[Autorenstuhlkreis] Ein Anfang – unendlich viele Enden, Teil 4

Ein Anfang – unendlich viele Enden, Teil 1 – 3

Es folgt Teil 4 meines Autorenstuhlkreises. Einmal mit der Geschichte von einer Frau, die meine Liebe zu den schottischen Highlands teilt. Und dann wiederum mit dem Beitrag einer Autorin, die mir mit ihrer Kurzgeschichte – haltet euch fest – meine eigene magische Liebesgeschichte geschrieben hat!  Ihr werdet nie darauf kommen, welchen Kerle sie mir an meine Seite gestellt hat. Ich sage auf jeden fall: Danke, Sandra! *strahl*

Wie die letzten Male hier die Erklärung: Ich habe 13+ Autoren den gleichen Satzanfang gegeben, welchen sie nach ihren Vorstellungen zu einer Geschichte oder zumindest einem kleinen Geschichtsfragment weiterverwerten sollten. Hier könnt ihr nachlesen, was sich dabei für eine weitere tolle Geschichte ergeben hat.

Jeder der Autoren durfte sich aussuchen, ob er folgende Sätze in Ich-Perspektive oder Dritter Person schreiben möchte.

“Das Geräusch zersplitternden Glases ließ mich herumfahren. Meine Augen weiteten sich, als ich sah …”

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© Isabelle Grubert

Aileen P. Roberts

Aileen P. Roberts ist das Pseudonym der Autorin Claudia Lössl. Ihre Begeisterung für das Schreiben entdeckte sie vor einigen Jahren durch ihren Mann. Als dieser mit der Arbeit an einem Buch begann, beschloss sie, sich ebenfalls als Schriftstellerin zu versuchen. Seither hat sie bereits mehrere Romane im Eigenverlag veröffentlicht, 2009 erschien mit „Thondras Kinder“ ihr erstes großes Werk bei Goldmann, danach folgten „Weltennebel“ und „Feenturm“. Claudia Lössl lebt mit ihrem Mann in Süddeutschland.

>>KLICK!<<

Das Geräusch zersplitternden Glases ließ mich herumfahren. Meine Augen weiteten sich, als ich sah, wie sich ein Lichtportal auftat – direkt in meinem kleinen Bürofenster! Irisierende Farbwirbel, silbern und blau, pulsierten, als würden sie ein Eigenleben führen.  Verwirrt rieb ich mir die Augen. Ich hatte mal wieder eine Nachtschicht eingelegt, zwei leere Kaffeetassen standen neben mir; in Gesellschaft derer des Tages zuvor. Ja, ich war übermüdet und dieses Lichterspektakel konnte nur Einbildung sein. Als ich noch einmal nach links blickte, war dieses seltsame Leuchten auch verschwunden.
Gut so! Ich hackte wieder in die Tasten, denn das Manuskript musste ja endlich fertig werden!
»Das wird nix!«
»Sehe ich genauso«, murmelte ich vor mich hin, zuckte dann jedoch zusammen.
Schon wieder eine Halluzination?

Ich blinzelte, schloss und öffnete meine Augen erneut, doch das änderte nichts. Dort drüben, in der Ecke neben dem Fenster, stand ein Zwerg! Gerade mal einen Meter groß, wirres graues Haar, ein buschiger Bart – und er kam mir verdammt bekannt vor.
»Was ist denn das für ein Mist?«, motzte er mich an. »Ohh jeeh, erst dieses Leuchten, dann hat’s an mir gezerrt als würden alle Windgeister Albanys mich zerreißen wollen und jetzt? Jetzt stehe ich hier!«
Albany? Nein, das konnte es einfach nicht geben. Ich musste träumen. Gut, Schriftsteller gelten ja weithin als realitätsfremd, durchgeknallt und teilweise etwas sonderlich. Aber hier konnte doch nicht allen Ernstes ein Zwerg stehen!
»Kannst du eigentlich auch sprechen oder nur auf diesem Ding hier rumhämmern?«
Mit säuerlicher Miene deutete er auf meine Tastatur.
»Ja … also …«, stammelte ich, kniff mich heimlich in den Unterarm, aber die Erscheinung blieb.
»Ohh jeeeh, das hab ich mir gleich gedacht, dass sie keinen vernünftigen Ton rausbekommt.«
Der auffallend dürre Zwerg, um dessen Körper grob gewobene braune Hosen und ein graues Hemd schlackerten, blinzelte mich fragend an. »Hast du wenigstens ein ordentliches Bier im Haus?«
»Ich glaube, eine Dose Guinness sollte noch im Kühlschrank sein.«
»Guinness, Kühlschrank, was redest du denn da?«
»Na ja, dunkles Bier aus …« Ich stockte, denn mit Irland konnte er sicher ebenso wenig anfangen wie mit Kühlschrank. Und ganz langsam festigte sich in mir auch der Verdacht, wer da in meinem Büro stand. »Ein dunkles, gut gekühlt und von der Insel der Riesen, Anmhorán«, sagte ich daher.
»Das ist doch mal Wort!« Ein breites Grinsen zauberte zahlreiche Runzeln auf sein lederartiges Gesicht.
Also stand ich mit zittrigen Knien auf, warf noch einen Blick zurück und sah, wie sich der Zwerg auf meinen Schreibtischstuhl zog, und ein verdutztes:

