[Rezension] Robin L. LaFevers – Grave Mercy. Die Novizin des Todes

Grave Mercy – Die Novizin des Todes

von Robin L. LaFevers

cbj, 2012

TB, 544 Seiten

ISBN: 3570401561

14,99 €

Leseprobe

Die 17-jährige Ismae flüchtet vor einer Zwangsheirat und findet Zuflucht im Kloster von St. Mortain, wo die Schwestern noch den alten Gottheiten dienen. Doch um selbst ein neues Leben beginnen zu können, muss sie das Leben anderer zerstören: Der Gott des Todes hat ein Schicksal als Auftragsmörderin für sie vorgesehen …
Ismaes erster Auftrag führt sie an den Hof der bretonischen Herzogin, wo sie mit einem unlösbaren Gewissenskonflikt konfrontiert wird: Wie kann sie den Auftrag des Todes ausführen, wenn das Opfer ihr Herz gestohlen hat?

~*~

Die Kombination aus historischem Setting in der Bretagne des 14. Jahrhunderts, der Lebenswelt weiblicher Assassinen und dem Einschub fantastischer Elemente im Bezug auf die Personifikation des Todes und der menschlichen Seele hat Grave Mercy von Robin L. LaFevers zu einem spannenden Leseabenteuer gemacht.
Dieser Roman hebt sich vor allem dadurch ab, dass er sich der Todesthematik auf ganz dezente Weise annähert, obwohl das Töten und der Tod im Leben von Assassinen allgegenwärtig ist. Viele Menschen müssen hierin ihr Leben lassen, doch die Schilderungen gehen nie zu sehr ins Detail, sodass sich sanftere Gemüter vor keiner zelebrierten und zur Schau gestellten Brutalität fürchten müssen. Obwohl es durch die Morde und deren vorausgehendem Intrigenspiel stets spannungsgeladen bleibt, ist es vielmehr der Umgang der Protagonistin Ismae mit diesen Vorfällen, der mein Interesse wecken konnte.
Ismae ist keine gewissenlose Mörderin. Sie leidet unter ihrem Handeln, ihrer Bestimmung und hinterfragt, ob all das, was sie tut, wirklich der Wille ihres Gottes ist oder ob die Mordaufträge nicht doch eher ihrem Klosterorden von Nutzen sind. Sie hinterfragt aber auch ihre eigenen Schwächen, inwieweit ihre Gefühle gegenüber anderen Menschen ihr Handeln und Denken beeinflussen und ob sie sich dadurch überhaupt selbst vertrauen kann.
Doch nicht nur aus diesem Grund ist sie ein Charakter, mit dem es sich leicht identifizieren lässt: Auch wenn Ismae sich immer wieder zur inneren Stärke aufruft, erfährt der Leser von ihren Ängsten, ihrem Mitgefühl und – das ist in ihrer Position als Auftragsmörderin am bewegendsten – ihrer Gnade. Die Entwicklung, die sie im Roman durchmacht, ist realistisch und verleiht ihr eine Vielschichtigkeit, die ich mir öfter bei Protagonisten wünschen würde.

Auch die anderen Charaktere wissen zu überzeugen: sie bleiben ihren Prinzipien treu, handeln begründet (ob durch den Einfluss vergangener Ereignisse oder ihrem Glauben) oder zumindest danach, was sie als ausreichende Begründung ansehen (Machtgier). Zu viel möchte ich auf die anderen Personen allerdings nicht eingehen, da das in diesem feinen Intrigennetz, in dem sich Ismae zurechtfinden muss und sie zunächst niemandem vertrauen kann, zu viel vorwegnehmen würde.

Das wiederum bringt mich zum nächsten positiven Aspekt dieser Geschichte. Auch wenn ich schon einen Verdacht hatte, wer der Strippenzieher hinter dem großen Komplott ist, bleibt es bis kurz vor Ende ungewiss, ob dem tatsächlich so ist. Leser, die sich für ein relativ ausgeklügeltes Intrigenspiel interessieren, dürften hier auf ihre Kosten kommen. Zumal die historische Unterlegung, d.h. das Ränkespiel zwischen den Territorialstaaten und den Adelshäusern, dieses auf ein großflächigeres Gebiet ausweitet.

Es ist zwar so, dass sich die ersten hundert Seiten hauptsächlich mit der Ausbildung Ismaes zur Assassinen beschäftigen und da noch nicht allzu viel Handlungsvorantreibendes passiert, doch hat diese Schulung mich ebenfalls fesseln können. Es ist faszinierend und erschreckend, zu sehen, auf wie viele Arten Menschen umgebracht werden können – ob mit Gift, Waffen oder den bloßen Händen. Umso wichtiger fand ich es aber auch, dass ich als Leser am Ende des Buches für mich folgende Botschaft mitnehmen konnte:  Erst durch den Tod erfährt das Leben seinen wahren Wert. Beides ist etwas, das man ehren sollte.

So habe ich insgesamt nur einen Kritikpunkt anzubringen und der bezieht sich auf die Liebesgeschichte zwischen Ismae und Duval. Obwohl die beiden perfekt zueinander passen und trotz ihrer Gefühle ihre Pflichten und Überzeugungen nicht vergessen, ging mir das Fortschreiten ihrer Beziehung zu schnell – sie wurde meistens immer nur als kurzer Abschnitt am Ende eines Kapitels abgehandelt und das nach immer gleichem Ablauf. Zugutehalten muss ich er Autorin, dass sich die Protagonisten einander im ersten Moment aus verständlichen Gründen abgeneigt waren, aber als es dann erst einmal mit dem Herzflattern losging gab es keinen rechten Höhepunkt mehr und die Gefühlsentwicklung ging mir ebenfalls zu schnell von statten. Dafür hatten sie für mich zu wenig gemeinsame Momente.

