[Autoreninterview] Interview mit Corina Bomann

Mit den „Sephira“ und der „Spionin“ hat sich die Autorin Corina Bomann spätestens in mein Leserherz geschrieben, doch außerhalb der Seiten klingt diese Frau ebenso liebenswürdig! Deshalb konnte ich es mir nicht nehmen lassen, ihr mal richtig auf den Zahn zu fühlen! Da sie, im Gegensatz zu ihrer Protagonisten, jedoch in den Genuss der modernen Zahntechnologie kommt, bin ich hierbei auf keinerlei faule Stelle gestoßen und hatte unheimlichen Spaß beim Fragen aushecken. Ich hoffe, euch geht es genauso!

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© Corina Bomann

Liebe Corina, dass du deine Freude an der Schriftstellerei schon im Kindesalter entdeckt hast, ist ja in deiner Biographie zu lesen. Jetzt jedoch würde es mich interessieren, wie du letztlich den Sprung zum Profi geschafft hast.

Wurde gleich dein erster fertiger Roman veröffentlicht?

Mein Sprung zum Profi war eigentlich recht umständlich. Mein erstes Buch, das ich mit 14 geschrieben habe, wurde überall abgelehnt. So ging es mir mit noch einigen anderen Projekten, bis ich schließlich eine Lesergeschichte für die John Sinclair-Hefte geschrieben habe. Der Lektor rief mich an, machte mir Mut und verlangte eine weitere Geschichte. Die gefiel ihm so gut, dass er mir angeboten hat, einen Heftroman zu schreiben. Von da an schrieb ich so einige Hefte, bis ich mich an „Die Spionin“ gewagt habe. Mit dieser suchte ich mir eine Agentin, die das Buch in Windeseile an den Verlag brachte. Seitdem ist mein Autorenleben ein ganzes  Stück leichter geworden.

 

Liegen bei dir noch Projekte auf dem Schreibtisch, die bis jetzt noch nicht von einem Verlag angenommen wurden?

Ja, auf meinem Schreibtisch liegen noch einige unveröffentlichte Projekte, diese liegen aber auch meiner Agentin vor, die eine gute Gelegenheit abwartet. Zwei dieser unveröffentlichten Projekte sind in diesem Jahr unter Dach und Fach gekommen. Das wird den anderen hoffentlich auch bald passieren. ;-)

 

Wie bist du zum historischen Genre gekommen und warum bewegst du dich am liebsten im 16. und 17. Jahrhundert?

Ich mochte schon immer alte Schlösser und besonders die alten Ballkleider auf Gemälden. Als Kind habe ich „Die Drei Musketiere“ als Film geliebt und von da an war meine Liebe zum 17. Jahrhundert erwacht. Ich wollte alles darüber lesen, habe mir selbst Geschichten ausgedacht und Bilder dazu gezeichnet. Diese Liebe hat sich im Erwachsenenalter gehalten. Auch jetzt bin ich von alten Gemäuern und Schlössern begeistert und wenn ich ein altes Bild sehe, frage ich mich automatisch, wie dieser Mensch gewesen sein mochte oder wie er gelebt hat.

 

Wie gelangst du zu deinen Ideen und wann weißt du, dass es sich lohnt, eben jene umzusetzen?

 

Meine Ideen kommen zu den seltsamsten Gelegenheiten. „Die Spionin“ fiel mir beim Autofahren ein, die Idee zu „Sephira“ kam mir angesichts eines alten Hauses an meiner täglichen Radelstrecke. Ideen, die mir nicht aus dem Kopf gehen wollen, sind die richtigen. Zu denen fällt mir dann immer mehr ein, bis es schließlich eine ganze Geschichte ergibt. Die bringe ich dann zu Papier – nicht immer gleich als Roman, aber wenigstens als Exposé, aus dem ich später einen Roman mache.

 

Wie läuft so eine Recherchephase ab und wie lange dauert diese an?

