[Autoreninterview] Interview mit Britta Strauß

Und wieder hat die den Autoren Löcher in den Bauch fragende Clee zugeschlagen! Dieses Mal durfte ich meine Fragen Britta Strauß stellen, der Autorin von Nathaniels Seele und Meeresblau. Ersteres habe ich noch nicht gelesen, doch zweiteres hat mich dafür umso mehr begeistert! Hier noch schnell der Link meiner Rezension und dann geht es los – viel Spaß!

© Britta Strauß

Liebe Britta, ich habe in deiner Vita gelesen, dass das Schreiben für dich eine Möglichkeit ist, deinen unbändigen Freiheitsdrang über die Grenzen des Möglichen weiter auszuleben. Wann genau hast du dieses Handwerk für dich entdeckt?

Hi Clee,
wann genau weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich aber, irgendwann um die fünfte oder sechste Klasse herum im Deutschunterricht eine Geschichte von mir vorgelesen zu haben, in der es um drei Jungen, eine Zeitmaschine, Dinosaurier und kreuzdämliche Urmenschen ging. Offenbar habe ich das Schreiben und das damit verbundene Erleben von Abenteuern schon sehr früh entdeckt.

 

Wusstest du gleich, dass du ebenso das nötige Talent mitbringst und wie kam es dazu, dass du dich letztlich mit deiner Arbeit an einen Verlag gewendet hast?

Dass mein Zeug ganz gut ankommt, erfuhr ich das erste Mal durch die gerade erwähnte Vorlesung in der Schule. Nachdem ich ein Kapitel zum Besten gegeben hatte, musste ich die (fein säuberlich per Hand gekrakelte) Geschichte in der nächsten Stunde wieder mitbringen, weil alle wissen wollten, ob die kreuzdämlichen Urmenschen es schaffen würden, die Helden zu fressen. Überzeugt wurde ich aber erst vor ein paar Jahren, nachdem ich aus reinem Zeitvertreib mein Geschreibsel auf einem Fanfiction-Portal veröffentlichte. Die Geschichten kamen ziemlich gut an, weswegen ich irgendwann dachte „Na, versuch´s halt einfach mal bei einem Verlag. So schlecht scheinst du ja nicht zu sein.“

 

Planst du einen Roman akribisch vor oder schreibst du vielmehr freischnauze?

Inzwischen muss ich vorher ein Exposé schreiben, um das Thema grob umrissen dem Verlag vorzustellen. So wird dann zwischen Kopf tätscheln oder erhobenem Zeigefinger entschieden. Aber mein Ding sind solche Planereien nicht. Sie werden sowieso über den Haufen geworden, weil die Helden und Heldinnen ihren eigenen Kopf durchsetzen. Ich beantworte die Frage also mit „ich plane, aber völlig umsonst“.

 

Wie gelangst du zu deinen Ideen und wann weiß du, dass es sich lohnt, diese umzusetzen?

Die Ideen kommen zu mir. Unter der Dusche, im Auto, beim Einschlafen, beim Essen oder meinem perfektionierten Hobby ins-Leere-starren. Ich suche Ideen nicht, sondern finde sie. Glücklicherweise habe ich auch einen sehr inspirierenden Liebsten. Zusammen ergeben wir das kreative Dream-Team. Wären meine bessere Hälfte und ich auf dem Ideenklatscher-Feld aus „Per Anhalter durch die Galaxis“, würden wir pausenlos eine auf´s Maul kriegen.

 

Da ich besonders ein Fan von deinem neusten Roman Meeresblau und generell der weiten See bin, interessiert es mich brennend, in welcher Verbindung du selbst zum Meer stehst.

