[Blogtour] Letzte Chance

~*~

Wie oft ich schon versucht hatte, aus dem Käfig auszubrechen, wusste ich nicht. Zeit hatte für mich keine Bedeutung mehr, auch wenn ich sie auf meinem Smartphone abrufen konnte. Ich wollte nicht mit ansehen, wie wertvolle Stunden meines Lebens verstrichen, während ich wie ein Tier in diesem goldenen Gefängnis gehalten wurde und sie nicht nutzen konnte.

Meine Schulter schmerzte und war bestimmt geprellt von all den Malen, in denen ich mich mit ihr gegen die Stäbe geworfen hatte. Obwohl der Geheime immer wieder zu mir kam und mich mit Nahrung und Wasser versorgte, litt ich an Hunger und Durst. Ich brachte es einfach nicht über mich, etwas von dem anzurühren, was dieses Monster mir anbot. Ich wusste jedoch, dass ich so nicht mehr lange weitermachen konnte. Die Magenkrämpfe und Schwindelanfälle kamen nun immer häufiger und gewannen an Intensität. Immer öfter verlor ich das Bewusstsein, nur um beim Aufwachen festzustellen, dass der Wicht wieder vor dem Käfig lauerte und mich mit diesen gierigen Augen anstarrte.

Ich war nie gläubig gewesen, aber dieser Anblick hatte mich davon überzeugt, dass es einen Teufel gab, und er hatte rote Haare und wässrig graue Augen.

Zu schwach, um mich aufzusetzen, lag ich zusammengerollt in der Mitte des Käfigs und tippte in mein Smartphone. Meine Lider waren so schwer, dass ich sie kaum noch offen halten konnte.

Ich war zu einem Abenteuer aufgebrochen, von dem ich nicht einmal annähernd wusste, wie ich es bestehen sollte.

Ich schrieb meine eigene Geschichte: von dem Moment, in dem ich vor Finas Mühle gestanden hatte, bis jetzt, da ich in der Schatzkammer des Geheimen vor mich hinvegetierte. Das Schreiben war das einzige, was mich davon abhielt, verrückt zu werden. Aber ein Blick auf meinen Akku verriet mir, dass ich nicht einmal das noch lange tun konnte.

Resignierend schloss ich die Augen. Bis jetzt hatte ich auf meine Hilfebotschaft noch keine Antwort erhalten. Vermutlich würde ich das auch nicht, denn wer sollte mir diese Geschichte schon glauben? Ich war verloren. Der Gedanke, dass ich nicht ewig ohne Trinken und Essen auskam, war beinahe schon tröstlich. Aus der Hölle gab es einen Ausweg und was auch immer mich danach erwarten würde, es konnte nur besser sein als das hier.

Das Summen meines Handys riss mich aus meiner Lethargie. Erstaunt sah ich auf das kleine Symbol am Rand meiner Menüleiste, die einen eingetroffenen Briefumschlag anzeigte. Jemand hatte mir eine SMS geschickt.

Was auch immer ich gerade noch über den Tod als glücklichen Ausweg aus meiner Lage gedacht hatte – neue Hoffnung durchströmte mich wie eine Flut heißen Wassers. Mit zittrigen Fingern kämmte ich mir das strohig zerzauste Haar aus dem Gesicht und kämpfte mich mit aller verbliebenen Kraft in eine sitzende Position. Mein Atem rasselte. Ich leckte mir über die aufgeplatzten Lippen und schmeckte Blut. Nur wenige Zentimeter über der SMS-Annahmetaste schwebte mein Daumen in der Luft. Die Erwartung schnürte mir beinahe die Kehle zu.

„Was hat sie denn da?“, erklang die Stimme des Geheimen.

Schwerfällig hob ich den Kopf und sah ihn an. Sein unbemerktes Auftauchen überraschte mich nicht, daran war ich gewöhnt. Doch das er ausgerechnet in diesem Augenblick zurückgekehrt war, erschien mir wie eine Offenbarung. Das hier war es also, das Ende. Ich spürte es mit jeder Faser meines Körpers und las es in den Augen des Wichts. Jetzt würde sich entscheiden, ob ich leben oder sterben würde.