Meine Recherche beginnt mit einem Rundumblick im Internet. Wikipedia ist eine große Hilfe, dort stimmt zwar nicht immer alles, aber man bekommt einen ersten Überblick. Google hilft natürlich auch sehr. Wenn ich erste Infos habe, versuche ich, an Bücher zu kommen, über Antiquariate und Bibliotheken. Wenn es möglich ist, sehe ich mir die Schauplätze persönlich an. Dann geht es ans Schreiben. Die Recherche dauert etwa einen oder zwei Monate, je nach Thema und Verfügbarkeit der Informationen

 

Was magst du am liebsten beim Schreiben und was überhaupt nicht?

Am schönsten ist es, wenn das Schreiben fließt, wenn die Szenen vor meinem Auge nur so dahinfliegen und mir viele gute Einfälle kommen. Richtig toll wird es, wenn sich meine Fantasie und die Wirklichkeit gut ergänzen. Oder wenn mir eine Szene gelingt, bei der ich selbst laut lachen oder manchmal auch weinen muss. Eigentlich gibt es nichts, das ich nicht mag, wenn es manchmal nicht so gut läuft, mache ich Pause oder schreibe an einer anderen Szene weiter.

 

Stößt du beim Schreiben auf Schwierigkeiten und wenn ja, wie bewältigst du diese? Kommt es auch vor, dass sich dir Schreibblockaden auftun?

Schwierigkeiten tun sich eigentlich nur dann auf, wenn ich auf ein Rechercheloch stoße. Das lässt sich aber recht schnell beheben. Für den Fall, dass es mal nicht so gut läuft, gab mir ein Lektor mal folgenden Rat: „Geh spazieren oder mach etwas anderes, das nichts mit Schreiben zu tun hat.“ Das hilft tatsächlich. Wenn ich mal einen halben Tag nicht am Schreibtisch gesessen habe, fängt mir das Schreiben schon an zu fehlen. Und nach einer schönen Radeltour habe ich wieder ganz viele Ideen.

 

Gibt es eine Textpassage, Person oder Idee, auf die du besonders stolz in deinen Büchern bist?

Besonders schön finde ich in der Spionin die Szenen, in der die Heldin ihre ersten Einsätze hat. Im Krähenweib mag ich sehr den Schluss, bei den Sephira bin ich stolz auf die witzigen Dialoge und die Charaktere. Besonders auf Sayd <3 und Jared <3. ;-)

 

Als Autor erhält man ja nicht immer nur Lob für seine Arbeit. Wie geht man damit um und achtest du auf angebrachte Kritikpunkte dann auch besonders, wenn es ans Schreiben des nächsten Projekts geht?

Wenn die Kritikpunkte wirklich angebracht sind, versuche ich sie beim nächsten Mal zu beherzigen. Dadurch werden meine Bücher besser. Die erste Kritik bekommt man schon vom Lektor, der auch nicht immer mit allem einverstanden ist. Man tut gut daran, auf seinen Lektor zu hören, denn er weiß meist gut, was bei den Leuten wie ankommt. Negative Kritik ist, wenn sie gut und nicht verletzend formuliert ist, sehr hilfreich, auf unbegründete oder beleidigende Kritik reagiere ich gar nicht, denn es lohnt nicht und kostet nur Nerven.

 

Schreibst du immer nur an einem bestimmten Ort oder bist du ein Schriftsteller „on Tour“?

Ich schreibe meist in meinem Arbeitszimmer, im Sommer in meinem Gartenhaus. Eigentlich habe ich aber immer irgendwie etwas dabei, womit ich einen Text verfassen kann. Und wenn es das Handy ist. Besonders, wenn eine lange Fahrt oder Warten angesagt ist, schreibe ich auch „on tour“.

 

Verfasst du deine Arbeiten per Hand oder am Computer?

Den Großteil meiner Arbeit erledige ich auf meinem Computer, nur einige Sachen schreibe ich per Hand. Manchmal mit einer echten Feder wie Laurina.