Für mich ist es Sehnsucht, Zuflucht und Geheimnis. Sehe ich Dokumentationen darüber, geht mir das Herz auf. Das war schon immer so. Ich glaube, in einem früheren Leben war das Meer meine Heimat. Irgendwie schwer zu beschreiben. Ich habe da einfach eine unglaubliche Sehnsucht im Herzen, wenn ich diese endlose Weite vor mir sehe, und würde mich am liebsten hineinstürzen. Deswegen bin ich so verliebt in „Meeresblau“.

 

Ebenso würde ich gerne wissen, ob du weitere Buchprojekte planst, die in der gleichen faszinierenden Welt der Meermenschen spielen. Wenn ja, darfst du zu diesen schon ein bisschen etwas verraten?

Verraten kann ich schon mal so viel: Es wird einen zweiten Band zu „Meeresblau“ geben. Keinen zweiten Teil, sondern einen eigenständigen Roman, der die Welt der Meereswesen wieder aufgreift und sich diesmal mit einer Nebenfigur des ersten Teils beschäftigt. Bisher existieren aber nur der umrissene Plot und ein Probekapitel, weil ich noch anderweitig beschäftigt bin (siehe weiter unten). Diesmal wird der Akt des Seelenraubes mehr im Vordergrund stehen. Die Hauptfigur ist diesmal deutlich abgründiger und fremdartiger als Christopher, der ja noch relativ menschlich daher kam. Auch die Stimmung wird finsterer. Der eine oder andere ahnt vielleicht schon, um wen es sich drehen wird.

 

Gibt es irgendwelche Themenbereiche, die du in Zukunft noch als Roman vertiefen- und verarbeiten willst, oder solche, vor denen du einen weiten Bogen machst?

Unmöglich wären für mich: Heimatromane, Schicksalsromane, Alltagsromane ohne jede Mystik. Da ergeht es mir wie Pumuckl im Angesicht von Käse. Ansonsten liebe ich die Abwechslung. Momentan arbeite ich an einem Jugendroman, in dem es sich – so viel kann schon mal verraten werden – auch um das Meer dreht. In meiner virtuellen Schublade liegen aber noch viele, viele weitere Ideen, die darauf warten, ausgearbeitet zu werden – von einem Abenteuer-, über einen Historieroman, bishin zu einem Thriller. Ob ich das jemals alles schaffe, bevor die Welt untergeht? Falls die Mayas Recht haben, muss ich einige Ideen in die nächste Ebene mitnehmen. *g*

 

Wie dürfen sich die Leser deinen Alltag als Autorin vorstellen – gibt es irgendwelche Rituale, denen du täglich nachgehst? Wie konsequent gehst du das Schreiben eines Manuskripts an?

Rituale: Nö, gibt keine. Außer dass ich entspannende Musik für den Hintergrund, Kaffee und was zum knabbern brauche. Ansonsten bin ich zu totaler Inkonsequenz gezwungen. Mal schreibe ich morgens früh vor der Arbeit, mal in der Mittagspause, mal abends, öfter auch mal gar nicht. Am Wochenende ist die Schreiberei für mich tabu, einerseits um neue Kraft zu schöpfen, andererseits weil diese Tage ganz meinem Liebsten und mir gehören. Kurz gesagt: Ich mache „Extreme Improvisiering“. Die Schreiberei irgendwann zu meinem Beruf zu machen, wäre natürlich fein. Das würde gewiss für mehr Konsequenz sorgen.

 

Was würdest du sagen, sind die Schwierigkeiten an der Schriftstellerei und insofern du selbst welche bei der Ausübung deines Berufes hast, wie gehst du dann mit diesen um?

Schwierigkeiten? Hm … ach Gott … mal überlegen. Okay, ich hab´s. Erstens sind ein Vollzeitjob und eine Passion wie diese schwer miteinander zu vereinen. Es kommen einem Ideen, aber man kann sie nicht rauslassen, weil man gerade im Büro hockt. Zweitens nerven kreative Trockenphasen. Man fühlt sich leer und antriebslos, und die Muse tut einen Teufel, sich zum Kuss herabzulassen. Stattdessen grinst sie dümmlich oder verzieht sich ganz. Drittens geht das Geschreibe ganz schön in die Nackenmuskeln und in den Rücken. Habe schon versuche liegend zu schreiben, das ist aber noch viel unbequemer.