Mein Mund verzog sich zu einem erschöpften Lächeln. „Vielleicht den Schlüssel zu meiner Freiheit.“

Ich drückte den Knopf und das Nachrichtenfenster sprang auf. Mein Blick fiel auf die schwarzen Buchstaben, die sich über den weißen Hintergrund zogen. Sie verbanden sich zu einem einzigen Wort.

Seinem Namen.

Ich schloss die Augen. Gerettet.

Das Wort hallte wieder und wieder durch meinen Kopf. Die Gefühle, die mich dabei überkamen, waren so stark, als erlebte ich sie zum ersten Mal: Erleichterung, Zuversicht, Dankbarkeit …

Noch nie in meinem Leben war ich so dankbar gewesen wie in diesem Moment, und würde es wohl auch nie wieder sein. Das zu wissen, erfüllte mich mit Ehrfurcht. Wie wenig du das Leben zuvor geschätzt hast, wird dir erst bewusst, wenn es dir beinahe genommen wird.

Meine Lider hoben sich und ich sah dem Geheimen mit festem Blick entgegen. „Du willst wissen, was sie hier hat?“

Triumph ließ mich jeden Schmerz vergessen. Ich stand auf und trat vor ihn. Gemächlich hob ich die Hand mit dem Handy und hielt ihm den Bildschirm vors Gesicht. Er schien Schwierigkeiten zu haben, die Buchstaben zu entziffern, doch schließlich machte sich Begreifen in seiner Miene breit.

„Ganz recht“, sagte ich. „Sie hat deinen Namen herausgefunden.“

Der Geheime schrie. Er kniff die Augen zusammen und sein Gesicht verzog sich zu einer schmerzerfüllten Fratze.

Ich rückte noch ein wenig näher an das Gitter. „Sie schwört, wenn er nicht sofort diese Tür öffnet, wird sie ihn aussprechen. Sie wird seinen Namen laut sagen und er wird zu Staub zerfallen.“

Seine Lider öffneten sich. Abgrundtiefer Hass loderte in seinem Blick.

„Mach die Tür auf. Sofort!“

Schweißtropfen perlten an seiner Schläfe hinab. Hastig griff er nach dem Schlüssel an seinem Gürtel und schob ihn ins Schloss. Der Weg in die Freiheit tat sich quietschend vor mir auf.

Ich holte tief Luft und setzte den ersten Fuß nach draußen. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie der Geheime jede meiner Bewegungen haargenau beobachtete. Wenn Menschen Gefühle riechen könnten, würde der Gestank seiner Angst mir jetzt den Atem rauben.

Ich streckte die Hand aus. „Und jetzt das Salz. Auf der Stelle!“

~*~

Als ich die Höhle des Geheimen verließ und Sonnenlicht auf mein Gesicht fiel, jauchzte ich auf. Das Säckchen mit dem Salz, das mir der Wicht in die Hand gedrückt hatte, wog schwer in meiner Hand.

Ein Lachen stieg in meiner Kehle auf und hallte durch die nebelverhüllten Weiten des Moores.

Ich war frei!

~~~***~~~

SMS-Nachricht an alle Bloglesetourteilnehmer:

Ich kann euch gar nicht sagen, wie dankbar ich euch für eure Hilfe bin! Besonders dir, Alissa, bin ich mehr als dankbar. Mit deinem Einsatz hast du mir das Leben gerettet, das werde ich dir nie vergessen!

So, und jetzt muss ich erst einmal duschen, essen und dann schlafen gehen. Vielleicht fühle ich mich danach wieder ein wenig menschlicher und weniger wie eine potenzielle Moorleiche.

Noch einmal tausen Dank!

Erschöpft erleichterte Grüße

2016 Clee signatur

~~~***~~~

>>Hier berichtet der Geheime aus seiner Perspektive von den Ereignissen der letzten Woche!<<

[Blogtour] Bitte, helft mir!

SMS-Nachricht an alle Blogleser:

Bitte, ihr müsst mir helfen! Ich bin da in eine Sache hineingeraten, aus der ich nicht mehr alleine herauskomme. Ich hab nicht viel Zeit, bevor -… oh Nein! Ich glaub, er kommt wieder! Ich muss gleich Schluss machen. Bitte, bleibt dran! Meine Geschichte wird euch alles erklären!