»Ohh jeeh!«, ausstieß, als sich dieser drehte.
Horac – dieser Zwerg konnte nur Horac sein. Der grummelige, grantige Miesepeter aus meiner Weltennebel Trilogie. Aber wie kam er hierher? Träumte ich oder war ich selbst in einer Fantasygeschichte gefangen?
Die Guinnessdose war rasch gefunden, ordnungsgemäß in einem Krug abgefüllt, und während ich mir auf dem Weg zurück ins Büro noch überlegte, ob diese Horac-Hallzuination nach einem ordentlichen Schluck wieder verschwunden sein würde, vernahm ich auch schon wieder das vertraute Gemotze.
Das Gesicht anklagend verzogen deutete Horac auf den Bildschirm. »So ein Mist, welch irrer Dämon steckt denn in dieser Kiste?« Wild betätigte er die Pfeiltaste und die Seiten rauschten nur so über den Bildschirm.

»Hey, aufhören, lass mein Manuskript in Ruhe!« Jetzt wurde ich wirklich wütend, denn ich erkannte, dass Horac auf zahlreichen Seiten Markierungen mit XXX angebracht hatte.

Den Kopf dicht am Bildschirm, einen breiten Daumen noch immer auf der Pfeiltaste, beäugte er die dahin fliegenden Lettern. »Was soll denn das?«, murrte er.
Seine lange Nase runzelte sich empört. »Fast zweihundert Seiten und ich komme nicht ein einziges Mal vor. Das kann ja nix werden mit dem Buch!« Ruckartig entriss er mir den Krug, wobei etwas von dem dunklen Gebräu auf die Tastatur schwappte.
»Horac!«, schimpfte ich.
Doch der alte Zwerg winkte nur ab, nahm einen kräftigen Zug und nickte anerkennend, bevor er auf den Boden sprang und eine Hand in die Hüfte stützte. Die andere umklammerte den Krug. »Weshalb bin ich in der Weltennebel-Fortsetzung  noch nicht aufgetaucht?«
»Na ja.« Verlegen kratzte ich mich am Kopf. »Das hat sich einfach noch nicht ergeben. Schließlich …«
»Schließlich?«, hakte er nach.
»Ich dachte, dein ewiges Genörgel will ohnehin niemand mehr lesen.«

»Mein Genörgel?«, empörte er sich. »Ohh jeeeh, ohne mich wäre doch die erste Trilogie nix geworden. Was meinst du eigentlich, wie viele Fans ich habe? Nur weil es Zwerge wie mich gibt, hat sich das Buch so gut verkauft und du darfst eine Fortsetzung schreiben«, behauptete er im Brustton der Überzeugung. »Pah, wer will schon von Dunkelelfen, Drachen und Nebelhexen lesen? Zwerge! Zwerge sind das Rezept zum Erfolg!«
Zweifelnd hob ich meine Augenbrauen in die Höhe. Horac war ein Nebencharakter – was ich in diesem Moment selbstverständlich nicht erwähnte  – ein kauziger, liebenswerter Geselle, aber doch ganz sicher keine Hauptfigur.
Nun kletterte er erneut auf den Schreibtischstuhl, anschließend setzte er sich auf meinen Schreibtisch und verschränkte die Arme vor der Brust. »Jetzt weiß ich auch, was das alles soll! Ich wurde durch das magische Portal hergeschickt, um zu überwachen, dass du mich auch ja in das Buch einbaust, sonst wird das nix mit dem Bestseller!«
Gereizt verdrehte ich die Augen. »Wenn du mich nicht weiterschreiben lässt, wird es auch nix mit dem Abgabetermin.«

