Auf der Suche nach guten Selfpublisher-Autoren

Vom internationalen Buchmarkt sind elektronische Bücher nicht mehr wegzudenken,  so viel steht fest. Ich besitze selbst einen eReader, der mir ein treuer Reisebegleiter geworden ist und mein Gepäck immer um mindestens zehn Kilo leichter macht – mein Rücken dankt! Wer nicht nur zu Druckausgaben, sondern auch zu eBooks greift, dürfte über kurz oder lang auf die Produkte von „Selfpublishern“ stoßen: die Romane, Novellen oder Kurzgeschichten von Autoren, die nicht über einen Verlag, sondern eigenständig über diverse Portale veröffentlichen. Dieser neue Micromarkt boomt. In Amerika gibt es sogar seit längerem Bestsellerlisten speziell für den Bereich des Selfpublishings. Doch wie viel Qualität lässt sich von diesen selbst herausgebrachten Büchern erhoffen?

Wie bei allem im Leben kann man sagen: das kommt ganz darauf an. Nämlich darauf, wie viel Zeit, Arbeit und Geld ein Autor bereit und fähig ist, in sein Werk zu stecken, bevor er es auf den Markt wirft. Auch unter den Selfpublishern gibt es professionelle Autoren, die mit Lektoren, Korrektoren, Grafikdesignern, usw. zusammenarbeiten, um ein (schreib-)handwerklich sauberes Produkt zu erwirken. Natürlich treten auch komplett gegenteilige Autoren auf. So tummeln sich viele hanebüchenen, uninspiriert geschriebenen oder von Rechtschreibfehlern durchwachsenen Romane auf den Online-Plattformen. Da solche Bücher aber sowieso schon einen zu großen Teil des Marktes einnehmen, lassen wir diese Kandidaten jetzt mal getrost aus dem Bild.

61wvhwsugqlAuf dem englischen Buchmarkt fische ich schon seit Jahren nach echten Perlen unter den Selfpublisher-Autoren (nennen wir sie abgekürzt einmal SPler) und ich bin schon oft fündig geworden. Auf dem deutschen SP-Markt sieht das jedoch leider anders aus. Das mag daran liegen, dass ich in meiner Muttersprache nochmal kritischer bei meiner Beurteilung von Geschichten bin – oder daran, dass ich diese Bücher immer unter dem falschen Stern gelesen habe, wer weiß. ;-) Ich habe auf jeden Fall beschlossen, dass mich die51krfcf-jxl Sterne einmal kreuzweise können und mich auf die Suche nach guten deutschen SPlern gemacht. Mit einer Autorin habe ich dabei bereits vor über einem Jahr den Jackpot geknackt: Michelle Natascha Weber. Als SPler schreibt sie spannende High Fantasy-Romane mit einem guten Schuss Romantik (mittlerweile sind sechs Romane erschienen). Genau mein Gusto. Zumal ihr Schreibstil mitreißend, ihre Ideen innovativ, ihre Weltenbauten dicht und ihre Charaktere authentisch, aufregend und zumeist zum pausenlosen Schmachten sind. (Nein, nicht nur23481336 die männlichen. Obwohl besonders die für Sabberspuren auf dem T-Shirt sorgen, ich gebe es zu. *räusper*) Webers Bücher sind auch erfreulich „rein“, was Rechtschreib- und Grammatikfehler betrifft, und ihre Coverbilder stellen immer die Hauptpersonen aus den Büchern dar – ein großer Pluspunkt. Damit sticht sie für mich aus der Menge an SPlern heraus und das Lesen ihrer Romane wird zum absoluten Ereignis. Grandios!

Ich bin jedoch überzeugt, dass Michelle N. Weber nicht die einzige gute SPlerin ist, deswegen geht meine Suche weiter. Sollte ich bald wieder über ein solches Autoren-Schmuckstück stolpern, werde ich ganz sicher darüber berichten. Ansonsten bin ich dankbar für jeden Tipp, ob Autor oder Buch, immer her damit. Oder möchte vielleicht jemand anderes über seine Erfahrungen mit SP-Werken berichten? Würde mich sehr interessieren und freuen!

