[Rezension] Olga A. Krouk – Ewiglich … Dornröschen? Kiss my ass!

Ewiglich … Dornröschen? Kiss my ass!

von Olga A. Krouk

U-Line Anti-Pop, 2014

Broschiert, 176 Seiten

Deutsche Originalausgabe

ISBN: 3944154304

9,95 €

Leseprobe

Wann hat dieser bescheuerte Prinz es nur geschafft, aus Was für ein aufgeblasener Vollidiot ein Der hat was … zu machen? Möge der Kelch an mir vorübergehen. Ich bin doch überhaupt kein Typ für diesen Der hat was … -Unsinn! Ly chaotisch, fast 16 und ungeküsst ist stolze Gründerin einer Heavy-Metal-Band und so ganz und gar nicht zur Prinzessin geeignet. Bis sie sich im Körper einer Königstochter wiederfindet. Mit den schönsten Mädchen der Märchenwelt soll sie nun um das Herz des hiesigen Prinzen kämpfen. Damit hat Ly allerdings wenig am Hut. Von ihrer rockigen und rosarot-untauglichen Art bekommt nicht nur der Zeremonienmeister einen Blutsturz, damit haut sie auch den glorreichen Prinzen glatt von seinem edlen Gaul weg. Intrigen, Flüche (uralte und What the f*** ) sowie zerronnene Wimperntusche stehen prompt an der Tagesordnung. Wird Ly den Weg zurück in ihren Körper finden, der allem Anschein nach in einen hundertjährigen Schlaf gefallen ist?

~*~

Da ich Märchen und ihre Neuerzählungen absolut liebe, war ich umso begeisterter darüber, endlich Olga A. Krouks Version von Dornröschen in die Finger zu bekommen. Doch leider muss ich gestehen, dass sich der Zauber der Erwartung und Vorfreude während des Lesens etwas verflüchtigt hat.
Dank dem Zusatz im Titel Kiss my ass! habe ich nicht wirklich etwas Märchenhaftes erwartet, sondern durchaus die flotte, spritzige und moderne Abwandlung, die ich in Ewiglich … Dornröschen? erhalten habe. Leider war das Buch jedoch so flott, dass es über viele Löcher, die den Charakteren und der Welt Tiefe verliehen hätten, glatt hinweggeeilt ist.

Die ganze Geschichte, wie Ly plötzlich im Körper einer Prinzessin landen konnte, wurde zwar erklärt, aber was das überhaupt für eine Märchenparallelwelt ist, wie diese in Verbindung zu unserer steht, und wie es sein kann, dass man da einfach mal so switched … das hat mir alles gefehlt.
Dann lässt „die arme Sau“ (S. 26) aka unser smarter Märchenprinz die Bombe platzen, dass kaum einer der männlichen Nachkommen seinen einundzwanzigsten Geburtstag überlebt, aber warum das so ist …? Tja, denk dir was aus, lieber Leser.
Oder wie es sein kann, dass Ly die Sprache des Landes spricht? Oder dass der Prinz englische Ausdrücke versteht? Versteht mich nicht falsch, ich hab mir den Allerwertesten abgelacht, als sich Ly mit einem „Bis danni, mein bunny!“ (S. 28) vom Prinzen verabschiedet hat, jedoch täuscht das nicht über einige Ungereimtheiten hinweg.
Auch erschien mir die ganze Hofgeschichte ein wenig naiv – ein kleines Rockerprinzesschen kann einfach so in die Privatgemächer des Prinzen gelangen? Aber sicher, ist ja nicht so, als wären „zeugungsfähige“ Nachfolger irgendwie besonders wichtig für die Königsfamilie und müssten deshalb auch nicht besonders bewacht werden. Vielleicht muss man davon ausgehen, dass die natürlichen Kronjuwelen der Familie einfach so wichtig für alle Menschen in dieser Welt sind, dass niemand diese ernstlich gefährden wollen würde.

Darüber hinaus erfährt man, außer über Ly, nicht viel über die Charaktere in diesem Buch, weder über deren Vergangenheit, noch über deren Innenleben. Die meisten scheinen Mittel zum Zweck – Ly braucht eine Freundin, die sie unterstützt? Nehmen wir die Magd. Sie bekommt sogar einen Namen.
Wir brauchen einen potenziellen Knutschpartner? Nehmen wir den ehrlichen, süßen Prinzen, der im Gegensatz zu allen anderen am Hof kein Snob ist und sich unsterblich in ihren frechen Mund gepaart mit der nasenbrecherischen Tollpatschigkeit verliebt und am Ende alles für sie opfern würde.
Der böse Endgegner hatte zumindest mehr Motive zu bieten als bloß die Machtübernahme des Landes, jedoch passt sich dieser trotzdem in das Schwarz-Weiß-Muster der Charakterportraits ein.

Versteht mich nicht falsch, dieses Buch ist absolut witzig und bringt einen oft zum Lachen. Auch die Passagen zwischen Ly und ihrem „richtigen“ Dad waren berührend. Doch das ändert nichts daran, dass Ewiglich …. Dornröschen? ein eher oberflächliches Lesevergnügen bleibt. Als Lachtherapie jederzeit zu empfehlen! Ebenso für Leute, die was Kackiges für Zwischendurch suchen. Wer sich jedoch auf eine Märchenadaption mit einer ausgeklügelten Welt und tiefgründigen Charakteren freut, könnte hiermit ein wenig enttäuscht werden.

~*~

© Henriette Mielke

Olga A. Krouk wurde 1981 in Moskau geboren, bezeichnet aber Sankt-Petersburg als ihre Heimatstadt. In der Schule und später auf dem College hat sie die deutsche Sprache gelernt.
2001 zog sie nach Deutschland, wo sie zur Zeit mit ihrem Mann in Schleswig-Holstein lebt.

Hier geht es zur Homepage der Autorin: KLICK!

~*~

Toller Zusatz zum Buch: das Cover gibt es in zwei verschiedenen Farben

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Kastanies-Leseecke
    Feb 14, 2015 @ 09:17:16

    Ich lese das Buch gerade un bin heute auf Seite 70 angelangt. Bisher finde ich das Buch super witzig und ich hoffe, daß das auch bis zum Ende anhält!

    Antworten

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