[Rezension] Brigitte Melzer – Die Fluchweberin

Die Fluchweberin

von Brigitte Melzer

Ueberreuter, 2012

Gebunden, 383 Seiten

ISBN: 3800056623

16,95 €

Leseprobe

Die 17jährige Raine MacDaniels kann Flüche weben, eine praktische Gabe, wäre Magie nicht verboten und würde mit dem Tode bestraft. Darauf bedacht, ihr Geheimnis zu wahren, wird sie an ihrer Schule zur Außenseiterin. Als ihr ihre Erzfeindin Kim einen besonders grausamen Streich spielt, schlägt Raine mit einem Fluch zurück. Doch sie muss feststellen, dass sie nicht die einzige mit magischer Begabung ist. Ein Zauberer scheint es auf sie abgesehen zu haben und plötzlich ist ihr auch noch die Magiepolizei auf den Fersen. Und dann ist da noch Skyler, der neue Mitschüler mit dem charmanten Lächeln, der so gerne ihr Freund sein möchte. Um zu überleben, muss Raine sich entscheiden, wem sie vertrauen kann ihresgleichen oder jemandem, der eigentlich ihr Feind sein müsste.

~*~

Nach Der Geist, der mich liebte und Im Schatten des Dämons war für mich klar, dass Brigitte Melzer von nun an ein fester Bestandteil meines Lesealltags werden würde. Deswegen hatte ich mich über die Maßen auf Die Fluchweberin gefreut. Leider jedoch konnte ihr neuer Jugendroman mich nicht so mitreißen, wie ich es mir erhofft hatte.
Von der Protagonistin Raine war ich durchaus noch richtig begeistert. Sie ist authentisch, sympathisch, erfrischend non-stereotypisch und das Wichtigste: sie ist ihrem Charakter, der durch eine traumatische Kindheit und dem Hass, der ihrer Art gegenüber entgegengebracht wird, geformt wurde, stets treu geblieben.
Doch neben so einer Heldin fällt es umso stärker auf, wenn das männliche Gegenstück schwächelt und diese Umschreibung ist bei Skyler noch untertrieben. Gerade wenn ich an Daith aus Im Schatten des Dämons denke, der mich so berührt und fasziniert hat, schmerzt das.
Skyler bleibt einfach farblos. Wir erfahren zwar von seiner ebenfalls schlimmen Vergangenheit, aber das koloriert ihn noch lange nicht flächendeckender. Sein Verhalten wirkte zu willkürlich, zu sehr nach Choreographie, wie es eben gerade für den Roman passend war und nicht wie es seinem Charakter entspricht, den ich sowieso nicht so richtig zu greifen vermag.
Hinzu habe ich nicht verstanden, warum er sich ausgerechnet an Raine – die Außenseiterin – hängt, wenn er doch möglichst viel über die Aktivitäten aller anderen Schüler erfahren möchte. Aber klar, mit dem Mädchen soll er schließlich auch anbändeln.
Die Liebesgeschichte durfte der Leser auch nicht miterleben, keine sonderlich berührend romantischen oder dramatischen Ereignisse erfahren. Ihm wurde sie erzählt. Raine, denn es wird leider nur aus ihrer Perspektive berichtet, sagt uns einfach irgendwann, dass sie sich zu Skyler hingezogen fühlt. Und dann ist es so. Wie schön.
Wann genau hat das begonnen? Durch welche Geste, außer, dass er sich nicht von ihr hat vergraulen lassen?
Sehr oberflächlich, wenn ich an Melzers andere Werke denke, und überhastet, wenn ich mir nochmal den Epilog vor Augen führe.

Generell wurde mir in diesem Buch zu viel erzählt. Raines ganze Probleme mit der Magiepolizei kennen wir nur, weil sie uns davon berichtet, nicht weil wir eine prekäre Situation selbst miterleben durften. So schleppt sich die Handlung dahin. Zwar gibt es immer wieder unglaublich spannende Passagen, doch die verlieren sich meist wieder in viel Gerede und letztlich in einem überhastet wirkenden Endkampf.

Ich muss Melzer zu Gute halten, dass sie es trotz der ganzen Mängel geschafft hat, mich irgendwie bei der Stange zu halten, sodass ich den Roman ziemlich zügig durchgelesen habe. Sie weiß mit Worten umzugehen, aber ich hoffe, dass der Inhalt der Worte beim nächsten Mal wieder an ältere Leistungen heranreichen kann.

Mal abgesehen von der schriftstellerischen Leistung: Schade, dass Ueberreuter ebenfalls auf das HC-Format mit Umschlag umgestiegen ist. Gerade das fand ich an deren Büchern immer so klasse, dass es bedruckte gebundene Ausgaben waren. Ich hoffe, diese Art stirbt nicht vollends aus …

4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Sonja
    Mrz 29, 2012 @ 10:56:43

    Wie schade! Den Roman habe ich schon zuhause, habe jetzt allerdings glatt Angst, denn Brigitte Melzer ist eine meiner Lieblingsautorinnen…Ich hoffe nur, mir sagt der Roman mehr zu, aber das, was du da nennst, könnte auch mir eher weniger gefallen…
    Trotzdem natürlich eine sehr gute Rezension, vor allem, da du ja auch Positives nennst ;)

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Apr 20, 2012 @ 11:53:58

      Na ja – das Buch war ja jetzt nicht schlecht … ich empfand es nur als … unausgereift xD
      Hast du es denn schon gelesen?
      Was sind deine Lieblinge von Melzer? Ich mag ja „Im Schatten des Dämons“ und „Der Geist, der mich liebte“ am liebsten. „Seelenglanz“ dürfte dann direkt danach kommen. :)

      Antworten

  2. Monika
    Mrz 29, 2012 @ 11:59:51

    Hallihallo :)
    Tolle Rezension! (: Schade, dass das Buch nicht so dein Ding war, ich denke, ich kaufe es deshalb nicht (wir haben ja grundsätzlich einen ziemlich ähnlichen Geschmack). Allerdings fand ich „Im Schatten des Dämons“ im Gegensatz zu dir nicht soo gut, weil es mich irgendwie an den Kuss des Kjer erinnert hat und dagegen wohl nicht so viel an. Was ich dagegen empfehlenswert finde, wäre ihre Vampyr-Trilogie, die in Schottland spielt. :]
    Alles Liebe, und es tut mir Leid, dass ich immer noch nicht zurückgeschrieben habe. :(
    Hoffentlich hast du bald weniger Stress. Und übrigens, das Buch ist angekommen, vielen vielen Dank! :)))

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Apr 20, 2012 @ 11:58:56

      Juhu, es freut mich, dass das Buch gut den Weg zu dir gefunden hat! :D
      Zu „Im Schatten des Dämons“ – ich hab das Buch vor Jahren gelesen (lange vor Kjer). Es ist ja um einiges älter. Jetzt finde ich Ravens Buch natürlich tausendmal besser, aber dennoch hat es mir damals supergut gefallen. Ich hatte in dem Bereich wenig gelesen und somit war es für mich etwas ganz Neues.
      Die Vampyr-Triolgie hätte ich fast sogar angefangen, aber … Schottland kann mich nicht so reizen als dass ich nochmal zu ’nem Vampirbuch greifen würde, fürchte ich. Es gibt nur noch ein Vampirbuch von einer bestimmten Autorin, dass ich gerne lesen werde. Aber das ist noch nicht auf dem Markt. XD
      Hm, aber wenn du sonst ein gutes Buch kennst, das in Schottland angesiedelt ist? *hoffnungsvoll guck*

      Antworten

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