[eigene Bücher] Leseprobe zu Silbernächte

Es ist soweit!

Wie ich bereits vor kurzem angekündigt habe, erscheint mein Debüt Silbernächte am 20. Oktober 2016 unter der Fahne des Drachenmond Verlages und zwar als Kurzgeschichten-Beitrag für die internationale Märchen-Fantasy-Anthologie Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln. Wer noch einmal nachlesen möchte, um was es dabei geht, kann das hier tun. Ich habe  außerdem versprochen, auf Clees Bücherwelt eine Leseprobe online zu stellen und das möchte ich heute tun.Um nochmal kurz zusammenzufassen:

Silbernächte ist an das Märchen Rotkäppchen und der Wolf angelehnt.
Darin findet sich ein verwunschener Wald, in dem die Gefahren hinter jedem Strauch lauern. Ein nicht ganz so zahmes Rotkäppchen folgt dem Ruf der Schatten und ein Jägersmann, der nichts mehr zu verlieren hat, macht sich auf die Suche nach dem Geschöpf aus einer Legende.

Seid ihr bereit? Dann folgt mir in ein Land, in dem die Bäume euren Träumen lauschen und Geister bei Vollmond an eure Türen klopfen …

 

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buchstabe-silbernachtes heißt, wenn des Nachts im Dorf das letzte Licht erlischt, erhebt sich der Herr des Waldes und entzündet ein Feuer in den Herzen der Menschen. Es weist ihnen den Weg in ein Reich, in dem Sehnsüchte in Knospen an den Ästen wachsen und Träume wie Pilze aus dem Boden sprießen. Wo Wünsche als überreife Früchte von den Bäumen fallen und der Wind von Hoffnung und Verheißung wispert.
   Doch der friedliche Schein trügt, denn es ist das Reich der Geister und nicht geschaffen für die Sterblichen. Jene, die sich auf seine Pfade begeben, verschwinden und kehren nie wieder. Nur eine Handvoll findet ihren Weg zurück.
   Ihr Schicksal ist das grausamste von allen.
   Die Geister mögen ihre Körper freigeben, ihre Seelen aber verdammen sie dazu, auf ewig durch die Anderswelt zu irren.
   Jeden Vollmond, wenn der Schleier zwischen den Welten am dünnsten ist und die Nachtwölfe ihr Lied anstimmen, hörst du die Schreie der Verlorenen aus den Wäldern dringen. In diesen Stunden flackert die Magie des anderen Reiches in den Augen der Zurückgekehrten und ihre Mitmenschen bemitleiden und fürchten sie zugleich für den Beweis ihrer Veränderung. Überall in den Dörfern machen sich die Bewohner dann auf und behängen ihre Häuser mit Amuletten aus Eisen und die Viehställe mit Bündeln aus Schafgarbe, um die Geister fernzuhalten. Keiner traut sich in dieser hellsten aller Nächte vor die Tür.
   Keiner, bis auf eine junge Frau aus einer der westlichen Siedlungen, die in diesem Moment am Rande eines Waldstückes kniet. Ihr Gesicht ist so bleich wie das der Nebelfrauen, die seit Beginn des Herbstes das Land mit Dunstschleiern überziehen. Tränen strömen ihre Wangen hinab, während sie dem Neugeborenen in ihrem Arm ein rotes Käppchen zum Schutz gegen böse Mächte aufzieht.
    „Vergib mir“, flüstert sie und legt das Kind in einen Korb aus Wurzeln und Farne. Seine Lider sind geschlossen, die Lippen blau vor Kälte.
   Windfinger tasten unter ihren Mantel und entblößen ein blutbesudeltes Kleid. Durch die Reihen der Bäume vor ihr geht ein Stöhnen. Sie wiegen sich zur Seite, als wollen sie dem Anblick entgehen.
   Erschrocken sieht die junge Frau auf. Sie greift zu der Eisenschere in ihrer Tasche und weicht zurück. „Ich weiß, dass Gutes in den Geistern dieses Tannichts existiert. Ich bitte euch, beschützt meine Tochter“, sagt sie. Und mit einem letzten Blick auf ihr Kind rafft sie ihr Kleid und eilt über die Wiese zurück zum Dorf.
   Sie sieht weder die Augen, die aus allen Winkeln des Waldes aufblitzen und ihre Flucht verfolgen, noch die fahlen Hände, die dem Neugeborenen die Mütze vom Kopf ziehen. Ein Zischen wie beim Erlöschen einer Flamme ertönt, dicht gefolgt von einem Knurren. Blätter rascheln unter unzähligen Füßen. Kurz darauf ist es wieder still und mit dem nächsten Atemhauch des Windes, der das Laub von den Bäumen fegt, ist das Kind verschwunden, als hätte es dieses nie gegeben.

Copyright © 2016 by Anna Milo. Alle Rechte vorbehalten.

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Copyright 2016 by Anna Milo

 

 

4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Reni
    Okt 03, 2016 @ 17:28:56

    Liest sich schon mal sehr gut. Ich freue mich auf mehr von dieser magisch-düsteren Atmosphäre… dann Ende Oktober. :-)

    Antworten

  2. Darkstar
    Okt 03, 2016 @ 20:12:37

    Ah, einfach wunderbar poetisch – aber das hab ich dir ja schon gesagt ,-))

    Antworten

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