[Autoreninterview] Fragen an Brigitte Melzer

Ist das nicht unglaublich? Mit 17 Jahren noch saß ich an Ostern bei meiner Oma im Garten und hab in Der Geist, der mich liebte geschmöckert. Nach Beenden des Buches ein paar Stunden später habe ich die Autorin Kate Logan zu meiner neuen Lieblingsschriftstellerin erklärt und bin wie ein hardcore-Trüffelschwein auf die Suche nach einem weiteren Roman aus ihrer Feder gegangen. Das war Im Schatten des Dämons, das nicht unter dem Pseudonym Kate Logan, sondern unter ihrem richtigen Namen Brigitte Melzer erschienen ist. Auch dieses Buch liebte ich abgöttisch und so ging es weiter … Jetzt, fünf Jahre später, durfte ich die werte Dame tatsächlich persönlich sprechen. Wisst ihr, wie surreal das ist? Da betet so ein kleiner Knopf die Werke eines Menschen, der so unerreichbar wie ein Filmstar scheint, und plötzlich darfst du diese Person mit deinen Fragen löchern! *Hände triumphierend in den Himmel werf* Buhja, sag ich da nur! Und jetzt ab geht’s mit unserem Interview!

Zur HP der Autorin gelangt ihr über dieses Bild: Klick!

© Lalo Jodlbauer

Liebe Brigitte, vielen Dank, dass Du dich dazu bereit erklärt hast, Dich von mir mit all den Fragen, die mir schon seit Ewigkeiten unter den Nägeln brennen, zu löchern.

Hat sich Dein Leben gewandelt, seitdem Du Autorin bist und Leute wie ich Dir mit Interviewanfragen zu Leibe rücken? Verändert es einen Schreiberling sehr, den Sprung in die Verlagswelt geschafft zu haben?

Als ich noch in der Bank gearbeitet habe, wollte mich komischerweise nie jemand interviewen, oder etwas über meine Arbeit wissen. :) Anfangs war das Interesse der Leser schon ein wenig ungewohnt. Gleichzeitig ist es aber auch ein schönes Gefühl.

Was die Veränderungen angeht: Mich selbst hat der Sprung in die Verlagswelt nicht verändert. Meinen Arbeitsalltag allerdings schon. Hat man vorher noch gemütlich nur für sich geschrieben und musste sich über nichts anderes als seine Geschichte Gedanken machen, kommen plötzlich noch viele andere Aspekte dazu. Auf einmal kümmert man sich um Verträge und Abrechnungen, diskutiert über Cover, Titel und Klappentexte und hat einiges an kaufmännischen Aufgaben am Hacken, woran man vorher nicht im Traum gedacht hätte.

Was ebenfalls dazugekommen ist: Der Kontakt zu meinen Lesern. Ob bei Lesungen, auf Messen oder im Netz – den möchte ich nicht missen.

 

Was bedeutet das Schreiben für Dich?

Meine Fantasie von der Leine zu lassen und aus meinen Ideen Geschichten zu machen. Ich habe schon immer zu Tagträumen geneigt – gibt es etwas Großartigeres, als daraus einen Beruf zu machen?

 

Wann genau weißt Du, dass es sich lohnt, eine neue Idee weiterzuverfolgen?

Wenn sie mich nicht mehr loslässt, mich auf Schritt und Tritt verfolgt und immer weiter wächst und gedeiht. Wie ein Schneeball, der den Berg runterrollt und dabei immer größer wird. Und wenn ich nur an die Idee denke, ist da dieses Kribbeln … Das sind die Ideen, bei denen es sich lohnt, dranzubleiben.

 

Auf dem Weg zum fertigen Manuskript muss man als Autor sicherlich viele Hürden meistern. Was an Deiner Arbeit bereitet dir die größte Schwierigkeit und wie lernt man dann damit umzugehen?

 

Auf irgendwelche Hürden stößt man immer wieder mal. Größere Probleme, die sich nicht mit ein wenig Grübeln oder einer Mail/einem Anruf hätten lösen lassen, hatte ich zum Glück noch nie. Allerdings gibt es einen gigantischen Nervfaktor: Wenn ich gerade mitten im Schreibfluss stecke, die Kapitel fliegen nur so dahin, es läuft super, und dann andere Termine anstehen, die mich tagelang vom Laptop fernhalten. Ein Autor auf Schreibentzug ist kein Vergnügen für seine Umwelt.
Wie ich damit umgehe? Ich versuche, meine Termine so zu planen, dass das möglichst selten passiert. Das klappt mal besser und mal schlechter.

 

Du schreibst sowohl für Erwachsene, als auch für Jugendliche. Wie sehr unterscheidet sich Deine Herangehensweise an ein Projekt bei anderer Zielgruppe?

Eigentlich gar nicht. Daran, wie ich eine Geschichte entwickle, ändert die Zielgruppe nichts. Klar, dass durch das Alter der Protagonisten gewisse äußere Gegebenheiten anders sind. (Arbeit oder Schule? Eigene Wohnung oder noch ein Zimmer bei den Eltern? Usw.) Der Rest ist einfach eine Geschichte, die so spannend und unterhaltsam wie möglich erzählt werden will – egal, ob nun für Erwachsene oder für Jugendliche.