Alles Liebe

2016 Clee signatur

PS: Die Bilder in diesem Post zeigen drei Bücher, die alle Teil von Webers Nebellande-Reihe sind. In welcher Reihenfolge oder Beziehung diese zueinander stehen, ist hier nachzulesen: KLICK!

[Stöckchen] Bist du bibliophil?

Gefunden habe ich dieses Stöckchen auf Claudias Buchblog Lesezimmerchen und ich konnte nicht anders, als es mir gleich zu schnappen.

~*~

Bist Du bibliophil?

[ X ] Du gehst nie ohne Buch aus dem Haus. [Selbstverfreilich]

[ X ] Dein Bücherregal nimmt den größten Teils deines Zimmers ein. [Wie, es gibt noch einen anderen Teil? Ach so, ja, den Lesesessel]

[   ] Du teilst dein Bett mit Büchern.

[   ] Du inhalierst den Geruch von Büchern.

[ X ] Du streichelst Bücher. [Kein Kommentar]

[   ] Du kaufst jedes Mal etwas, wenn du in eine Buchhandlung gehst.

[   ] Dein SuB ist dreistellig und tendiert zur Vierstelligkeit.

[   ] Du unterhältst dich mit den Buchcharakteren.

[   ] Du gibst im Monat mehr Geld für Bücher, als für Lebensmittel aus.

[   ] Du bereist die Orte, die in deinen Büchern genannt werden.

[   ] Du hälst Bücher für eine bessere Altervorsorge, als Aktien etc. .

[   ] Du zeltest am Tag der neuen Bucherscheinung deines Lieblingsautor vor der Buchhandlung deines Vertrauens, um als erste/r ein Exemplar zu ergattern.

[ X ] Deine Familie und Freunde wisse nicht mehr, welches Buch sie dir zum Geburtstag schenken sollen, weil du schon alles hast. [Als ob ich sie das selbst entscheiden lassen würde, ich bitte euch]

[   ] Du verbindest mit mindestens ¼ deiner Bücher im Regal ein Ereignis, an das du dich gerne zurück erinnerst.

[ X ] Bei dem Wort Buch, wirst du sofort aufmerksam. [Buch? Wie war das?]

[   ] Deine Familie und Freunde wissen nicht mehr wie du aussiehst, weil du ständig ein Buch vor der Nase hast.

[   ] Menschen, die Bücher nicht mögen, magst du nicht.

[   ] Du gehst auf die Lesung jedes Autors, dessen Buch du im Regal stehen hast.

[   ] Du benutzt Bücher als (Kuschel-) Kissen.

[   ] Du vergleichst deine Freunde mit Buchcharakteren.

[   ] Deine besten Freunde heißen Bertelsmann, Carlsen, Heyne, Lyx &Co. und heißen alle „Verlag“ mit Nachnamen.

[ X ] Dein SuB weigert sich verhement dagegen kleiner zu werden. [Ich hab ihn in der Tat gut erzogen]

[   ] Du versuchst Buch-Flatrates mit den Verlagen auszuhandeln.

[   ] Du lernst eine neue Sprache, damit du nicht warten musst, bis das Buch endlich auf Deutsch erscheint.

[ X ] Wenn du einmal ein Buch angefangen hast, legst du es bis zum Schluss nicht mehr weg. [Ich bin unschuldig. Die Verlage haben die Buchseiten mit Sekundenkleber präpariert]

[ X ] Du verleihst keine Bücher, weil du Angst hast, dass jemand deinen Lieblingen Schaden zufügen könnte. [Ach Quatsch. Ich weiß auch nicht, warum die blutige Nase von dem letzten Leiher die Leute dazu verleitet, einen Bogen um meine Bücher zu machen] 

[ X ] Man könnte meinen, du besitzt eine eigene Bücherei oder Buchhandlung. [*aus den Tiefen der Buchregalreihen schrei* Wie war das? Lauter bitte!]