 

Hast du dein Hobby jemals auch als Last angesehen oder dir gewünscht, du könntest es jetzt einfach sein lassen? Hat es irgendwelche Auswirkungen auf dich, wenn du mehrere Tage hintereinander kein Wort zu Papier (oder Bildschirm) gebracht hast?

Da hast du was Schönes angesprochen. Beziehungsweise eher etwas Gemeines. Jeder kreative Mensch wird nachvollziehen können, warum sich Vincent van Gogh ein Ohr abgeschnitten hat. Ich sehe die Schreiberei als Segen und Fluch zugleich. Einerseits ist sie ein tief gehendes Bedürfnis, andererseits kann sie auslaugen, weil ich dazu neige, tausend Ideen gleichzeitig verwirklichen zu wollen. Oft fühle ich mich wie ein Medium, in das abwechselnd irgendwelche Figuren schlüpfen, die mein Gehirn für ihre Zwecke missbrauchen. Mach hin!, schnauzen sie. Ich will jetzt und sofort ein paar Hörner auf die Stirn. Oder: Komm schon, mir ist nach einem blutigen Gemetzel. Ich habe seit mindestens zwei Stunden keinen mehr umgebracht. Manchmal überkommt einen schon die Lust, den Laptop zuzuklappen und frustriert über die Balkonbrüstung zu werfen. Aber schaffen tut man es nie. Und man will es auch gar nicht. Nicht wirklich. Nur immer wieder mal.

 

Doch natürlich noch spannender: Was bereitet dir die meiste Freude am Schreiben?

Das Abtauchen in eine andere Welt, meine Allmacht in dieser Welt und das Herauspfriemeln von Kekskrümeln aus der Tastatur.

 

Gibt es eine Textpassage, eine Figur oder eine Idee, auf die du besonders stolz bist?

Ich liebe jede einzelne Figur und jede Story. Am meisten hat es mir jedoch Christopher aus Meeresblau angetan. Ich habe mir sozusagen ein Wunsch-Alter Ego geschaffen. Nur zu gerne würde ich wie er in eine wundervolle Welt abtauchen und das Land hinter mir lassen. Der chaotischen Menschenwelt den Rücken kehren. Allerdings könnte auch ich nicht ohne meinen Liebsten gehen. Ich müsste einen Weg finden, ihn zu meinesgleichen zu machen *grins*
Eine Szene, die ich besonders mag, gibt es eigentlich nicht. Mir fällt jedenfalls keine ein. Oh warte, doch. Die stammt allerdings aus einem unveröffentlichten Roman. Meine Hauptfigur erschlägt seinen Gegner mit einem Tiefkühlhähnchen. Das war abgefahren.

 

Es gibt Erlebnisse, die einen Menschen besonders berühren und die daher nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Im Rahmen deiner Arbeit auch?

Ja. Und zwar hat mich eine Leser-Mail zu „Meeresblau“ besonders berührt. Darin sagte mir die Leserin, sie wäre bisher ein Mensch gewesen, der nicht zu Träumen neigt, sondern die schmucklose Realität sieht. Auch hätte sie sich nie für das Meer interessiert. Die Geschichte hätte ihr jedoch wieder beigebracht, wie schön es ist, zu träumen. Ein ganz neues Bewusstsein für das Meer und seine schützenswerten Geheimnisse sei in ihr geweckt worden. Diese Worte zu lesen, hat mich sehr berührt. Da weiß man wieder, was einen zum Schreiben antreibt.