~*~

Wie oft ich schon versucht hatte, aus dem Käfig auszubrechen, wusste ich nicht. Zeit hatte für mich keine Bedeutung mehr, auch wenn ich sie auf meinem Smartphone abrufen konnte. Ich wollte nicht mit ansehen, wie wertvolle Stunden meines Lebens verstrichen, während ich wie ein Tier in diesem goldenen Gefängnis gehalten wurde und sie nicht nutzen konnte.

Meine Schulter schmerzte und war bestimmt geprellt von all den Malen, in denen ich mich mit ihr gegen die Stäbe geworfen hatte. Obwohl der Geheime immer wieder zu mir kam und mich mit Nahrung und Wasser versorgte, litt ich an Hunger und Durst. Ich brachte es einfach nicht über mich, etwas von dem anzurühren, was dieses Monster mir anbot. Ich wusste jedoch, dass ich so nicht mehr lange weitermachen konnte. Die Magenkrämpfe und Schwindelanfälle kamen nun immer häufiger und gewannen an Intensität. Immer öfter verlor ich das Bewusstsein, nur um beim Aufwachen festzustellen, dass der Wicht wieder vor dem Käfig lauerte und mich mit diesen gierigen Augen anstarrte.

Ich war nie gläubig gewesen, aber dieser Anblick hatte mich davon überzeugt, dass es einen Teufel gab, und er hatte rote Haare und wässrig graue Augen.

Zu schwach, um mich aufzusetzen, lag ich zusammengerollt in der Mitte des Käfigs und tippte in mein Smartphone. Meine Lider waren so schwer, dass ich sie kaum noch offen halten konnte.

„Ich war zu einem Abenteuer aufgebrochen, von dem ich nicht einmal annähernd wusste, wie ich es bestehen sollte.“

Ich schrieb meine eigene Geschichte: von dem Moment, in dem ich vor Finas Mühle gestanden hatte, bis jetzt, da ich in der Schatzkammer des Geheimen vor mich hinvegetierte. Das Schreiben war das einzige, was mich davon abhielt, verrückt zu werden. Aber ein Blick auf meinen Akku verriet mir, dass ich nicht einmal das noch lange tun konnte.

 

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Das Rauschen herabstürzender Wassermassen verstopfte mir die Ohren. Mit in den Taschen vergrabenen Händen stand ich vor der Mühle und ließ den Blick von dem kaputten Mühlrad weiter an der roten Ziegelfassade des Fachwerkhauses hinaufwandern. Knorrige Äste griffen über das Dach hinweg, wurden mit jedem Windstoß tiefer gedrückt und kratzen über die Ziegel. Schnee rieselte von der Giebelspitze und gab die dichten Moospelze frei, die sich über den Schieferplatten ausgebreitet hatten.

Zitternd holte ich Luft. Weiße Atemwolken lösten sich von meinen Lippen und stiegen in den grauen Winterhimmel auf.

Das war es also, das Zuhause von Finas Großmutter.

Meine Finger krallten sich fester in das Innenfutter meiner Jacke. Was dachte ich denn da? Das war irgendein Haus, aber bestimmt nicht das Heim einer fiktiven Person, die nur in einem Buch existierte.

Das Buch.

Ich warf einen Blick über die Schulter zu meinem Auto zurück. Durch die beschlagene Fensterscheibe sah ich das verräterische Schwarz mit den grüngelblichen Tupfen in Form zweier Blätter blitzen. Auf dem Beifahrersitz lag Daniela Winterfelds neuster Roman: „Der geheime Name“. Wegen ihm war ich hier, in der Lüneburger Heide, am ersten Weihnachtsfeiertag. Weil ich beim Lesen plötzlich zu der Überzeugung gelangt war, dass alles, was in dem Buch geschah, in naher Zukunft wirklich so passieren würde.

Ich musste total den Verstand verloren haben.