[ X ] Deine besonderen Schätze bekommen einen Platz in deiner (gesicherten) Vitrine. [Vitrine? Du machst Witze. *das Panzerschloss einklicken lass*]

[   ] Wenn dich dein Partner vor die Wahl stellt „Ich oder das Buch“, antwortest du „Von welchem Buch reden wir denn?“

[   ] Du verbringst mehr Zeit mit Lesen als mit anderen Dingen (Job, Schlafen, Freunde und Familie).

[   ] Du magst keine eBooks.

[   ] Buchverfilmungen findest du in der Regel schlecht und du hättest es viel besser umgesetzt.

[   ] Du schreibst ein Buch darüber, wie es mit deinen Buchlieblingen weitergeht.

[ X ] Du besitzt immer noch das Buch, welches du als erstes gelesen hast. [After all these years? Always.]

[    ] Du kennst dich besser mit der aktuellen Beststellerliste aus als die meisten Buchhändler/innen.

0-5 Antworten: Du brauchst dir keine Sorgen machen. Mit dir ist alles in Ordnung. Vielleicht solltest du aber mal öfter ein Buch in die Hand nehmen.

6-10 Antworten: Mit dir ist noch alles in Ordnung. Du bist ein ausgeglichener Viel-Leser, der neben Büchern noch viele andere Hobbies hat.

11-15 Antworten: Dein Zustand ist kritisch. Aber du kannst immer noch damit umgehen, wenn du mal kein Buch zur Hand hast.

Ab 16 Antworten: Bitte besuche sofort ein Treffen der anonymen Bibliophilen!

~*~

Ach pff, von wegen kritischer Zustand. Mit 11 Treffern bin ich immer noch vollkommen in Ordnung.  *seelenruhig weiter den Staub von jedem Buch im Regal einzeln absaug*

[Rezension] Winterhonig

3426653974_lWinterhonig

von Daniela Ohms

Knaur HC, 2016

Gebunden, 592 Seiten

ISBN: 3426653974

19,99 €

Leseprobe

 

Winterhonig erzählt von einer lebensgefährlichen Liebe in einer archaischen, grausamen Welt, die noch gar nicht so lang Geschichte ist. Inspiriert von den Erlebnissen ihrer eigenen Großmutter, lässt uns Daniela Ohms die Zeit des Zweiten Weltkriegs aus Sicht der Landbevölkerung erleben: Das harte, entbehrungsreiche Leben, das Mathilda als zehntes Kind eines Bauern führt; die Anstrengungen, die der junge Karl unternimmt, um seine Abstammung vor den Nazis geheim zu halten; die Liebe der beiden, die nicht sein darf, bringt sie Mathilda doch in große Gefahr; die Schrecken des Krieges, der drohende Tod durch Bomben oder Verrat. Und über allem die Hoffnung.

~*~

Mit Winterhonig hat Daniela Ohms einmal mehr bewiesen, was für eine großartige Schriftstellerin sie ist. Ihr erster historischer Roman ist alles, was ich mir von einem Buch aus diesem Genre erträumen könnte: Der Leser wird nicht mit irgendwelchem Faktenwissen bombardiert, als müsste der Autor auf Teufel komm raus beweisen, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat.  Zudem dient der Roman nicht lediglich als Bühne für seine Charaktere, während der historische Schauplatz eine gemalte Leinwand im Hintergrund ist. Hierin wird historisches Wissen perfekt mit einer lebendig erzählten Geschichte kombiniert. Die Protagonisten agieren authentisch in ihrem Umfeld und in ihrer Zeit, aber noch viel wichtiger – sie berühren unglaublich.

Mit dem zweiten Weltkrieg hat sich Ohms kein einfaches oder konfliktfreies Thema herausgesucht und genau das spiegelt sich auch in dem Innenleben ihrer beiden Hauptpersonen wider. Mathilda und Karls Ängste und Hoffnungen, ihr Zwiespalt bezüglich ihrer Gefühle füreinander, da eine Beziehung zwischen den beiden gesellschaftlich nicht akzeptiert würde, waren absolut nachzuvollziehen. Ihr Mut und ihre Stärke, dennoch an diesen Gefühlen festzuhalten, gingen direkt unter die Haut. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden entspinnt sich langsam, zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch und dominiert die Handlung dennoch nicht über Gebühr. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ohne diesen Lichtblick den ganzen Roman über geheult hätte.

