[Rezension] Juliet Marillier – Die Tochter der Wälder (Sevenwaters, #1)

Die Tochter der Wälder

von Juliet Marillier

Knaur TB, 2011

Taschenbuch, 656 Seiten

ISBN: 3426509067

9,99 €

Leseprobe

Im 9. Jahrhundert nach Christus müssen die keltischen Fürsten ihr Land gegen den Ansturm der Briten verteidigen. Fern der Schlachtfelder wächst die junge Sorcha gemeinsam mit ihren sechs Brüdern auf – doch ihr behütetes Leben findet ein jähes Ende, als ein Fluch die Familie trifft. Allein auf sich gestellt, muss das Mädchen nach einem Gegenzauber suchen und mehr als einmal sein Leben riskieren.

~*~

Jahrelang hatte ich mit dem Gedanken gespielt, Marilliers Tochter der Wälder zu lesen, doch der eher negativ ausgefallene Rat eines Bekannten hatte mich zuvor immer davon abgehalten.
Eines sage ich euch jetzt aber: Ich war noch nie so froh und glücklich darüber, einen Roman trotzdem gelesen zu haben!
Tochter der Wälder ist ein Buch, das ich als absolute Bereicherung meines Leserlebens ansehe – ich bin wie verzaubert und fühle mich ein wenig wie der Träumer, der selbst nach dem Aufwachen nichts von seiner Umgebung mitbekommt, weil er die Bilder seines Traums einfach nicht abschütteln kann.
„Magisch“ steht hinten auf dem Rücken des Buches und ich finde, das trifft es genau.
Der Zauber von Sevenwaters hat auch mich eingefangen – so sicher, wie eine Spinne die Fliege in ihr Netz webt. Es ist ein Ort, wie ich mir als Kind immer mein Traumland vorgestellt habe, und auch jetzt würde ich alles dafür geben, an einen solchen zu gelangen.
Ich kann Sorchas Liebe zu diesem Flecken Erde nur zu gut verstehen, denn nicht nur die Wälder um Sevenwaters versprühen durch ihren Anblick Magie – es ist tatsächlich ein Ort, an dem die Magie lebendig ist.
Marillier verbindet gekonnt die historische Gegebenheiten des damals im 9. Jhr. umkämpften Irlands mit fantastischen Elementen und altirischen Sagen und Mythen. So sind Sorchas sechs in Schwäne verwandelte Brüder nicht die einzigen überirdischen Wesen, die hier ihren Auftritt finden.
Auch das Volk der Feen wird erwähnt, Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten, Druiden und eine Zauberin.
Ebenfalls wird die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Iren und den Briten stark beleuchtet. Ohne Beschönigungen wird auf die Brutalität eingegangen, die sich beide Völker zukommen lassen, und doch lässt sich dieser Roman ohne Abscheu lesen, was durchaus der Sprachwahl der Autorin zuzusprechen ist.
Bis auf wenige Wörter wie z.B. „Expedition“ ist die Sprache vortrefflich auf den Inhalt des Buches abgestimmt – ein wenig verspielt, träumerisch, bildreich und farbenfroh, und angenehm unaufdringlich bei Beschreibungen der Schattenseiten der vergangenen Zeiten.

Die Tochter der Wälder fängt zwar nicht mit einem riesen Knalleffekt an, doch das hat die Geschichte auch gar nicht nötig. Sorchas Erzählungen über ihre Familie, die Liebe, Verbundenheit und der Zusammenhalt der sieben Geschwister fesseln einen, obgleich nicht ein spannungsgeladenes Ereignis das andere jagt. Die Beziehung der Geschwister hat für mich sowieso einen großen Pluspunkt an diesem Buch ausgemacht – ich habe selbst einen Bruder, doch habe ich nie diese Nähe zu ihm gespürt, die Sorcha zu ihren Geschwistern empfindet.
Jedes der sieben Kinder hat seine ganz besonderen Eigenschaften, Fähigkeiten und Charakterzüge, jedes wurde so gut durchdacht, dass sie einem alle – egal, wie sie sich auch verhalten mögen – sofort ans Herz wachsen und einem so unglaublich realistisch erscheinen, dass man denkt, sie säßen einem beim Lesen direkt gegenüber.
Natürlich ist so die Hauptbezugsperson und ich bin immer noch überwältigt, wie mutig, selbstlos und zielsicher sie ist. Vor allem für ein Mädchen von so geringem Alter!
Es ist wirklich erschreckend und ich schäme mich zutiefst, wenn ich daran denke, dass meine größte Sorge es mit 13-16 war, die Schule zu meistern, während damals die Kinder hart für ihr Überleben kämpfen mussten.