Eine Schneeböe trieb mir eiskalte Flocken ins Gesicht und jagte eine Gänsehaut meinen Rücken hinunter. Ich unterdrückte einen Fluch und zog mir meinen Schal bis über die Nasespitze hoch. Das hatte ich nun davon, dass ich mit meinen Gedanken zumeist in den Wolken steckte und überall fantastische Abenteuer vermutete. Wahrscheinlich würde ich morgen früh mit verschnupfter Nase und einer Blasenentzündung aufwachen. Vorausgesetzt, ich fand überhaupt einen Platz zum Schlafen. Das Dorf Ebbingen war nichts weiter als eine Ansammlung verstreuter Bauernhöfe und weniger Häuser. Wenn es eines hier mit Sicherheit nicht gab, dann war das eine Jugendherberge, in der ich unterkommen konnte. Ich hatte also entweder die Wahl, die Nacht in meinem Auto zu verbringen, wenn ich nicht in der Dunkelheit heimfahren wollte, oder …

Meine Augen hefteten sich auf die Tür, die keine zwei Meter vor mir in der Wand prangte.

Oder ich machte mich zum kompletten Idioten, klopfte bei wildfremden Leuten an und erkundigte mich, ob diese zufällig ein Mädchen vermissten, das es nicht gab. Und wenn das nicht der Fall war, ob ich mich für wenige Stunden bei ihnen einquartieren konnte.

Großartig. Als ich meine Mutter einmal gefragt hatte, welche Erbkrankheiten wir in unserer Familie hatten, hätte ich besser nochmal nachhaken sollen, ob Geistesgestörtheit auch wirklich nicht dazu zählte. Doch lieber war ich verrückt als erfroren.

Ich gab mir einen Ruck und überwand die letzten beiden Meter bis zum Haus. Raureif zog sich über die Glasscheibe in der Mitte des Türblatts, weshalb ich beim Hindurchspähen nicht mehr als die Umrisse einer Garderobe ausmachen konnte. Ein letztes Mal zögerte ich, dann hämmerte ich mit der Faust gegen das Holz. Die Wucht meiner Schläge brachte die Tür zum Erzittern.

Unter angehaltenem Atem horchte ich in die Stille, die aus den Räumen dahinter antwortete. Mehrere Sekunden lang befürchtete ich, dass die Mühle so verlassen sein könnte, wie sie von außen wirkte. Da vernahm ich das kaum hörbare Schlurfen von Schritten, die sich auf der anderen Seite der Tür näherten. Eine Stimme rief: „Fina, bist du das?“

Mein Herz tat einen Sprung. Fina. Die Stimme hatte nach einer Fina gefragt!

Vor mir öffnete sich die Tür und eine alte Frau erschien auf der Schwelle. Ich zog mir den Schal vom Gesicht. Bei meinem Anblick setzte mein Gegenüber eine ebenso verdutzte Miene auf, wie ich sie tragen musste.

„Wo … wo ist Rübezahl? Ich habe ihn nicht bellen gehört“, war das erste, das mir über die Lippen kam. Beinahe hätte ich aufgestöhnt und konnte es gerade noch verhindern, indem ich mir auf die Zunge biss. Ich dummes Huhn, was redete ich denn da?

„Er ist draußen, aber … Entschuldigung, kennen wir uns? Woher wissen Sie, wie mein Hund heißt?“

In Ordnung, Clee, ganz ruhig. Schön weiteratmen. Hier wohnte also eine Frau, die perfekt auf die Beschreibung der Großmutter im Buch passte, offenbar eine gewisse Fina erwartete und einen Hund besaß, der wie der Wildfang im Roman Rübezahl hieß. Kein Grund zur Panik, das traf mit Sicherheit auf viele Familien dieses Landes zu.

Ich unterdrückte das hysterische Gelächter, das in mir aufzusteigen drohte, und versuchte mich daran zu erinnern, was die Frau mich gefragt hatte. „Nein, tut mir leid, wir kennen uns nicht, aber … Ihre Enkelin, Fina, ich bin eine Freundin von ihr. Sie hat mir von Ihnen und der Mühle erzählt. Ich bin gekommen, um sie zu besuchen.“ Ich räusperte mich. „Ähm … ist sie zufällig zu sprechen?“

Verwirrung breitete sich auf dem Gesicht der Frau aus. Natürlich, nach allem, was ich über Fina gelesen hatte, war es höchst unwahrscheinlich, dass sie jemandem über sich erzählt haben sollte. Kein Mensch auf der Flucht würde das wagen. Aber was sollte ich ihr sonst sagen? Guten Tag, ich bin Bloggerin und habe zufällig in einem Buch über Sie gelesen. Deswegen weiß ich, dass Ihre Enkelin in Lebensgefahr schwebt und würde ihr gerne helfen?