Ohms verschweigt keiner der Grausamkeiten, die der 2te WK für die Bewohner auf dem Land bei Mathilda und auf dem Russlandfeldzug bei Karl mit sich brachte: Die Entbehrungen eines Soldatenlebens. Der allgegenwärtige Tod. Die Angst, nur noch von Spitzeln umgeben zu sein und keinem wirklich mehr vertrauen und seine Geheimnisse offenbaren zu können. Das Aussterben der Dörfer, da die meisten Männer in den Krieg mussten, und das Wissen, dass sie vermutlich nie wieder zurückkehren würden. Aber auch die immer schwierigere materielle Lage, die das Leben erschwerte.

Die Autorin verpackt diesen Aspekt des historischen Hintergrunds in klare Worte, ohne die „blutigen Details“ allzu reißerisch aufzubereiten. Sie übt sich sprachlich in Zurückhaltung und lässt die Bilder dadurch umso wirkungsvoller für sich stehen. Gewalt und Tod müssen nicht unbedingt mit spritzendem Blut untermalt werden, um den damit verbundenen Schmerz und das Grauen zu veranschaulichen. Dafür bin ich der Autorin sehr dankbar und es passt ganz wunderbar zu der oftmals melancholischen Stimme, die Mathilda zu der Geschichte beiträgt.

„Nicht ein einziges Mal hatte Mathilda erlebt, dass der Tod gerecht gewesen wäre.“ (Ohms, Winterhonig, S. 7)

Generell begeistert Daniela Ohms mit einer bildgewaltigen Sprache. Viele ihrer Sätze und besonders ihre Metaphern und Symbole im Prolog werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Sie regen zum Nachdenken an, sie testen das moralische Empfinden und sie verdeutlichen, dass es in Zeiten des Krieges auf keiner Seite nur Gewinner oder Verlierer, nur gute oder schlechte Menschen gibt. Das ist etwas, dass viele Menschen allzu schnell zu vergessen scheinen. Es werden ganze Nationen verteufelt, obwohl in diesen nicht alle der gleichen Gesinnung sind und obwohl es auch dort Widerstand gibt und Leid. Es lässt sich niemals in schwarz und weiß unterteilen, auch wenn das der einfachere und angenehmere Weg sein mag. Das herauszustreichen, ist der Autorin ganz wunderbar gelungen.

Aus diesem Grund hat mich Daniela Ohms mit ihrem Roman absolut überzeugt. Der Werdegang ihrer Charaktere ist stimmig, die Handlung durchweg spannend und ausgewogen, die Sprache ein Genuss, der moralische Konflikt des Krieges durchweg greifbar und der historische Hintergrund solide. Aber am wichtigsten … die Autorin trifft mit ihren lebendigen Hauptpersonen direkt ins Herz und zwar genau dorthin, wo es richtig weh und wo es richti gut tut. Ohne Zweifel werde ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf Winterhonig zurückblicken und ich kann es kaum erwarten, mir erneut das Herz brechen und wieder zusammensetzen zu lassen den nächsten historischen Roman von Ohms in die Finger zu bekommen.

Ein weiterer Pluspunkt ist das Rezept der Autorin für die Herstellung unseres eigenen Winterhonigs, wahlweise kombiniert mit Bratäpfeln. Sobald der Winter naht, werde ich das einmal ausprobieren. Jamjam.

2016 Rezi-Kleeblatt

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© Daniela Ohms

Die Schriftstellerin Daniela Ohm wurde 1978 geboren und studierte Literaturwissenschaften, Psychologie und Geschichte.

Im Jahr 2012 erschien ihr erster Roman Harpyienblut, ein Fantasyroman für Jugendliche. 2013 erschien Der geheime Name unter ihrem Pseudonym Daniela Winterfeld. Daneben hat sie auch eine Reihe von Fantasy-Büchern für Kinder geschrieben, von denen ein dritter Teil in Arbeit ist.

