[Rezension] Frances G. Hill – Drachenhaut

Drachenhaut

von Frances G. Hill

arsEdition, 2012

Gebunden, 464 Seiten

ISBN: 3760784534

18,99 €

Leseprobe

Drachen erwachen und böse Gerüchte schwirren unaufhaltsam durch das Land Mohor: Der Naga, der Gott der Schlangen, soll den Kronprinzen verflucht haben. Gibt es Rettung für den stolzen jungen Mann? Fernab der höfischen Ängste und Ränke wächst unterdessen das Waisenkind Lilya behütet im Haus ihres Großvaters auf. Ihr Leben ändert sich jedoch von Grund auf, als auch ihr eines Tages der Naga erscheint. Warum greift der Schlangengott in Lilyas Schicksal ein? Als plötzlich feine Zeichnungen auf ihrer Haut erscheinen, wird das junge Mädchen zu einer Gejagten, deren Schicksal mit dem des Prinzen auf geheimnisvolle Weise verwoben ist und der eine magische Vewandlung bevorsteht. Der neue fantastische Roman der Autorin von Sturm im Elfenland entführt in eine Welt in der die Götter über das Schicksal der Menschen bestimmen mitreißend, geheimnisvoll, sinnlich!

~*~

Frances G. Hill alias Susanne Gerdom hat es schon wieder getan, oder anders ausgedrückt: Sie kam, schrieb und siegte – zumindest zum Teil.
Mit Drachenhaut liegt uns nicht nur der Titel zu einem traumhaften Cover vor, sondern auch eine märchenhaft spannende Geschichte voller innovativer Ideen. Was das Beste an dem Buch war? Ganz eindeutig das allerletzte Wort auf der allerletzten Seite. Es ist noch keinem Autor gelungen, mit dem letzten Wort nochmal so einen draufzusetzen, dass ich, wo doch alles schon vorbei war, laut losgelacht habe.
Danke, Frau Gerdom, die Aufmerksamkeit aller Zugmitreisenden war mir danach sicher. ;)

In der Tat weiß dieser Roman durch ein dichtes Handlungskonstrukt mit einigen überraschenden Entwicklungen, einer orientalisch angehauchten Atmosphäre und einer wunderschön bildhaften und plastischen Sprache zu überzeugen. Diese drei Punkte sind eindeutig die Stärken der Autorin, denn damit glänzt sie in jedem ihrer Bücher, ebenso wie ihrem immer mal wieder eingebrachten Humor. Für Leser, die besonders auf diese Qualitäten Wert legen, ist Drachenhaut demnach ein gefundenes Fressen.
Obwohl Gerdom jedoch zu meinen Lieblingsautoren zählt, hat mir bei diesem Buch einiges gefehlt und das betrifft hauptsächlich die Charaktere. Bis auf die Hauptperson Lilya, den verfluchten Prinzen samt seinem Erzieher und dem Bösewicht weisen die anderen Personen leider keinerlei Tiefe auf. Sie sind eindimensional, wirken zumeist nur als Instrument, um die Handlung voranzutreiben, und sind von vorneherein absolut durchschaubar. Anfangs war das sehr deprimierend, da Lilya erst nach einiger Zeit wirklich sympathisch wurde. Sie gibt sich so verwöhnt, wie sie erzogen wurde, und ihre Dickköpfigkeit strapaziert teilweise wirklich deine Nerven. Doch dafür ist die Entwicklung, die sich durchgemacht hat, gut verständlich und realistisch.
Andererseits ändert das nichts an der Tatsache, dass ich das Beziehungsgeflecht der Protagonisten für mehr als gefühllos empfunden habe. Angebliche Gefühle sind zwar plötzlich da, doch gespürt habe ich davon nichts, bzw. mir war nicht einmal klar, wie es plötzlich zu diesen kommt. Insgesamt ist die Gefühls- und Gedankenwelt unserer Helden arg vernachlässigt worden, was bei der verstrickten Handlung jedoch einigermaßen verständlich ist. Dennoch hätte ich mir gewünscht, wenigstens ein bisschen Herzklopfen erleben zu dürfen – denn sollte Liebe nicht genau das auslösen? Ich will nicht lesen, dass ein Charakter traurig oder wütend ist, dass ein Charakter in jemanden verliebt ist. Ich will es selbst spüren!
Auch fand ich die häufigen Nacherzählungen von Ereignissen weniger spannungsfördernd. Oft wurde in der Zeit gesprungen und das Vergangene einfach kurz als informative Rückschau abgehandelt. Besonders störend war das am Ende, denn der Showdown wurde in nur wenigen Seiten runtergespult. Mir wäre es lieber gewesen, immer direkt im Geschehen gewesen zu sein, direkt mitfiebern zu können.
Natürlich unterstreicht dieser Erzählstil den sagenhaften Charakter der Geschichte. Doch obwohl ich für solche Bücher immer zu haben bin und „Drachenhaut“ auf diese Aspekte bezogen brilliert, war mir die Ausführung trotz fehlender Logikfehler einfach zu lieblos. Ich weiß aus Der Nebelkönig, dass Gerdom rasante Abenteuer, die einem atemlos an den Seiten kleben lassen, schreiben kann. Deswegen bedauere ich es umso mehr, dass es mir bei Drachenhaut nicht ebenso erging.

