[Rezension] Maris Putnins – Die wilden Piroggenpiraten

Die wilden Piroggenpiraten:

Ein tollkühnes Abenteur um eine entführte Mohnschnecke und ihre furchtlosen Retter

von Maris Putnins

Fischer Verlag, 2012

Gebunden, 656 Seiten

ISBN: 3596854520

14,99 €

Leseprobe

Bonus zum Buch: Rezept der Piroggenpiraten

Einer für alle, alle für einen
Eine süße Mohnschnecke als Piratenkapitän, eine wilde Pirogge im Kloster, ein Hörnchen im Kerker, ein Eclair, der Schiffbruch erleidet.
Es wird wild gekämpft, es rieseln die Füllungen, und der Schlachtruf lautet: Macht sie zu Semmelbröseln!
Dieses Buch ist einzigartig. Es ist verrückt, wahnsinnig komisch und abgedreht. Und es hat alles, was ein großer Abenteuerroman braucht. Und alle, wirklich alle, werden ihren Spaß haben und lauthals lachen, wenn sie die essbaren Helden auf ihrem steinigen Weg zum großen Glück begleiten.
Ein Hoch auf alle Kaffeestückchen und Teigtaschen dieser Welt!

~*~

Mit Die wilden Piroggenpiraten liegt dem Leser ein besonders schmackhaftes Buch vor – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Charaktere in diesem Buch sind zweibeinige Personifikationen von etwas zum Naschen. Ob eine Mohnschnecke, ein Eclair, ein Zwieback oder eine Teigtasche – die Idee zu den Charakteren ist in der Tat ein „gefundenes Fressen“ und so innovativ, dass selbst einem älteren Leser dieses Kinderbuch Spaß macht!

Der auktoriale Erzählstil und der mitschwingende „Es war einmal“-Tonfall verleihen dem Roman einen kinderfreundlichen Märchenbuchcharakter. Gleichzeitig ist die rasant voranschreitende Handlung jedoch so spannend, dass er sich bald zu einem richtigen „Abenteuerschinken“ mausert, der versehen mit einer Prise Humor jeden Lesergeschmack treffen dürfte.
Die Protagonisten sind trotz zumeist teigiger Substanz sehr authentisch dargestellt und benehmen sich trotz Blutlosigkeit wie Menschen: Sie verlieben sich, erleben Trauer, sind trotz ablaufendem Haltbarkeitsdatum heldenmutig, versnobt, machen Fehler und vollbringen Gutes. Jedes „süße Stückchen“ und jede „Teigware“ zeichnet sich durch ganz eigene Charakterzüge aus und ist auf seine Art liebenswürdig. Ich kann keinen benennen, der im Verlaufe des Buches nicht über sich selbst hinausgewachsen wäre oder dem Leser letztlich ungeahnte Füllungen offenbart hätte.
Besonders schön fand ich bei der Charakterzeichnung zudem, dass für jedes Hauptpersonenrezept stets zwei gleiche Zutaten verwendet und vom Leser auch herausgeschmeckt wurden: Hoffnung und Lebensfreude.
Und ich denke, dass das eine wichtige Botschaft für den Leser darstellt: Auch wenn es ernste und sehr traurige Moment im Leben gibt, es lohnt sich, weiterzumachen und die Freude daran nie zu verlieren. Es gab schon immer Menschen, die Angst vor der „Hölle“ haben – die Buchhelden in diesem Roman beweisen, dass selbst nach einem Aufenthalt im warmen Ofen das Abenteuer erst so richtig beginnen kann. Dann eben einfach ein bisschen „crosser“.
Zu der Handlung selbst sollte wohl nichts weiter verraten werden – ein Bäcker behält das Geheimnis um seine „Spezialzutat“ schließlich auch stets gut unter Verschluss.

Allerdings würde ich Die wilden Piroggenpiraten keinem Kind unter zehn Jahren zum Lesen geben. Eine Stärke von immerhin 656 Seiten könnte auf die kleinen Schlemmerer evtl. abschreckend wirken und sie vorab übersättigen. Ebenso wie manch angebrachter Witz oder die ein oder andere behandelte Thematik, was auch die Antriebskraft hinter so mancher Tat der Protagonisten einschließt, von diesen vielleicht nicht in dem Maße verstanden werden könnte, wie es ältere Leser vermögen. Da auch einige neologistisch eingebrachten Redewendungen und Begriffe nicht ohne Nachschlagen im Glossar gleich richtig gedeutet werden könnten, was meinem Lesevergnügen aber keinen Abbruch getan hat, würde ich Putnins Werk den eingefleischteren Bücherwürmern empfehlen.
Ja, ich kann diesen Roman nur empfehlen – denn eine so originelle Geschichtsidee gehört einfach gelesen, genossen und noch mehr „Restaurantkritikern“ vorgesetzt. Als zusätzliche Bonus zählen die goldigen Zeichnungen, die jeweils am Kapitelanfang einen Ausschnitt aus dem Geschehen im Buch visualisieren und das Extra, das der Verlag für uns Leseratten und Naschkatzen im Internet zur Verfügung gestellt hat und auf das am Anfang des Buches nochmal hingewiesen wird: Die Rezepte der Helden finden sich online zum Nachbacken.
Köstlich!

7 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Merle
    Mai 23, 2012 @ 12:37:26

    Ganz ernsthaft. Ich will das haben!!
    Das klingt ja sowas von goldig!!
    Und deine ganze Wortwahl passt SOOO klasse zum Thema. Obwohl du dieses Mal weniger genau auf alles eingehst, ist die Rezi genial! Toll!

    Antworten

  2. Annis
    Mai 23, 2012 @ 16:01:45

    Das scheint mir etwas für meine kleine Schwester zu sein. Wundervolle Vorstellung! Danke!

    Antworten

  3. Taty
    Mai 23, 2012 @ 17:19:37

    Ich werde definitiv Restaurantkritiker!!!

    Antworten

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