Führ ihren Roman Winterhonig, der 2016 erschien, hat sie sich durch die Erinnerungen ihrer Großmutter, die 1924 geboren wurde, inspirieren lassen. Diese wuchs als jüngstes von neun Geschwistern im Paderborner Land auf und erlebte in ihrer Jugend die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Daniela Ohms ist in einer Literaturagentur tätig und lebt mit ihrer Familie in Berlin.

[Rezension] Heute sind wir Freunde

Heute sind wir Freunde von Patrycja Spychalski

Heute sind wir Freunde

von Patrycja Spychalski

cbt, 2016

Broschiert, 320 Seiten

ISBN: 3570164101

14,99 €

Leseprobe

Nell, Leo, Chris, Anton und Valeska sind so verschieden wie Tag und Nacht. Da werden sie versehentlich in der Schule eingesperrt. Gar nicht so schlimm denkt sich Nell, ist sie doch schon lange in Leo verknallt. Super, findet Chris, ist er doch schon ewig in Nell verknallt. Kein Bock hier den Aufpasser zu spielen, denkt sich Streber Anton. Die haben doch keine Ahnung, wer ich wirklich bin, denkt sich Schulschönheit Valeska. Und Leo? Der ist einfach zu cool für diese Welt. Oder doch nicht? Am nächsten Morgen ist nicht nur ein Liebespaar aus der Nacht hervorgegangen, sondern auch fünf Freunde, die es gestern noch nicht waren, aber heute sind … und es vielleicht sogar bleiben.

~*~

Patrycja Spychalski neuester Roman Heute sind wir Freunde zeigt mir einmal mehr, warum ich die Jugendbücher dieser Autorin so sehr schätze. Sie versteht sich wie kaum eine andere darauf, Geschichten, die zeitmäßig oft nicht mehr als einen Tag in Anspruch nehmen, so aufzubauen, dass du als Leser das Gefühl hast, letztendlich eine ganzes Jahr mit ihren Charakteren verbracht zu haben. So auch in Heute sind wir Freunde. Hierin erzählt Spychalski die Geschichte von fünf Jugendlichen, die innerhalb einer Nacht zu Freunden werden. Das mag unrealistisch klingen und lässt vermuten, dass dabei eher oberflächliche Bande zwischen den Jungs und Mädels geschlossen werden, doch dem ist nicht so.

„Vielleicht konnten Freundschaften sich einfach aus dem Nichts entwickeln, aus einer Sympathie heraus, aus einem Augenblick, aus einer Sturmnacht, in der man zusammen eingeschlossen, auf den kalten Fliesen in der Schultoilette sitzt.“ (Spychalski, Heute sind wir Freunde, S. 190-91)

Obwohl Anton, Leo, Nell, Valeska und Chris nicht unterschiedlicher sein könnten, ergänzen sie sich wundervoll. Jeder von ihnen hat eine Eigenschaft, die alle anderen in einem Freund brauchen, ob sie es wissen oder nicht. Jeder von ihnen schaft es, die anderen charaktermäßig weiterzubringen, zu erden und sogar zu einem stärkeren Menschen zu machen. Solche Bücher sollten die Schüler heutzutage in den Schulen zu lesen bekommen. Bücher, die zeigen, dass wahre Freunde in den unerwartesten Gestalten auftreten können, wenn man sich mal die Zeit nimmt, seine Vorurteile beiseite zu schieben und die Menschen in seinem Umfeld genauer zu betrachten.

„Ich frage mich, wie das kommt mit diesen Schubladen, in denen wir alle stecken.“ (Spychalski, S. 151)

Auch zeigt Heute sind wir Freunde, wie vielschichtig jeder Mensch sein kann. Am Anfang präsentiert uns die Autorin ihre Charaktere als die klassischen Stereotypen, wie man sie an jeder Schule zu sehen erwartet: Valeska, die unterkühlte Schulschönheit. Sexy Leo, der zu cool für diese Welt ist und nichts allzu ernst nimmt. Anton der ‚Streber‘, der nur in hässlichen Hemden herumrennt und spricht, als hätte er duzende Wörterbücher und Fachartikel verschluckt. Die unscheinbare Nell, die darauf wartet, beachtet zu werden, um endlich wer zu sein – ob von anderen Personen oder dem Leben selbst. Und der immer-liebe und etwas nerdige Chris, der für das Knipsen von Fotos lebt.

