[Bloggerpläuschchen] Der deutsche Buchmarkt nur ein Abklatsch des englischen?

Während ich an den Regalen in den Buchhandlungen entlanggelaufen bin, habe ich mich oft gefragt, warum mir kein einziger Buchtrend einfallen will, den der deutsche Buchmarkt gelegt hätte. Ist er lediglich das Ufer, an den die Wellen anderer Märkte branden? Scheint ganz so. Ob Vampire, Engel oder kürzlich Steampunk (obwohl das in Deutschland ja nicht so großen Anklang gefunden hat – ungerechtfertigterweise, wie ich finde) – die Amerikaner & Engländer mussten es den Deutschen immer erst vormachen. Da frage ich mich doch, ob wir überhaupt noch von uns behaupten können, einen eigenen Buchmarkt zu haben. Überall wimmelt es nur so von Übersetzungen aus dem Englischen und deutschen Büchern, welche den gelegten Trend genannter Übersetzungen nachahmen. Mit immer weniger Titeln wird bei uns etwas gewagt und immer weniger Neues erscheint bei uns, das nicht zuvor ein Hit in den USA, etc. war. Zumindest wage ich das zu behaupten, nachdem ich eine Weile die Veröffentlichungsentwicklung auf den englischen und deutschen Buchplattformen beobachtet habe.

Wie soll sich da der deutsche Buchmarkt jemals behaupten, jemals einen eigenen Charakter entwickeln können? Dem Film ist das eindeutig gelungen. Es lässt sich zumeist sehr leicht feststellen, ob ein Film amerikanischen (Patriotismusanwandlung, American Kitsch oder teilweise einfach die besseren Specialeffects), deutschen (Zeit für Psychologen) oder auch französischen (Himmel, wie soll ich das beschreiben … Drama, Drama und oft kein Happy End im klassischen Sinne) Ursprungs ist. Also wieso schaffen wir Deutschen das nicht auch bei Romanen? Ich sage nicht, dass das nur die Schuld der Verlage ist (dank der Finanzkrise dürfte die Branche ebenso zu kämpfen haben wie viele anderen und nicht so risikoreich aufgelegt sein). Es ist mit Sicherheit auch ein Problem der Leserschaft. Wir alle wissen, wie der 0815-Deutsche tickt: Einmal eine Marke, immer diese Marke.
Der Verdacht liegt nahe, dass der 0815-Deutsche es so dann auch bei Büchern macht: „Einmal Vampir, immer Vampir“ – keine Chance einem plötzlich neuen Trend. Sieht man sich  den immer noch hohen Anteil an Romanen mit „Biss“ an, scheint dieser Verdacht sich zu bestätigen.

Da dreht sich alles auf der Welt um Wettbewerb und darum, als erster etwas entdeckt oder gebracht zu haben, doch hier wählen wir freiwillig den Platz der zweiten Geige. Ein ziemliches Trauerspiel. Ich denke nämlich nicht, dass die deutschen Autoren weniger innovative Ideen als ihre englischsprachigen Kollegen haben. Bleibt nur zu hoffen, dass wir hier in Deutschland irgendwann die Kurve kriegen und die ersten Töne eines neuen Liedes anstimmen. Ansonsten sehe ich nämlich schwarz. Tintenschwarz.

Deprimierte Grüße

2016 Clee signatur

4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Kerry
    Nov 21, 2012 @ 08:59:11

    Recht hast du, auch ich finde es sehr schade, wie schwer teilweise gerade deutsche Autoren und viele kleine Verlage kämpfen müssen. Ich bemühe mich grundsätzlich, Bücher deutscher Autoren nicht zu kurz kommen zu lassen, was mein Leseverhalten angeht und gerade in diesem Jahr habe ich förmlich 2 „Offenbarungen“ entdeckt, von deutschen, leider unbekannten Autoren, deren Bücher allerdings in meinen Augen absolutes Bestseller-Potential hat. Ich denke aber auch, es liegt immer auch am Leser selbst, ein bißchen über den Tellerrand hinauszuschauen und zu entdecken, was auch der heimische Markt an Literatur zu bieten hat und ich kann nur sagen: Wir haben wirklich geniale Autoren, bei denen ich immer hoffe, dass der Rest der deutschen Leserschaft diese auch noch entdecken mögen.

    LG Kerry

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Nov 21, 2012 @ 19:16:31

      Mittlerweile handhabe ich es sogar fast immer so: deutsche Titel werden, klar, auf Deutsch gelesen und englische nur auf Englisch. Obwohl ich sagen muss … ich hab generell eigentlich wirklich mehr Bücher von deutschen Autoren. *auf die eigene Schulter klopf* ;)
      Jetzt musst du mir aber noch verraten, welche zwei Offenbarungen das waren. Bitte, ja? *neugierig guck*

      GlG! :)

      Antworten

  2. Hanne
    Nov 24, 2012 @ 12:23:44

    Ich gebe dir recht und war echt baff von deinem Artikel hier. Bewunderung !!! Würde ich auch gern mal schreiben können.
    Es ist echt schade, dass wirklich gute deutsche Autoren teils so unbekannt bleiben, weil der amerikanische Markt es vorschreibt, auch hier die BestOff mit einem großen Werbetopf auszustatten. Nun gut, aber dafür gibt es ja uns Leser/Blogger, die einiges bewegen könn(t)en.
    LG Hanne
    Ach ja, und Post ist für dich unterwegs *grins

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Nov 25, 2012 @ 18:50:23

      Boar, vielen Dank! :D
      Aber wieso sollst du sowas nicht auch schreiben können? *am Kopf kratz*

      Richtig. Müssen wir Leser den Verlagen einfach mal zeigen, dass wir Protas mit löcherfreien Hälsen ebenso zu schätzen wissen. ;D

      Post? O.O

      Antworten

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