 

Wie sieht Dein Tagesablauf aus, wenn Du gerade an einem neuen Manuskript sitzt? Wo schreibst Du am liebsten und was ist in dieser Zeit immer in Deiner Nähe zu finden?

Im Idealfall setze ich mich nach dem Frühstück an den Schreibtisch und haue 6-8 Stunden in die Tasten. Nachdem meistens aber noch jede Menge anderer Dinge zu erledigen sind (siehe Frage 1 :)), fängt der Arbeitstag häufig damit an, dass ich wichtige Mails beantworte oder schreibe, Telefonate führe und einiges andere erledige, bevor es ans Schreiben geht.
Immer in meiner Nähe: Tee!!! Mein Lebenselixier.

 

Gibt es eine Textpassage, einen Protagonisten oder eine Idee, auf die Du besonders stolz bist?

Stolz ist vielleicht das falsche Wort. Aber es gibt in jeder Geschichte (Ab)sätze, Dialoge, Wendungen oder Figuren, die ich besonders mag. Häufig sind das Dinge, die mich selbst überrascht haben, weil sie im ursprünglichen Plot gar nicht vorgesehen waren und mir erst während des Schreibens eingefallen sind. Onkel Hugh aus „Dämonenblut“ ist da ein gutes Beispiel. Für den war eigentlich nur ein Kurzauftritt geplant, aber der hat sich so in der Geschichte (und wohl auch in meinem Herzen) eingenistet und auch so gut reingepasst, dass er länger bleiben durfte.

 

Man erhält ja nicht immer nur Lob für seine Werke. Wie gehst Du mit negativer Kritik um?

Mit sachlicher Kritik kann ich ganz gut umgehen (bilde ich mir jedenfalls ein). Natürlich zuckt man erst einmal zusammen, aber letztlich muss man sich bewusst sein, dass ein Roman nicht jedem gefallen kann. Ich mag ja auch nicht jedes Buch, das ich lese.
Manchmal bezieht sich Kritik auf Dinge, die einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks sind. Das ist dann zwar schade, aber leider nicht zu ändern. Manchmal kann ich aber auch für das nächste Buch etwas daraus lernen.

 

Die meisten Deiner Bücher sind im Fantasy-Genre angesiedelt. Warum hat es Dir gerade diese Sparte so sehr angetan?

Fantasy war schon immer der Bereich, der mich am meisten interessiert hat – schon bevor ich überhaupt daran gedacht habe, selbst zu schreiben. Ich mag die Vielfalt und die unendlichen Möglichkeiten, die sich einem da auftun. Realität habe ich im täglichen Leben genug. Warum also nicht zu Abwechslung in eine fremde Welt abtauchen?

 

Unter Deinem Pseudonym Kate Logan ist der Urban Fantasy-Roman Der Geist, der mich liebte erschienen. Glaubst Du, dass auch im echten Leben etwas von Leuten wie Nicholas in der Welt zurückbleibt?

Einerseits ist die Vorstellung durchaus reizvoll (vor allem, wenn sich eine spannende Geschichte daraus machen lässt). Allerdings würde es mir wohl eine Höllenangst einjagen, wenn es tatsächlich Geister oder Ähnliches gäbe. Oder wäre ich enttäuscht, wenn dem nicht so wäre? Vermutlich sind das die Gründe, warum ich mich – abseits von einem Romanthema – noch nie ernsthaft mit der Frage auseinandergesetzt habe, ob da was sein könnte: Egal, wie sie ausfällt – ich hab einfach Schiss vor der Antwort.

 

Wie ergeht es Dir als Autor, wenn du Deine Protagonisten in Situationen höchster Gefahr schicken oder gefühlsmäßig durch die Mangel nehmen musst? Leidet man dabei ebenso sehr wie die Charaktere?

Das kann manchmal ganz schön nervenaufreibend sein. Besonders, wenn man schon weiß, dass nicht jeder unbeschadet davon kommt. Tatsächlich fühle ich mich nach dem Schreiben solcher Szenen manchmal regelrecht körperlich ausgelaugt und durch den Wolf gedreht.

 

Cait aus Im Schatten des Dämons hat ihr Gedächtnis verloren. Beim Lesen des Buches hat sich mir oft die Frage gestellt, ob ein Mensch, der in der Vergangenheit etwas „Böses“ getan hat, sich aber nach dem Erinnerungsverlust als „gut“ herausstellt, für seine damaligen Verbrechen überhaupt zur Rechenschaft gezogen werden kann und sollte. Wie siehst Du das?

Ich finde schon, dass jeder für die Dinge, die er getan hat, auch verantwortlich ist und entsprechend dafür geradestehen muss. Ist das nicht auch ein Teil dessen, was einen „guten“ Menschen ausmacht? Dass er für seine Taten die Verantwortung übernimmt und die Konsequenzen trägt?

 

Ein Leben nach dem Tod, Schuld, …
Verarbeitest du in Deinen Romanen die Themen, die Dich selbst gerade beschäftigen oder kristallisieren sich diese erst beim Schreiben heraus?