Sehr schön war ebenfalls die hier aufgeführte Liebesgeschichte, die sich – wie es sein soll – langsam zwischen dem Briten Hugh und Sorcha ergeben hat. Nachvollziehbar wurde dargestellt, wie die beiden Gefühle füreinander entwickeln – wundervoll war hierbei auch, dass das ganz ohne Worte funktioniert hat. Was das genau bedeutet, verrate ich aber nicht.
Zwar hat mich gestört, dass Hugh immer nur als der „Rote“ bezeichnet wurde, aber darüber lässt sich leicht hinwegsehen, wenn man vor lauter Rührung die Tränen zurückhalten muss.
Freude und Leid gehen nur allzu oft Hand in Hand, und so war es auch hier. Davon einmal abgesehen wurde auch die Spannungskurve stets aufrecht erhalten und die eine oder andere überraschende Wende hielten den Leser durchgehend bei der Stange.

Ich kann nur sagen, dass dieser Roman von nun an zu meinen absoluten Lieblingen zählt und ich es nicht abwarten kann, den nächsten Teil der Sevenwaters-Saga in die Finger zu bekommen. Meiner Meinung nach jedem zu empfehlen!

 

Lieblingsbuch Clee 2016

25 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Merle
    Okt 07, 2011 @ 01:45:58

    Das muss ich haben!!!

    Antworten

  2. joshi_82
    Okt 07, 2011 @ 05:33:23

    Total schöne Rezi. Ich hab das Buch ganz am Anfang meiner Bloggerzeit gelesen und liebe es immer noch total. Ich muss die Folgebände auch unbedingt haben

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Okt 07, 2011 @ 13:34:34

      Ich hab gerade erfahren, dass mich die Folgebände bald erreichen werden! *kreisch* Ach, das Leben kann so schön sein … :D
      Wie lange ist das her?

      Antworten

      • joshi_82
        Okt 07, 2011 @ 16:46:32

        Oh, wie genial. Wenn meine Wunschliste nur nicht soooooooo lang wäre *lach* Ich hab das Buch im April gelesen, glaub ich. Und es ist immer noch eins meiner liebsten, auch wenn ich zwischenzeitlich so einiges gelesen habe

      • cleesbuecherwelt
        Okt 07, 2011 @ 17:13:20

        Das Problem mit der ellenlangen Wunschliste hab ich beseitigt – hab dazu zufällig auch gerade oben einen Post geschrieben. Hab da so meinen Trick, wie ich mir Bücher weniger schmackhaft mache. *lach*

        Was? Es hat dir so gut gefallen und und trotzdem willst du nicht sofort mehr?^^ Wie schaffst du das? O.O

      • joshi_82
        Okt 07, 2011 @ 17:16:01

        Vermutlich hab ich einfach Angst, dass die nicht so gut sind, wie Band 1 ;) So ging es mir jetzt mit Alterra auch, aber bisher ist Band 2 super

      • cleesbuecherwelt
        Okt 07, 2011 @ 17:19:40

        Ja, das kann ich verstehen! Aber das gute ist – jedes der Bücher soll in sich abgeschlossen sein. Ich hoffe einfach, dass mir die anderen auch so gut gefallen werden. Selbst ein bisschen weniger gut ist immer noch besser als viele anderen Bücher. *lach*
        Alterra? Ist das echt so gut? O.O