»Na dann hurtig. Hau in die Tasten! Ich habe die Stellen markiert, wo ich hervorragend hineinpassen würde.« Eifrig deutete er mit seinem dicken Finger auf den Bildschirm, wobei er einen prächtigen Fingerabdruck hinterließ.
Leicht gereizt ließ ich mir die entsprechenden Abschnitte im Buch zeigen, brummte hier und da meine Zustimmung, schüttelte jedoch auch einige Male energisch den Kopf. »Horac! Das kann jetzt aber nicht dein Ernst sein!«
»Selbstverständlich!« Mittlerweile hatte sich der Zwerg selbst noch einmal am Kühlschrank bedient, seine Augen leuchteten bereits glasig und wie er da auf der Schreibtischkante saß, schwankte er verdächtig.
»Mein lieber Horac, das geht zu weit, das nimmt mir kein Mensch ab! Ich sehe schon die Rezensionen: Ein uralter Zwerg, der zwei Elfenkinder vor einer Trollrotte rettet. So ein ausgemachter Blödsinn! Die Schreiberei dieser Autorin entbehrt jeglicher Logik! «
»Ach was!«.
»Doch, genau so, oder zumindest sinngemäß, wird es sein«, prophezeite ich.
Noch einmal versank sein Kopf bis weit über die Nase im Krug. »Ohh jeeh, du hast mich erschaffen, also mach auch was draus«, grummelte er.
Mit einem freudigen: »Ha! Hier auch!«, hatte er weiter geblättert.
»Nein!«, rief ich energisch. »Du bist ein alter, grummeliger Zwerg, kein Held, der Albany oder eine andere Welt rettet! Und magische Fähigkeiten hattest du auch noch nie!« Als er den Mund zu einer Entgegnung öffnete, hob ich abwehrend eine Hand. »Ich habe einen Vorschlag, Horac. Du gehst zurück durch das Portal und ich verspreche dir, du bekommst deinen Platz in der Geschichte.«
»Na, ob das was wird?«, wandte er schwarzseherisch ein.
»Ganz sicher!«
»Ohh jeeh, wer weiß, ob das Portal überhaupt wieder erscheint.«
»Wir versuchen es. Stell dich zum Fenster. Ich schreibe jetzt: Horac stellte sich vor das Fenster und ein schimmerndes Portal …«
»Warte!«, unterbrach er.
»Was ist denn noch?«
»Hast du noch ein Bier?« Er blinzelte mich grinsend an. »Für die Reise.«
»Ja, von mir aus!« Hastig erhob ich mich, rannte hinab in den Keller und fand dort sogar noch eine Flasche von der letzten Geburtstagsfeier. Diesmal ein fränkisches Kellerbier mit Schnappverschluss. Sichtlich begeistert nahm Horac dieses entgegen. Ich machte eine ungeduldige Handbewegung zum

Fenster hin. Der Zwerg wankte los; ich schlug in die Tasten. Unglaublich aber wahr – da zeigte sich wieder dieses Leuchten.
»Ha, ich hätte nicht gedacht, dass das was wird!«, rief Horac aus.
»Na los, geh hindurch«, drängte ich.
Ein weiterer Schritt und der Zwerg war beinahe verschwunden, doch da drehte sich sein grauer Kopf noch einmal zu mir. »Aber ich bekomme einen gebührenden Auftritt in dem Buch. Wenn das nix wird, komme ich wieder.«
»Jaaa, Horac.«
Der Zwerg schwankte, torkelte zur Seite und ich befürchtete schon, er würde das magische Portal verfehlen – dann war er fort.
Erleichtert atmete ich aus. »Jetzt wird man schon von seinen Protagonisten heimgesucht«, murmelte ich vor mich hin, legte meinen Kopf auf die Schreibtischkante, und warf dabei versehentlich mit dem Ellbogen den Bierkrug, die leere Dose und die Kaffeetassen herunter.
Die Tür zum Büro öffnete sich und mein Mann kam mit verstrubbelten Haaren herein, gähnte laut und fragte: »Was ist denn das für ein Krach? Willst du nicht endlich ins Bett kommen?«
»Ja, gleich, ich muss noch kurz eine Szene schreiben. Mit Horac«, fügte ich grinsend hinzu.
»Der grantige Zwerg aus Weltennebel?«
»Genau der.«
»Hat das nicht bis morgen Zeit?«
»Nein, sonst wird das nix mit dem Schlafen«, kicherte ich, und fügte vielsagend hinzu: »Oder möchtest du etwa einen betrunkenen, nörgelnden Horac im Bett haben? Der gibt nämlich keine Ruhe, bis er im Manuskript auftaucht.«
»Was? Keine Ahnung? Es ist mitten in der Nacht!« Damit schlurfte er aus dem Raum und ich hörte noch ein: »Jetzt spinnt sie völlig!«
Tja, als Schriftstellerin hat man es nicht leicht, und deshalb werde ich jetzt ganz schnell einen Auftritt für den guten Horac basteln, damit er sich nicht wieder beschwert.
Sonst wird das nix mit der Weltennebel-Fortsetzung.