 

Hast du selbst auch literarische Vorbilder, denen du nacheiferst?

Ich bin im Moment schwer begeistert von Kate Morton. Arturo Perez-Reverte ist ein großes Vorbild, genauso wie Tanja Kinikel. Im Grunde genommen kann man sagen, dass ich ihnen nacheifere.

 

Was sagt dein Familien- und Freundeskreis zu deiner schriftstellerischen Tätigkeit?

Meine Familie ist stolz auf mich, meine Freunde fragen mich manchmal scherzhaft, ob man davon leben kann. Aber die Reaktionen sind überwiegend positiv und alle wollen meine Bücher haben. Und selbst wenn jemand meckern würde, würde ich trotzdem weitermachen, weil das Schreiben schon immer mein großer Traum war.

 

Man hört ja öfters, dass Autoren neben dem Schreiben auch noch anderen Berufen nachgehen. Ausnahmen bestätigen die Regel – wirklich?

Ich habe das Glück, seit 2002 keinem anderen Brotberuf mehr nachgehen zu müssen. Vorher war ich Zahnarzthelferin, aber seit ich 14 war, wollte ich eigentlich nur Schriftstellerin werden. Seit 1999 schrieb ich neben meinem Beruf, meist abends, wenn ich nach Hause gekommen bin. 2002 konnte ich mich selbstständig machen, und nächstes Jahr habe ich schon mein 10jähriges Jubiläum als Fulltime-Autorin. Ich weiß aber auch, dass viele Autoren nebenbei noch arbeiten.

 

 Ganz besonders begeistert war ich ja von dem ersten Band der Sephira und ich lechze schon dem nächsten entgegen, der ja jetzt ebenfalls schon erschienen ist. Wie viele Teile wird diese Reihe insgesamt umfassen? Worin unterscheidet sich die Arbeit an einem Einzelroman und an einer Reihe?

 

Wenn es nach mir geht, werden die „Sephira“ sieben historische Bände und einen Gegenwartsband umfassen. Und vielleicht gibt es auch Einzelbiografien der Assassinen. Natürlich hängt das jetzt vom Verlag ab. Drückt mir bitte alle die Daumen – und kauft meine Bücher! ;-)

Die Arbeit an einer Serie ist natürlich ein wenig anspruchsvoller, weil man den Spannungsbogen über mehrere Bände halten muss. Außerdem muss man aufpassen, dass man im ersten Band nicht zu viel verrät, denn bis zum Schluss muss ja noch ein wenig Geheimnis bleiben. Aber eine Serie zu schreiben, immer wieder zu den geliebten Figuren zurückkehren zu können, ist immer wieder schön. Bei Einzelbänden hat man immer ein wenig Trennungsschmerz am Ende, während man bei einem abgeschlossenen Serienband weiß, dass es beim nächsten weitergeht.

 

Darfst du schon etwas zu deinen nächsten Projekten erzählen? Wird zuerst ein neuer Jugend- oder Erwachsenenroman erscheinen?

Im kommenden Jahr wird es einige Neuerscheinungen geben. Im Frühjahr gibt es einen neuen Jugendroman, der halb historisch und halb phantastisch ist. Im Sommer gibt es einen neuen Erwachsenenroman, über den ich noch nichts sagen darf. Im Sommer dann gibt es den ersehnten 3. Band von Sephira.

 

Ich habe gelesen/gesehen, dass du neben dem Schreiben auch gerne Kostüme schneiderst, zeichnest und Trailer zusammenbastelst.  Wie weit unterstützen oder beeinflussen diese Hobbys deine Schreibarbeit?