      • joshi_82
        Okt 07, 2011 @ 17:21:46

        Also ich finds gut, aber ich weiß natürlich nicht, ob es deinen Geschmack trifft ;) Mir sind nur im ersten Band die Figuren nicht ausgefeilt genug gewesen. Man hat irgendwie zu wenig aus der Vergangenheit erfahren und konnte sie nicht so richtig ins Herz schließen, aber vielleicht ändert sich das in Band 2 ja noch. Die Ideen des Autors find ich jedenfalls klasse

      • cleesbuecherwelt
        Okt 07, 2011 @ 17:35:10

        Hm, ich denke, eine neue Reihe werde ich mir nicht anchaffen, obwohl es ganz gut klingt. Das mit den Charakteren ist halt auch eine Sache, dir mir sehr wichtig ist.
        Nur was ich momentan gerne wieder mehr hätte, sind historische Romane! Seitdem ich selbst Fantasy etc. schreibe, kann das nicht mehr so lesen. *seufz*

      • joshi_82
        Okt 07, 2011 @ 17:54:23

        Ja, versteh ich. Ich muss momentan auch aufpassen, dass ich nicht zuviel von einem Genre hintereinander lese, sonst wird mir langweilig. Einen historischen Roman muss ich unbedingt auch mal wieder lesen. Hab allerdings nicht allzu viel davon auf meinem SuB, glaub ich. Ausser die Bücher von Diana Gabaldon und Ken Follet

      • cleesbuecherwelt
        Okt 07, 2011 @ 17:57:17

        Ich liebe historische Romane oder Historical Fantasy – ich schreib ja nicht nur Fantasy, sondern auch beide am Anfang erwähnten Genre. Hocke gerade an der Recherche für meine ersten beiden Romane in dem Bereich. :)
        Ich gestehe nur – Ken Follett finde ich furchtbar. Einmal „Die Säulen der Erde“ und nie wieder.
        Diana Gabaldon wollte ich mal „Feuer und Stein“ versuchen, aber man sagte mir, da hüpfen die nur ins Bett oder Leute werden vergewaltigt. Stimmt das? O.O

  3. Sarah Fenger
    Okt 07, 2011 @ 07:49:53

    Oh, das hört sich aber wirklich toll an!!!

    Liebe Grüße,
    Sarah

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Okt 07, 2011 @ 13:35:54

      Ja, das Buch ist der Knaller! *schwärm* Hätte ich ja nicht gedacht, echt nicht, aber ich liebe es total. XD
      Ich auch gerade bei Goodreads nach sämtlichen Marillier-Werken auf der Suche! *.*

      Antworten

  4. Mara
    Okt 07, 2011 @ 13:42:16

    Habe es mir gerade bestellt – wenn eine Clee so begeistert ist, muss was dran sein!
    Normalerweise verzichtest du ja auf solche spielerischen Vergleiche – bitte mehr davon! Total schön! Spitzen Rezi!

    Antworten

  5. Mermaid23
    Okt 07, 2011 @ 13:43:41

    Ich glaube, du hast auch mich überzeugt. Deine Euphorie steckt an, dem kann ich mich nicht entziehen. *lach*

    Antworten

  6. Line883
    Okt 07, 2011 @ 13:50:00

    O.O Das MUSS ich haben! Ich wollte eh gerade in die Buchhandlung und 10 € ist echt nicht viel. –> Bin Buch kaufen!
    Großartig formulier – hach ich liebe deine Rezensionen! *g*

    Antworten

  7. Laura
    Okt 07, 2011 @ 13:53:00

    Das setzt ich auf meine Geburtstagswunschliste! Wahnsinn! Klingt so fantastisch!

    Antworten

  8. Rasp
    Okt 07, 2011 @ 14:19:23

    Das lass ich mir nicht entgehen. Ich hoffe, auch ein Mann wird mit dem Buch seine Freude haben?

    Antworten

  9. Fey
    Okt 07, 2011 @ 18:05:43

    O.O Das MUSS ich haben! Du schreibst echt geniale Rezis!
    Mist gerade vor einer Stunde war ich in der Stadt. Na ja, morgen ist auch noch ein Tag … meno

    Antworten

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