchstens die Beschreibungen so mancher Ulmer Lokalität konnten mich noch fesseln, da ich keine Vorstellung davon hatte, wie Ulm damals ausgesehen haben könnte.
Einen Versuch möchte ich der Autorin mit ihrem zweiten Band der Reihe noch geben, aber wenn dieser ebenfalls im Stile diesen Romans geschrieben ist, war es das leider für mich mit Silvia Stolzenburg.

 

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