Trotz aller Kritik ist dieses Buch keineswegs schlecht. Mir hat nur der zündende Funken gefehlt. Dennoch werde ich die hierin skizzierte Welt mit all ihren magischen Wesen in Erinnerung behalten, denn diese wurden genauso beschrieben, wie sie auch sind: magisch.

10 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Jul
    Sep 08, 2012 @ 19:12:25

    endlich mal jemand der meine meinung direkt ausspricht. ich sehe das haargenau so. es tut mir genauso leid wie dir, aber die charas waren mir auch zu farblos. es wurde mehr erzählt als gezeigt. schade. doch die positiven aspekte hast du gut hervorgehoben. darin ist hill wirklich spitze!

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Sep 08, 2012 @ 19:26:30

      *seufz* Mir tut es ja in der Seele weh, einem von Gerdoms Büchern auch nur ein Kleeblatt abzuziehen, aber ich bleibe immer ehrlich. Und ich fand das Buch ja trotzdem gut, nur nicht herausragend wie z.B. „Der Nebelkönig“ oder „Das gefrorene Lachen“ oder so.

      Antworten

  2. Hanne
    Sep 08, 2012 @ 20:34:16

    Ach —— ich seufze mit, denn die Rezi schiebe ich schon seit einer Woche vor mir her….. Liebe Grüße Hanne

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Sep 08, 2012 @ 20:49:44

      Haaaaa, freut mich, dass du wieder da bist! :D
      Du, sehr merkwürdig – wieso kann ich bei dir nicht mehr kommentieren? o.O

      Ich hab die Rezi auch erst drei Tage nach dem Lesen verfasst. Dafür schiebe ich aber eine andere schon länger vor mir her *seufz*

      Antworten

      • Hanne
        Sep 08, 2012 @ 21:01:22

        Hmm ich weiß nicht wieso du mich jetzt erst bemerkst :-((( klaro, Unkraut vergeht nicht und der Tumor war toi toi toi gutartig. Bin aber derzeit noch zu Hause… krankgeschrieben… Tja, dann sind wir uns ja beide einig. Oh menno, ich habe da auch immer noch ein Buch, was ich von einer Autorin erhalten habe und ich komm da nicht rein, Leseabbruch, das erste Mal. Deswegen wollte ich dem Buch eine zweite Chance geben und neu anlesen, aber ich komm einfach nicht dazu. Habe mir ja diese Blogtour „aufgehalst“. Mach ich nie wieder!!!
        Vor allem die Nettikette der teilnehmenden Leutchen stinkt mir jetzt schon bis zum Hals. Ne, gehört hier nicht her
        Liebe Grüße Hanne

      • cleesbuecherwelt
        Sep 08, 2012 @ 21:05:59

        Äh, Moment. Zurückspulen und Standbild … TUMOR?!?!?!?!?!
        Ich hab die letzten Monate meistens in der Uni verbracht oder gelernt, deswegen war ich so gut wie nie online … O.O

        Ich muss insgesamt noch sieben Bücher rezensieren, dann bin ich durch. Ich hoffe, ich schaff das diesen Monat. Da ich jetzt endlich wieder zum Schreiben komme, will ich die Zeit eigentlich dafür nutzen und hab momentan kaum mehr Nerven für neue Bücher. Ich versteh dich also. Und so eine Blogtour stell ich mir echt aufwendig vor – was macht man da eigentlich? Bin da nie ganz so dahintergestiegen …

      • Hanne
        Sep 08, 2012 @ 21:17:27

        Ja was soll ich dir so sagen – ich mag nicht so offen im Netz – alles gut…. ich habe hier noch sechs Bücher, gelesen. Dafür noch die Rezis schreiben und neue Bücher kamen auch schon wieder ins Haus. Zum Schreiben komme ich überhaupt nicht mehr. Ich ziehe mich immer mehr ins Schneckenhaus zurück und wenn ich schreibe, dann eigentlich nur noch für mich. Ich fang immer alles an, 100 Seiten und mehr, und dann liegt es da. Im Frühjahr habe ich ja eine Romantic Fantasy-Geschichte angefangen, ist fast fertig, habe nen neuen Anfang gebastelt, ach nein…. ich schreib jetzt net hier im Netz. Was macht die Uni????
        Schreib mir doch mal deine Mailadresse – ich habe einen neuen Compi und müßte jetzt erst auf dem alten nach einer Mailadresse von dir suchen – dazu bin ich zu faul. Ich hatte einen Parotistumor. LG HANNE

  3. Merle
    Sep 09, 2012 @ 08:55:27

    Würdest du es trotzdem empfehlen?

    Antworten

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