Mit meiner eigenen Realität hat das nichts zu tun. Ich setze mich nicht hin und überlege, ob mich ein bestimmtes Thema gerade beschäftigt. Die Themen, die sich in meinen Romanen finden, ergeben sich einfach. Wenn eine Geschichte auf einem bestimmten Thema fußt, war es meistens eine Idee, die mir besonders reizvoll erschien, weil sie viele Möglichkeiten für eine interessante Geschichte bietet. Manchmal kristallisiert sich ein Thema auch erst während des Schreibens heraus und ergibt sich aus der Entwicklung der Figuren oder der Handlung. Es kommt auch vor, dass die Leser Themen entdecken, die mir selbst gar nicht bewusst waren. Ich finde es großartig, wenn Menschen etwas in meinen Geschichten finden, das zu den Fragen passt, mit denen sie sich vielleicht im Moment selbst beschäftigen.

 

Wie viel von Dir selbst steckt in deinen Geschichten, insbesondere in den Charakteren?

Von den Menschen, die mich kennen, höre ich häufiger, dass es mein Humor ist, der sich in meinen Texten wiederfindet. Ob sonst noch etwas von mir drin steckt? Falls ja, dann nicht absichtlich. Dass man unterbewusst vermutlich nicht aus seiner Haut kann und irgendwo doch mal was von einem selbst durchschimmert, kann ich allerdings nicht ausschließen. Geplant ist das dann aber nicht.

 

Gibt es sonst noch etwas, dass der Leser über Dich wissen sollte?

Hab ich schon mal erwähnt, dass ich unterhaltsame und spannende Romane schreibe? :)

Nein, im Ernst: Leser interessieren sich unterschiedlich stark für die Autoren, die „ihre“ Bücher schreiben. Für manche zerstört es den Zauber einer Geschichte, zu viel über die Person zu wissen, die sie geschrieben hat. Andere wollen am liebsten alles wissen. Die harten Fakten über mich sind auf meiner Website http://www.brigitte-melzer.de zu finden. Wer dann noch nicht genug hat und darüber hinaus etwas wissen möchte, der kann seine Fragen über das dortige Kontaktformular loswerden.

 

Brigitte, hab großen Dank für Deine Geduld und die Chance, dieses Interview mit Dir zu führen. Ich wünsche Dir viel Glück für deinen weiteren beruflichen, wie auch privaten Weg und hoffe sehr, dass noch viele weitere Romane aus Deiner Feder erscheinen werden.
Mir hat es Spaß gemacht. Ich danke Dir für die spannenden Fragen. Und natürlich auch für Deine guten Wünsche, die ich gerne so zurückgeben möchte.

4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Liesel
    Jan 07, 2015 @ 11:12:57

    Hallo

    deine Begeisterung merkt man dem Interview deutlich an. Die Fragen zielen teilweise stark von dem ab, was andere sonst fragen – wie das Lieblingstier des Autors, oder so ein Käse. Sher spannend und spaßig zu lesen gewesen, danke! :) Und Der Geist, der … und Im Schatten des Dämons muss ich jetzt unbedingt genauer angucken. Ich hoffe, das gibt es noch zu kaufen?

    VG
    Liesel

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Jan 07, 2015 @ 11:31:32

      Hallo Liesel,
      vielen Dank für das Kompliment!
      Das solltest du unbedingt. Die Bücher sind der Burner. :) Ob es sie noch nie gibt, weiß ich nicht, aber … gebraucht und wie neu bestimmt. Ich drück dir die Daumen für deine Suche!

      Liebe Grüße

      Antworten

  2. Laura
    Jan 07, 2015 @ 22:48:58

    Der Geist ist nicht der einzige, der die liebe liebte. Ich tue es auch, total geiles Buch! Wenn du dann von Im Schatten des Dämons auch so begeistert warst, möchte ich das auch mal probieren.

    Auf alle Fälle, sehr aufgrende Fragen, die du da gestellt hast. Besonders das mit der zweiten Chance und der Frage von Schuld. Ich gebe zu, ich lese Bücher meist ohne mir um sowas Gedanken zu machen. Vielleicht sollte ich das von jetzt an mal ändern.

    Grüßle,
    Laurali

    Antworten

    • cleesbuecherwelt
      Jan 09, 2015 @ 15:41:20

      Hey,

      nicht wahr? Also so ein Geist könnte mich auch heimsuchen kommen … *mit den Augenbrauen wackel*
      Danke! :) Und wieso, jeder liest, wie es ihm Spaß macht. Solche Fragen stelle ich mir auch nicht direkt beim Lesen (da hab ich anderes zu tun, z.B. Schmachten oder die Buchseiten vor Aufregung umklammern, usw. ;D), sondern meistens danach, wenn ich die Geschichte Revue passieren lasse. Es gibt dann einfach Dinge, die mich nicht loslassen und weiterhin beschäftigen – wenn Bücher das schaffen und mich auch nach dem Lesen noch beschäftigen … tja, was will man mehr, oder? :)

      Liebe Grüße!

      Antworten

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