Unwahrscheinlich.

Meine Stirn zog sich in Falten. Wenn ich mir so zuhörte, könnte ich fast meinen, dass ich an diesen ganzen Quatsch glaubte. Tat ich aber nicht. Oder? Mir schwirrte der Kopf.

Vor mir legte die Frau ihre behandschuhten Hände auf ihrem Bauch übereinander. „Ich wusste nicht, dass Fina eine Freundin hat.“ Sie stockte. Vermutlich war ihr gerade in den Sinn gekommen, wie seltsam das klang. Oder dass sie ihre Enkelin damit verraten hatte. Nach der Panik in ihrem Blick zu urteilen traf letzteres zu.

Beruhigend hob ich die Hände. „Machen Sie sich keine Sorgen, ich weiß, dass Fina auf der Flucht ist. Ich würde sie nie verraten.“

Finas Großmutter schien sich ein wenig zu entspannen, wenn sie auch immer noch wachsam wirkte. „Ich bin froh, dass Fina eine Freundin gefunden hat. Obwohl ich es bedauere, dass sie mir nichts von Ihnen erzählt hat.“

Ich lächelte matt. Wer weiß, wenn wir uns kennen würden, hätte sie das vielleicht getan.

Ein befremdlicher Einfall schlich sich in meine Gedanken. Wenn Fina und ich befreundet wären, würde mein Name dann ebenfalls in Winterfelds Buch stehen? Ich schüttelte den Kopf. Über so etwas nachzudenken, brachte mich jetzt auch nicht weiter.

„Verzeihung, aber es ist wirklich wichtig. Können Sie mir sagen, wo ich Ihre Enkelin finde?“

Ein entschuldigender Ausdruck trat in die Augen der Frau. „Leider muss ich Sie da enttäuschen. Ich kann Ihnen nicht sagen, wo sie sich aufhält. In letzter Zeit ist sie oft außer Haus.“ Die Andeutung eines Lächelns stahl sich auf ihren Mund. „Es hängt mit einem Jungen zusammen.“

Mein Herzschlag beschleunigte sich. Angenommen, das hier war tatsächlich alles real, dann steckte Fina gerade in ernsthaften Schwierigkeiten. Und ich war der einzige Mensch, der davon wusste. Oder genauer gesagt: der davon wusste und es für wahr hielt.

Ich zwang meine Lippen dazu, ihr Lächeln zu erwidern und trat gleichzeitig einen Schritt rückwärts. „Ich verstehe, da möchte ich natürlich nicht stören. Ich werde einfach … ein anderes Mal wiederkommen.“ Während wir hier redeten, saß Fina längst mit Mora in der Falle. Ich musste mich beeilen und den beiden helfen!

„So warten Sie doch! Was halten Sie davon, wenn Sie sich kurz aufwärmen, bevor Sie wieder fahren? Kind, Sie zittern ja am ganzen Leib!“

Das tat ich wirklich, wie mir auffiel. Doch ausnahmsweise hatte das nichts mit der Kälte zu tun. „Vielen Dank, aber das ist wirklich nicht nötig. Allerdings … wenn Sie vielleicht etwas Salz für mich hätten?“

„Salz?“, fragte die Frau verwirrt.

„Ja, bitte. Ich bräuchte dringend etwas Salz, doch die Geschäfte haben an Weihnachten alle geschlossen.“

„Ich … einen Moment bitte, ich sehe mal nach.“ Sie kratzte sich am Kinn. „In letzter Zeit scheinen die Packungen ständig aus dem Schrank zu verschwinden, obwohl ich mir sicher bin, immer welche gekauft zu haben. Nun ja, ich werde wohl langsam vergesslich.“

Oder eine gewisse Enkelin stibitze es immer, um damit in die Welt des Unsichtbaren zu gelangen.