Weitere bewegende Momente gab es im Rahmen der Recherche zu dem Historienroman, den ich oben erwähnt habe. Ich habe selbst meine große Liebe gefunden und will sie um nichts in der Welt wieder hergeben. Als ich in das Leben von Nocona und Naduah eintauchte, zerriss es mir teilweise das Herz, weil mir die Tragik des Ganzen eben aus diesem Grunde sehr nahe ging. Ich dachte „das kriegst du nie hin, ohne dass es dich fix und alle macht“. Tatsächlich scheiterte ich am Ende, fand jedoch dank der Idee einer Freundin eine Lösung, die ihr vielleicht irgendwann in Buchform lesen werdet.

 

Hast du dein Leben vollkommen deiner Passion gewendet oder musst du, wie leider viele andere Kollegen deines „Schlags“, zusätzlich noch einem anderen Broterwerb nachgehen?

Leider muss ich neben meiner Passion noch einen Vollzeitjob im Büro erledigen. Welcher Idiot hat eigentlich das Geld erfunden? Irgendwann male ich mich blau an und renne „Freiheit“ schreiend durch die Gänge. Jawohl.

 

Würdest du sagen, dass du dich selbst durch das Schreiben auch verändert hast?

Ja, ich bin dicker geworden. Beim Schreiben brauche ich nämlich immer Kaffee und Kekse.

 

Hast du ein paar Tipps oder Ratschläge für die Hobby-Schreiber dort draußen?

Nie aufgeben. Sich nicht unterkriegen lassen. Nicht aufhören, dazuzulernen. Aus Kritik das Nützliche herausfiltern und alles andere abhaken. Super zum Üben und Austesten sind auch Fanfiction-Portale. Da erfährt man Kapitel für Kapitel, wie seine Ergüsse bei den Lesern ankommen. Das kann natürlich auch in Heulorgien enden, aber man lernt dazu.

 

Ist da sonst noch etwas, dass du über dich erzählen möchtest, weil ich danach jetzt noch nicht gefragt habe?

Yep. Ich bin die Auserwählte. Ich weiß nur noch nicht, wofür.

 

Liebe Britta, hab vielen Dank für deine Zeit und Mühe – es hat sehr viel Spaß gemacht, dich mit meinen Fragen zu löchern, und noch mehr, deine Antworten darauf zu hören. Ich wünsche dir weiterhin viel Glück und Erfolg bei allem, was du anpackst, und uns Lesern hunderte weitere Werke aus deiner Hand.

Die Freude lag ganz meinerseits. Vielen Dank und auch dir viel, viel Musenküsse und Erfolg.

 

Klickt hier auf das Cover der Anthologie, die dieses Jahr im Sieben Verlag erscheinen und die auch eine Kurzgeschichte von Britta Strauß enthalten wird, um auf die Homepage der Autorin zu gelangen!

5 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Stella
    Sep 02, 2011 @ 15:39:03

    Die Autorin klingt total nett! Besonders die Antwort auf die letzte Frage ist klasse! XDDDD
    Man merkt, dass du selbst Autor bist – hab teilweise noch nie Fragen gesehen, die in dieser Form gestellt wurden. Klasse Job, Clee! Richtig klasse Job!

    Liebe Grüße an euch beide!

    P.S. *Meeresblau auf Wunschliste verschieb*

    Antworten

  2. Mara
    Sep 02, 2011 @ 17:11:44

    Sehe ich ganz genauso. Besonders was die Beziehung des Schreibhandwerks zum Autor angeht – wirklich klasse!

    Antworten

  3. Merle
    Sep 03, 2011 @ 09:03:11

    Für mich bis jetzt sogar das beste Interview! Die Fragen, die auch Mara und Stella gemeint haben, finde ich genial und einzigartig! Sowas kann auch nur der Anna-Autorin einfallen! xD TOP!

    Antworten

  4. Trackback: Autoreninterviews und Leserunden | Sieben Verlag Newsblog
  5. Trackback: [Autoreninterview und Gewinnspielankündigung] Fragen an Britta Strauß | Clees Bücherwelt

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