Wenn man historische Romane schreibt, mögen es die Leute bei Lesungen immer sehr, wenn man in einem Kostüm erscheint. Das ist kein Muss, aber es kommt immer sehr gut an. Und es ist auch für den Autor etwas Besonderes, in einem Kleid zu stecken, das zur Geschichte passt. Zeichnungen helfen mir manchmal dabei, mir meine Figuren vorzustellen. Und die Trailer sind natürlich für die Leser eine schöne Sache. Davon abgesehen, dass sie großen Spaß machen. Wenn ich könnte, würde ich zu jedem meiner Bücher kleine Filme drehen, da ich aber kein Regisseur bin, bastele ich Trailer. Alles, was ein Autor zusätzlich zum Schreiben machen kann, hilft dem Buch, ein wenig bekannter zu werden.

 

Gibt es da noch etwas, dass deine Leser unbedingt über dich wissen sollten?

Ich mag gerne Katzen, liebe Schokolade, Gummibärchen und Kaffee in allen Varianten, höre extrem gern Musik und leide an chronischer Buch- und Stoffkaufsucht. ;-)

 

Fällt dir noch eine Frage ein, welche dir noch die in einem Interview gestellt wurde, die du aber unbedingt beantworten willst?

Da fällt mir im Moment leider keine ein, deine Fragen waren sehr gut!

 

Vielen lieben Dank für deine Geduld bei meiner Durchlöcherung. Ich hoffe, dass wir Bomann-Fans in den nächsten Jahren noch viele Werke von dir in die Hände schließen dürfen und wünsche dir weiterhin viel Glück und Freude bei all deinen Projekten – welcher Art sie auch sein mögen!

 

Ich bedanke mich bei dir für dieses Interview, es hat großen Spaß gemacht!

7 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Rasp
    Aug 29, 2011 @ 15:17:43

    Ein klasse Interview! Von der Autorin habe ich noch nicht gelesen, was ich ändern muss. Welches würde die Bloggerin mir empfehlen?

    Antworten

  2. Mara
    Aug 29, 2011 @ 16:29:04

    Hihi und ich weiß auch schon, welchem Autor sie als nächstes auf den Zahn fühlen wird! Insiderwissen ist einfach toll!

    Wieder mal spitze! Und auch ich werde mir die „Sephira“ jetzt einmal vornehmen.

    Antworten

  3. Merle
    Aug 29, 2011 @ 16:30:11

    Das Foto mit dem Kleid ist genial!

    @Mara: Ich hab mir wegen der Anna auch schon „Sephira“ gekauft. Lies es! Ist echt gut!

    Antworten

  4. Stella
    Aug 31, 2011 @ 12:17:34

    Ein sehr gelungenes Interview, in der Tat! Die Autorin klingt vielversprechend und sehr nett. Werde mal nach „Sephira“ und „Spionin“ Ausschau halten.

    Antworten

  5. Reni
    Sep 04, 2011 @ 11:14:44

    Hui, du bist momentan so schnell mit posten/rezensieren/interviewen, da komme ich kaum hinterher mit dem Lesen. ;)

    Ein tolles Interview! Die Autorin wird mir immer sympathischer. Ich bin mal gespannt, wie es auf der Frankfurter Buchmesse wird, wenn sie ebenfalls da sein wird. Ich lese gerade den 2. Sephiraband und bin erneut begeistert, wenngleich ich momentan einen kleinen Lesehänger habe. Bei den ganzen Folgebänden muss man sich echt gedulden. Da freue ich mich schon, dass es noch den ein oder anderen Roman von ihr geben wird. „Der Lilienpakt“ befindet sich, dank dem Tauschticket, nun auch in meinem Bücherregal. :-)

    Liebe Grüße
    Reni

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Sep 06, 2011 @ 09:29:07

      Jep, auf die Buchmesse und die Corina freue ich mich schon wie ein Flitzebogen! :)
      Den „Lilienpakt“ habe ich auch schon gelesen – fand ihn leider ein wenig vorhersehbar, aber war trotzdem ein tolles Buch! *eifrig nick* Wegen den Sephira – klar, man muss warten, aber ich muss sagen, dass die Autorin hierbei sogar ziemlich flott ist.

      Es kommt sogar hoffentlich bald das nächste Interview – dieses Mal mit einer Autorin aus Amerika. ;D

      Antworten

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