[Rezension] Britta Strauß – Meeresblau

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von Britta Strauß

Sieben Verlag, 2011

Broschiert, 248 Seiten

ISBN: 3941547364

16,50 €

Leseprobe

Nach dem Tod seiner Eltern kehrt der Meeresbiologe Christopher Jacobsen heim auf die Isle of Skye, um sich um seine jüngere Schwester zu kümmern. Nicht nur der tragische Verlust verändert das Leben der Geschwister schlagartig, denn seltsame Wandlungen gehen in Christopher vor und das Meer übt eine magische Anziehungskraft auf ihn aus. Auf einer Tiefseeexpedition, die ihn zusammen mit einer Crew von Wissenschaftlern vor die Küste Chiles führt, gewinnt der tödliche Zauber seiner wahren Natur an Kraft. Hin- und hergerissen zwischen seinem Leben an Land, seiner Liebe zu der Tiefseeexpertin Maya und der Verlockung, in seiner wahren Gestalt in die undurchdringlichen Abgründe der Meere zu tauchen, muss er sich entscheiden, bevor es zu spät ist.

~*~

Ich gestehe, ich bin verzaubert. Nie zuvor habe ich das Gefühl, das mich überkommt, wenn ich auf’s Meer hinausblicke, so wundervoll in Worte gefasst gesehen, wie in Meeresblau von Britta Strauß.
Der Ruf des Meeres ist auch für Menschen hörbar, davon bin ich überzeugt. Seine Schönheit vermittelt Glück, Faszination und Freiheit, aber auch die Sehnsucht nach der Ferne und nach Wundern, die bisher kein menschliches Auge erfasst hat. Jedes Mal, wenn ich im Sommer mit meinen Eltern an die See gefahren bin und mich mit einer Luftmatratze auf den Wellen habe treiben lassen, habe ich ihre Bewegungen noch tagelang danach unter mir gespürt, wenn ich die Augen schloss.
Und weil ich das Meer so liebe, hat mich die Liebe, die Britta Strauß in diesem Roman vermittelt, unglaublich berührt.
Ihre Beschreibungen sind bildreich, teilweise fast wie Ausschnitte aus Träumen. Das klingt sehr melancholisch und hochtrabend, aber genau so habe ich es empfunden. Die Bewunderung, die die Autorin dem Ozean zollt, schwingt immer mit und lässt den Leser wie verzaubert dem Charakter Chris in die unendlichen Tiefen des Meeres folgen. Eindeutig: Britta Strauß ist eine Sirene, anders kann ich mir diesen wunderschönen Schreibstil nicht erklären. ;-)

Davon abgesehen, vermittelt die Autorin auch genau die richtige Menge an Fachwissen, sodass sich auch ein Laie der Meeresbiologie nicht über- oder unterfordert fühlt. Leider habe ich die meisten Fachbegriffe schon wieder vergessen, aber zumindest haben sie mein Interesse an diesem Fachbereich geweckt. Außerdem, das gebe ich zu, verabscheue ich uns Menschen gerade zutiefst dafür, dass wir etwas so Essenzieles und Wundervolles wie das Meer und seine Lebewesen zerstören und ausrauben. Eigentlich dürften wir uns einander nicht mehr in die Augen sehen können …
Mit so manchen hier aufgeführten Personen jedoch wurde zur Genüge gezeigt, was für ekelhaft habgierige Menschen unter uns leben, dass diese nur nach Geld und Macht streben und dabei über Leichen gehen. Sie können nicht einfach Wunder hinnehmen und darauf achten, dass diese fortbestehen. Nein, sie müssen sie ausschlachten und für ihre Zwecke missbrauchen. Widerlich!
Falls es im Interesse der Autorin lag, genau darauf hinzuweisen – nun, das hat sie zweifelsohne geschafft und ich komme lieber wieder zum Roman zurück, denn sonst breche ich gleich in eine Schimpftirade über gewisse Anhänger unserer Art aus. Grr!

Der Fokus lag glücklicherweise nicht die ganze Zeit auf der Liebesgeschichte zwischen Chris und Maya, wie ich es bei einem Romantasy-Roman erwartet habe, auch wenn sie einen wichtigen Bestandteil von Meeresblau ausmacht. Es ging hierbei ebenso um familiäre und freundschaftliche Bande und das war eine willkommene Abwechslung.
Zur Liebesgeschichte sei gesagt: das erste sexuelle Zusammentreffen von Maja und Chris lief für mich etwas zu überhastet ab. Ich mag es nicht, wenn zwei Menschen plötzlich und nach kurzer Bekanntschaft schon im Bett landen, weil sie aus heiterem Himmel eine gar überirdische Verbindung und Vertrautheit zwischen sich spüren. Es mag sein, dass es das gibt. Aber ich fand es etwas unglaubwürdig und es hat die Vorfreude auf ein langsames Herantesten und Kennenlernen der beiden zerstört.
Doch ging es zwischen den beiden ein Glück nicht nur um Sex. Die Arbeit während ihrer Expedition und die Ergründung von Chris‘ nichtmenschlicher Natur – das hat die beiden ziemlich in Atem gehalten, sodass ihre Beziehung nicht nur auf Körperlichem beruhte und eine Entwicklung tieferer Gefühle möglich war, da sie sich in der Zeit besser kennenlernen konnten.
Hinzu kommt, dass es spannungsmäßig ebenso ordentlich zur Sache ging. Nicht alle auftretenden Personen schaffen es, bis zum Ende des Buches am Leben zu bleiben, mehr sei nicht verraten.