Auch die Charaktere selbst sehen zunächst nur diese menschlichen Schablonen aus Vorurteilen, wenn sie sich gegenseitig betrachten. Dann jedoch nimmt Spychalksi diese Stereotypen, dröselt sie auf und setzt die Bilder, die die Jugendlichen von sich selbst und in den Augen der anderen haben, neu zusammen. Sie veranschaulicht, dass Stereotypen Trugbilder sind – eben dass kein Mensch nur eine Seite an sich hat und es sich lohnt, tiefer zu graben.

Zudem betont die Autorin auch, dass jeder ein Stückchen zu der Weisheit des anderen beitragen kann und dass Jugendliche keinesfalls nur faule ‚Socken‘ sind, die kein Bock auf Schule haben und sich nur mit oberflächlichen Dingen wie Partys, etc. beschäftigen. Ausgerechnet der Weiberheld dieser Truppe überrascht damit, dass er von einem Leben mit der ‚Richtigen‘ träumt. Ein anderer verabscheut es, wie viele Erwachsene irgendwann auf ihr jugendliches Ich zurückblicken und dieses verleumden oder lächerlich machen und damit eigentlich nur sich selbst verletzen. Oder dass viele nicht mit dem zufrieden sind, was sie im Leben haben und anstatt das Beste aus ihrer Situation zu machen, in „was wäre, wenn“-Vorstellungen schwelgen.

Auch für den Leser lassen sich somit viele Weisheiten, Wahrheiten und Anregungen zum Nachdenken aus diesem Buch ziehen.

„Ich finde, im Kuss ist alles so klar. Beide wissen ganz genau, was sie wollen. Es gibt keine Fragezeichen im Kopf, kein Damals und auch kein Später, und es ist egal, ob die Zeit stehen bleibt oder die Welt untergeht – solange man im Kuss nicht gestört wird, ist alles recht.“ (Spychalski, S. 271)

Das einzige, was mich beim Lesen etwas gestört hat, war die Sprechweise der fünf Charaktere (und die Nutzung von mehreren Ausrufezeichen hin und wieder), besonders in der wörtlichen Rede. Vieles klang aufgesetzt oder zu betont cool. So wie ein ‚Erwachsener‘ sich vorstellt, dass Jugendliche sprechen, diese es aber eigentlich nicht tun. Zumindest nicht alle:

„Na, die hat doch bestimmt voll einen an der Waffel, so wie die rumrennt.“

„Was denn für eine Waffel?“

„Mann, das sagt man doch nur so! Ich meine, vielleicht ist sie manisch-depressiv oder so?“

„Wie kommst du denn auf den Schwachsinn?“

„Jeder hat so seine Problemchen!“ (Spychalski, S. 15)

Letztendlich fällt das jedoch nicht ins Gewicht und hat mein Lesevergnügen in keinster Weise geschmälert. Heute sind wir Freunde ist ein ruhiges, aber vergnügliches Leseabenteuer, das zum Mitfiebern und Nachdenken anregt. Ich freue mich schon auf das nächste Buch aus der Feder dieser Autorin!

2016 Rezi-Kleeblatt

 

© Isabelle Grubert

Patrycja Spychalski, geboren 1979 in Starogard, Polen, zog im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Berlin. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Schauspielausbildung, wandte sich dann aber einem ganz anderen Bereich zu: Seit 2002 arbeitet sie in vielfältigen sozial-kulturellen Projekten mit Kindern und Jugendlichen. Sie schrieb mehrere Kurzgeschichten für Anthologien, bevor sie ihren ersten Roman Ich würde dich so gerne küssen verfasste.