© Copyright 2013 by Aileen P. Roberts. Alle Rechte vorbehalten.

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urheber2565

© Sandra Regnier

Sandra Regnier

Sandra Regnier ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in der wunderschönen Eifel. Sie ist selbstständig und versteht es, den Dingen den rechten Rahmen zu geben. Zum Lachen bringen sie Filme von Richard Curtis, Ron Weasley und Bücher von Kerstin Gier.

>>KLICK!<<

Das Geräusch zersplitternden Glases ließ mich herumfahren. Meine Augen weiteten sich, als ich sah wie das Blut zu tropfen begann. Dick, zähflüssig, dunkelrot.
„Was hast du getan?“, flüsterte ich entsetzt.
Er sah mich an. Sein Blick war entschlossen.
„Ich habe dir gesagt, ich will bei dir bleiben.“
Ich starrte auf die Scherben, deren letztes Funkeln verblasste.
„Aber jetzt kannst du nie wieder zurück.“ Meine Stimme brach. Ich brach zusammen. Warum hatte er das getan?
Clee, ich liebe dich. Darum habe ich es getan.“
Merlin nahm meine Hände in seine. Ich spürte sein warmes Blut über meine Finger rinnen.
„Du darfst das nicht tun!“ Ich versuchte den Schnitt in seiner Handfläche zu stoppen, indem ich meinen Ärmel darauf presste.
„Du kannst doch nicht um meinetwillen alles aufgeben! Dein Leben, deine Magie, deine Unsterblichkeit.“ Ich sah alles nur verschwommen, weil ich weinte.
Sogar Merlins blaue Augen, diese wunderschönen, liebevollen Augen verwischten.
Merlin nahm mein Gesicht in seine Hände, wischte mir mit den Daumen über die Wangen und dann küsste er mich.
Ich hatte geglaubt, diese Lippen nie wieder zu fühlen. Diese Wärme und das Gefühl, das sie in mir auslösten.
Jetzt würde ich sie bis an mein Lebensende spüren können. Allein der Gedanke, ließ mich den Kuss abbrechen.
„Oh, Merlin. Du hättest das nicht tun dürfen. Du hättest dein Lebensflakon nicht zerstören dürfen. Du hast immer so vielen Menschen in der Vergangenheit geholfen. Ich fühle mich schuldig, weil du denen in der Zukunft nicht mehr helfen kannst. Was, wenn du um meinetwillen einen weiteren Weltkrieg nicht mehr aufhalten oder beenden kannst? Ich möchte und kann mit dieser Schuld nicht leben.“
Clee, ich bin nicht so mächtig, wie du es glaubst. Ich weiß, was die Zukunft uns bringt und ich möchte sie keinesfalls mehr erleben. Ich möchte hier mit dir alt werden und dann werden wir gemeinsam sterben. Ist das so schwer zu verstehen?“
Ich schluckte. „Ist die Zukunft so schrecklich? War es das, was du in dem Flakon sehen konntest?“
Ich war mir durch meinen Tränenschleier nicht sicher, aber ich glaubte, seinen Blick flackern zu sehen. „Es wird keinen Krieg geben, aber die modernen Techniken und Überwachungen … das ist nichts für mich.“ Er lächelte ein wenig schmerzlich. „Dann ist die Sterblichkeit keine Bürde, sondern eine Erlösung.“
Ich starrte ihn an. Dieses markante Gesicht mit seinen kleinen, feinen Narben, der krummen Nase und dem kleinen tätowierten Stern an seiner Schläfe und mir ging auf, er würde bleiben. Er würde mich nie wieder verlassen.
„Es sei denn natürlich, du findest Prinz Harry nach wie vor attraktiver. Immerhin ist er jünger als ich.“
Ich würde diese wundervollen Lachfältchen um seine Augen nie mehr missen müssen.
„Merlin, sogar der Papst ist jünger als du.“ Ich umarmte ihn und presste mich an ihn.
Er würde bleiben. Für immer.

© Copyright 2013 by Sandra Regnier. Alle Rechte vorbehalten.

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Ich musste meinen Namen einfach hervorheben. Wie oft wird man schon als Protagonistin in einer Geschichte verarbeitet? ;)

Alles Liebe

2016 Clee signatur

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