[Rezension] Julien Neel – Lou! Klitzegeheimes Tagebuch

„VORWORT FÜR MEINE MUTTER:
>>Geheim<< soll heißen, dass du es nicht lesen darfst!
Also: LEG ES SOFORT WIEDER WEG!“

Lou! – Klitzegeheimes Tagebuch

von Julien Neel

Tokyopop Verlag, 2010

Gebunden, 48 Seiten

ISBN: 978-3-86719-954-4

9,95 €

„Ich führe zum ersten Mal ein Tagebuch. Ich bin nervös! Was soll ich erzählen…? Muss man mit >> Liebes Tagesbuch<< oder so anfangen? Oder stelle ich wie in einem Buch die Hauptpersonen vor? Oh ja, das mache ich…“

Wie man mit einem Tagebuch beginnt, ist nicht das einzige Problem, mit dem Lou fertig werden muss, denn als Teenager hat man es nicht leicht.
Ein Mädchen muss in diesem Alter viel verkraften, z.B. dass dein Traumprinz sich als ekliger Nasenpopler entpuppt, dass deine Mutter lieber den ganzen Tag mit deiner Spielkonsole verbringt, als an ihrem Buch weiterzuschreiben, dass deine schreckliche Großmutter den potenziellen Freund deiner Mutter als drogensüchtigen Hippie bezeichnet und der natürlich wutentbrannt wegrennt und noch vieles mehr…
Wie gut nur, dass Lou ganz gewiss niemand ist, der gleich das Handtuch hinwirft wenn es ein bisschen kompliziert wird. So versucht sie zusammen mit ihrer Freundin Mina den Alltag bestmöglich zu meistern und bald schon werden die beiden Mädchen erkennen, dass das Leben nicht selten für die eine oder andere Überraschung gut ist.
Und wer weiß…vielleicht brauch es auch gar nicht viel, um deine größten Probleme in etwas Wundervolles verwandeln zu können. Manchmal ist es eine Gitarre, eine namenlose Katze – oder einfach viel Humor!
Sollten jedoch selbst dann alle Stricken reißen, kann man sich immer noch in einer Truhe einschließen und nie wieder daraus hervorkommen. Aber will man das wirklich?
Lou jedenfalls nicht, denn sie steckt viel zu tief drin – im Abenteuer, das sich Leben nennt!

~*~

Mit einer riesigen Ladung an Witz und Humor schafft es Julien Neel die gewöhnlichsten Alltagssituationen so hinzubiegen und zu beschreiben, dass man sich vor Lachen am liebsten vom Stuhl schmeißen möchte.

Als Mädchen kann man sich sehr gut in die Protagonistin Lou hineinversetzen, weil viele der aufgezeigten „Probleme“ während der Pubertät keinen Seltenheitswert haben. Doch was einen damals in Weltuntergangsstimmung versetzt hat und genauso auch in Erinnerung geblieben ist, bringt einen jetzt nur noch zum Lachen, denn Lou zeigt uns: selbst nach einem verpatzen Valentinstag kann ein Date im Park folgen – also Kopf hoch, Mädels!

Lou schließt man gleich von der ersten Seite an ins Herz, ebenso wie ihre Mutter und all die anderen, die diese Geschichte durch ihre ganz eigene Art lebendig werden lassen.
Eigentlich ist dieser Comic ja mehr eine Aneinanderreihung von kurzen Sequenzen – von einzelnen Situationen, die zeitlich gesehen nicht immer direkt auf der vorherigen aufbauen -, doch irgendwie hat es Julien Neel geschafft, diese trotzdem zu einer flüssigen Geschichte zu verbinden, bei der keine Verständnislücken auftauchen und es einem langweilig wird.
Der Zeichenstil ist einfach, witzig und zeigt die vorkommenden Personen in ihrem Alltag mit einer Ehrlichkeit, die einigen Büchern oder auch in Filmen vollkommen fehlt. Somit fügt sich alles zu einem sehr stimmigen Werk zusammen, das eine gute Einführung für einen Frischling unter den Comiclesern sein dürfte.
Zusätzlich stecken auch viele kleine Botschaften und Denkanstöße für den Leser in diesem Buch, was mich besonders beeindruckt hat.
Zum Beispiel die nörgelnde Großmutter, die an allem etwas auszusetzen hat – sei es nun die Sauberkeit der Wohnung, der Kühlschrankinhalt oder die Freunde der Tochter. In Wahrheit ist sie aber einfach glücklich ist, mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin zusammen sein zu können und das nur nicht richtig zeigen kann. Oder auch, dass die Scheidung der Eltern im ersten Moment für die betroffenen Kinder sehr schwer ist, da sie jetzt ein Elternteil weniger oft sehen können, aber dass das Leben weitergeht und man auch diesem Umstand etwas Gutes abgewinnen kann.
Ich denke, als Kind sieht man diese kleinen Hinweise vielleicht nicht sofort, aber je älter man wird, umso klarer springen sie in einem ins Auge.
Und das ist für mich sehr wichtig: dass ein Buch dem Leser etwas vermittelt. Deswegen eignet sich dieser Comic durchaus auch für Leser, die aus dem Jugendlichenalter heraus sind.

Alles in allem kann ich zu Lou – Klitzegeheimes Tagebuch, dass es mein Comic ist, der mit seiner lustigen und liebevollen Art nicht nur das Herz, sondern auch die Lachmuskeln stark in Angriff nimmt!
Und eines habe ich auf jeden Fall gelernt: wenn das Leben beginnt einfach zu sein, dann hat es noch gar nicht begonnen!

Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Merle
    Okt 27, 2010 @ 09:21:18

    Wie goldig…Comic ist zwar jetzt nicht so meine Sparte, aber die Rezension gefällt mir wirklich total gut. Ist bestimmt nicht einfach, einen Comic zu rezensieren oder?
    Klingt aber danach, als ob das etwas für meine kleine Schwester wäre…muss ich ihr mal zeigen! ;)

    Antworten

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