[Buchzuwachs] Was zum Naschen für die heimische Bibliothek

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2016 clee briefkasten

In den letzten Jahren hat sich in meinem Buchregal einiges getan: Da ich nur noch Lieblingsstücke behalte, hat sich die Masse um die Hälfte verringert (natürlich sind es immer noch so viele, dass das Abstauben meiner Bücher die meiste Zeit beim Putzen in Anspruch nimmt). Es finden sich immer weniger Taschenbücher, dafür umso mehr gebundene Ausgaben in meinen Regalen (das muss ich unter uns Bibliophilen wohl nicht näher erläutern). Und die Hälfte meines Buchbestandes besteht mittlerweile aus englischen Titeln (sehr zum Wohlgefallen meiner Professoren, die mein Englisch ertragen müssen). Tatsächlich quellen meine Buchwunschliste und mein Einkaufskorb zumeist eher mit englischen Büchern über, weshalb meine neueste Ausbeute an Büchern umso erstaunlicher ist. Nur ein englisches Buch und vier deutsche. Da wird das Lesen tatsächlich mal wieder zum Heimspiel.

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 img_0299Die Romane von Cassandra Clare sind mein guilty pleasure. Ich kenne nicht jedes ihrer Bücher und stehe beim Lesen durchaus öfter vor einem emotionalen Nervenzusammenbruch (positiv als auch negativer Art), aber manchmal muss so etwas einfach sein. Viele Leser scheint es zu stören, dass Clare hauptsächlich Bücher schreibt, die in ihrer Shadowhunters-Welt angesiedelt sind. Ich aber freue mich  auf Lady Midnight, Band 1 einer neuen Serie, und bin gespannt, wie lange ich dieses Mal wieder leiden muss, bis unser Heldenpaar sich zusammenrauft und sein HEA (Happily Ever After) bekommt.978-3-426-65397-5_druck-35007588

Spätestens seit Daniela Ohms Roman Der geheime Name, den sie unter dem Pseudonym Daniela Winterfeld veröffentlicht hat und der für mich ein absoluter Geheimtipp für jeden Märchenliebhaber ist, liebe ich die Bücher dieser Frau. Da war es für mich nur selbstverständlich, dass ich bald auch ihr neustes Werk Winterhonig, ein historischer Roman, der eine nervenaufreibende Liebesgeschichte im Schatten des 2. Weltkrieges verspricht, in die Finger bekommen musste.

60009_Babendererde_Raben.inddDie Bücher von Antje Babendererde begleiten mich schon seit vielen Jahren durch’s Leben, deshalb bedeutet ihr neues Buch Der Kuss des Raben ein absolutes Muss für mich. Ich erwarte vielschichtige und zwielichtige Charaktere, eine berührende Liebesgeschichte und eine große Portion Melancholie, versüßt mit einer paar bildgewaltigen Umgebungsbeschreibungen und vielen Anregungen zum Nachdenken.

Ich musste viele Jahre 9783401061894_1450361741000_xxlwarten, doch jetzt ist es endlich soweit und ich darf ein neues Jugendbuch von Isabel Abedi in den Händen halten. Die längste Nacht verspricht eine spannende Geschichte voller Liebe, dunkler Geheimnisse und einer gefährlichen Reise in die Vergangenheit. Strike!

Heute sind wir Freunde von Patrycja SpychalskiUnd zu guter Letzt wäre da noch der neuste Roman von der Autorin mit dem Namen, dem man vor dem Schreiben besser zweimal anguckt: Patrycja Spychalski. Seit Bevor die Nacht geht (meine Rezension dazu findet ihr hier: Klick!) bin ich ein Fan ihrer Geschichten. Selbstverständlich muss ich da auch Heute sind wir Freunde lesen und wie ihr an den Klebezetteln im Buch sehen könnt, habe ich mir dieses bereits zu Gemüte geführt. Die Rezension dazu folgt bald.

Diese Bücher hier sind nur ein Bruchteil von dem, was dieses Jahr bereits neu in meinem Regal gelandet ist. Da ich meinen Geldbeutel mit der Erinnerung aber nicht über Gebühr quälen möchte, mache ich hier besser Schluss und gehe an’s Lesen. Ich würde zwar lieber dem Sommer entgegensehen, doch für Daniela Ohms darf es auch nochmal der Winterhonig sein.

Alles Liebe

2016 Clee signatur

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