Anmerken möchte ich auch noch, dass es teilweise durchaus kürzere Durststrecken beim Lesen gab, da neben dem Herumrätseln der Protagonistin, wer jetzt zu den „Bösen“ gehört, nicht immer parallel etwas passiert ist und auch viel Familiengeschichte um Duval herum aufgewickelt wurde, aber gestört hat mich das nicht.

Insgesamt fand ich Grave Mercy deshalb wirklich unterhaltsam, auch wenn es kein ausnahmsloser Pageturner ist. Ich freue mich auf den zweiten Band!

10 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Himieli
    Jan 24, 2013 @ 15:04:09

    super, das klingt nach einem buch für mich!
    deine buchbesprechungen gefallen mir so viel besser. nicht so „das mag ich, das nicht“ – sie klingen reifer. das ist gut!

    Antworten

  2. Isa M.
    Jan 24, 2013 @ 17:35:24

    ich hab bald geburtstag und such schon lange nach einem buch über assassinnen. ich schätze danke dir hab ich jetzt eines gefunden. danke! bin sehr gespannt auf ismae. so wie du sie beschrieben hast klingt sie einfach genial!

    LG!

    Antworten

  3. Merle
    Jan 24, 2013 @ 19:56:23

    Oh man … mit der Rezi hast du mir ein Buch wieder schmackhaft machen können. Ich bin zwar skeptisch wegen der Lovestory, aber wenn du es dennoch so mochtest werde ich es versuchen.

    Antworten

  4. buchtastisch
    Jan 25, 2013 @ 10:00:51

    Ich bin auch schon auf den zweiten Teil dieser Reihe gespannt … aber weshalb ich eigentlich schreibe: Ich bin hier schon auf Deinem Blog, oder? Das schaut so anders aus? Oo Dachte erstmal, dass ich mich verklickt habe *g* Sehr, sehr hübsch :)

    LG
    Monika

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Jan 25, 2013 @ 11:06:23

      Oh ja, ich auch! So der Hammer, dass darin Sybellas Geschichte behandelt wird! Das wird noch düsterer als mit Ismae, aber bestimmt genial! *.*

      Oh, ups. xD Doch, du bist auf jeden Fall richtig. Ich finde, dass der neue Header viel besser zu mir passt: quietschhelle Farben, ein bisschen verrückter ;D
      Danke :) Freut mich, dass es gut ankommt – puh.

      GlG!

      Antworten

      • buchtastisch
        Jan 25, 2013 @ 11:28:20

        Ja, das wird bestimmt klasse! Ich empfand sie eh schon als spannenden Charakter – das sie nun ihren eigenen Band bekommt ist wirklich super.

        Klar kommt es gut an! Ist doch wirklich schööön geworden. Und ich mag grün eh sooo sehr! (Und beim zweiten Besuch wirkt es auch schon gar nimmer so schockierend neu *g* – aber immer noch klasse!).

        GLG
        Monika

      • cleesbuecherwelt
        Jan 25, 2013 @ 11:33:06

        Ja, das fand ich auch! Hach, die Zeit müsste schneller vergehen – oder die Bücher schneller erscheinen. Ich spiele ja mit dem Gedanken, es auf Englisch zu lesen, weil ich es dann vermutlich früher lesen könnte, aber … ich möchte die Reihe eigentlich schon in gleicher Ausstattung im Regal haben. Hm.

        Ja, ich auch! :D Grün macht gute Laune. Oder wie unser einer Lehrer immer zu sagen pflegte: Grün für die Hoffnung.
        Ich glaube, damit wollte er von seiner Verzweiflung wegen uns ablenken. XD

        „schockierend“, also, ja? *g* Hihi.

  5. buchtastisch
    Jan 30, 2013 @ 21:03:28

    Ich lese ja auch viele Bücher auf Englisch – aber wenn ich dann mal was im Regal angefangen habe, warte ich zumeist auch brav und lese nicht aufm Kindle oder in einer nicht dazu passenden Variante weter.

    Oder Euer Lehrer hielt sich verzweifelt daran fest, dass es doch immer noch einen Funken Hoffnung gibt – auch für seine Schüler *g*

    Jaja, schockierend. Hallo – ich dachte ich bin aufm falschen Blog!! Das mußt doch verstehn ;)

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Feb 27, 2013 @ 15:44:40

      Das kommt bei mir ganz darauf an, wie gut mir ein Buch gefallen hat. Hab jetzt z.B. vor zwei Wochen „The Assassin’s Curse“ von Cassandra Rose Clarke gelesen und war mäßig begeistert, deswegen wird das Buch auch nicht in meinem Regal bleiben (muss nur noch gucken, wo ich es „losbekommen“ xD). Dennoch möchte ich Band 2 noch lesen, da ich nach dem Ende doch wissen will, wie es weitergeht. Deswegen hol ich mir Band 2 dann für den Kindle. :)

      Ganz genau *g* Er hat uns deshalb auch immer wieder aufgetragen, gewisse Regeln grün einzurahmen. XD

      Ich bin selbst gerade erschrocken, weil ich ja jetzt auch wieder lange nicht auf einem Blog war und dann sticht mir da dieses Grüngelb entgegen XDD

      Antworten

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