Bei den meisten Charakteren wurden die Hintergründe und deren Gefühle ausreichend und gut dargestellt. Ich hatte nie das Gefühl, nur Personen-Schablonen vor mir zu haben. Sie alle haben mich fasziniert und sogar zum lauten Lachen, wehmütigem Lächeln oder vor Wut die Stirn Runzeln gebracht. Angst, Schmerz, Hilflosigkeit Wut, aber auch Freude, Zufriedenheit und Triumph – ich bin auf jeder emotionalen Welle mitgeritten.

Fazit: ein Buch, das sich zu lesen lohnt!2016 Rezi-Kleeblatt

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11 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Britta
    Aug 09, 2011 @ 05:18:03

    Vielen, vielen Dank, liebe Clee. Du hast mich glücklich gemacht ;o)

    Und gerne geschehen. Ich wünsche dir weiterhin viel Träume und Sehnsucht. Vielleicht sind die manchmal kostbarer als das Erlebnis an sich.

    Liebe Grüße,
    Britta

    PS: Bezüglich des schnellen Zusammenkommens: Irgendwo hast du Recht, gar keine Frage. Mir fiel das nicht so sehr auf, weil ich es selbst so erlebt habe mit meinem Partner (gucken und umkippen *g*). Und vielleicht war ich auch zu ungeduldig bei den Beiden. Keine Figuren liebte ich je mehr als diese. Da ließ ich ihr Glück sozusagen vorangalloppieren.

    Antwort

    • Clee
      Aug 09, 2011 @ 11:37:08

      Hallo Britta!

      Sehr gerne, und das meine ich wirklich so – immerhin war es mir eine wahre Freude, dein Buch zu lesen. :)

      Sehnsucht? Hm, solange sie nicht so starke Auswirkungen wie bei Chris hat, ist das wohl in Ordnung, ja. ;D

      Glaub mir, dass viel Liebe in dieses Buch gesteckt wurde, hat man DEUTLICH gemerkt. Deshalb … schreib nur schnell den nächsten Band! Ich möchte – nein, brauche Nachschub! XD

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Clee :)

      Antwort

  2. Merle
    Aug 09, 2011 @ 12:21:13

    Du schaffst es immer wieder, dass selbst deine Rezensionen ein wahres Lesevergnügen sind. Ich bin absolut begeistert!! Ganz großes Kino immer!
    Das Buch muss ich jetzt einfach haben …

    Antwort

  3. Mermaid23
    Aug 09, 2011 @ 13:23:38

    Oha, das will ich auch! Ich liebe das Meer!
    Wunderschön geschrieben Rezension – es iist genauso, wie es Merle geschrieben hat. Bin begeistert!
    Hier muss ich wohl öfter nachschauen gehen.

    Antwort

  4. Reni
    Aug 09, 2011 @ 13:33:32

    Schöne Rezi! Eigentlich habe ich das Buch bisher ja erfolgreich ignoriert, weil mich die Inhaltsangabe jetzt nicht wirklich anspricht, aber das klingt irgendwie doch richtig gut. Bei 5 Kleeblättern, kann das ja nur ein tolles Buch sein – schön umschrieben. Vielleicht öffne ich meinen Wunschzettel mal wieder ganz vorsichtig. ;)

    Antwort

    • cleesbuecherwelt
      Aug 09, 2011 @ 13:35:33

      Oh, falls du es einmal lesen solltest, würde ich zu gerne wissen, was du dazu sagst!
      Ich gestehe, ich habe hier im ersten Moment nur nach dem Cover entschieden, dass ich es lesen will. xD Aber es hat sich gelohnt! *.*

      Antwort

  5. Melanie
    Aug 10, 2011 @ 07:01:36

    Mich hast du auch voll erwischt … – das Buch ist so eben auf meine Wunschliste gewandert.

    Liebe Grüße,
    Melanie

    Antwort

  6. Trackback: Interview mit Britta Strauß « Clee's Bücherwelt
  7. Seychella
    Sep 03, 2011 @ 10:12:04

    Das klingt reizvoll, ich liebe das Meer. Allerdings ist dieses Buch für mich wohl zu sehr eine Liebesgeschichte… Und ins Bett geht es auch gleich. Uh.

    Antwort

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