Ich nickte und versuchte mir meine Unruhe nicht anmerken zu lassen. „Das wäre sehr freundlich. Ich werde dann kurz hier warten.“

Finas Großmutter verschwand im Haus und ich rieb mir die fröstelnden Arme. Den Kopf in den Nacken gelegt, sah ich zu dem immer dunkler werdenden Himmel auf. Wolken zogen sich zu einer dichten Decke zusammen und verschluckten das Licht der Sonne. Die Zeit wurde knapp.

Das Bellen eines Hundes ließ mich jäh zur Seite blicken. Ein schwarzweißer Schatten kam um die rechte Hausecke geflitzt und blieb mit wedelndem Schwanz vor mir stehen.

„Ja hallo, Rübezahl.“ Als ich mich mit ausgestreckter Hand zu ihm hinabbeugte, stieß der Hund ein Knurren aus. Ich wich zurück.

„Aus, Rübezahl!“, erklang die Stimme von Finas Großmutter. Sie schob den Hund beiseite und kam mit einem weißen Päckchen in der Hand auf mich zu. „Sie haben Glück, es war noch eines da.“

Erleichterung durchflutete mich. Dankbar nahm ich das Päckchen entgegen, zog meinen Reißverschluss auf und tastete nach meinem Geldbeutel. „Ich danke Ihnen. Sagen Sie mir, was Sie dafür bekommen.“

„Aber nicht doch, Kindchen. Lassen Sie’s gut sein. Na los, gehen Sie, bevor es zu dunkel zum Fahren wird.“

War es nicht erstaunlich, zu wie viel mehr Güte ein armer Mensch im Vergleich zu so manchem reichen fähig war? „Haben Sie tausend Dank.“

Die Frau nickte nur. „Ich werde Fina liebe Grüße bestellen.“

„Ja … ja, tun Sie das. Einen schönen Abend noch.“

Sie winkte, bevor sie ihren Hund ins Haus befahl und die Tür hinter sich schloss.

Mein Blick richtete sich auf das Salzpäckchen in meiner Hand. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Ich machte meine Jacke wieder zu, schlug den Kragen hoch und wandte mich in Richtung Wald, dessen Saum entlang dem Feldweg verlief, über den ich hergekommen war.

„Auf geht’s, Clee, sei kein Hasenfuß. Zwei Leben stehen auf dem Spiel“, versuchte ich mir Mut zu machen. Seufzend schüttelte ich den Kopf. Mit sich selbst zu reden war dann wohl ein weiterer Beweis dafür, dass ich endgültig verrückt geworden war.

Der Schnee knirschte unter meinen Sohlen, als ich mich auf den Weg in das Dickicht aus Tannen und Kiefern machte. Dank Winterfelds Wegbeschreibungen wusste ich, wohin ich zu gehen hatte. Zumindest theoretisch, aber wie schwer konnte es schon sein, einem Wanderweg zu folgen?

Je weiter ich voranschritt, desto düsterer schien die Welt um mich herum zu werden. Die Bäume rückten näher zusammen und drängten den Weg dazu, sich immer weiter zu verschmälern. Schatten füllten die Lücken zwischen den Stämmen. Wegen dem dichten Blätterdach fand sich bald schon kein Schnee mehr auf dem nadelübersäten Erdboden, doch die Kälte, die von ihm ausging, sickerte unaufhaltsam durch meine Stiefel. Langsam aber sicher schienen sich meine Füße in zwei riesige Eisklumpen zu verwandeln.

Gras raschelte, als ich ein Stück zu weit nach rechts lief und die verwelkten Halme am Wegesrand streifte. Schleunigst zog ich die Taschenlampe aus meiner hinteren Hosentasche, an die ich vor meinem überstürzten Aufbruch in die Lüneburger Heide zum Glück noch gedacht hatte. Das Licht war zu schwach, um mehr als einen Meter weit zu strahlen, doch immerhin sah ich dank ihr überhaupt etwas.

Ich stutzte. War dieser Pfad wirklich noch der Wanderweg, auf dem ich in den Wald marschiert war? Ein ungutes Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit, doch ich ignorierte es. Jetzt war ich schon so weit gekommen, dass ich unmöglich aufgeben konnte.

Ich straffte die Schultern und stiefelte weiter. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, während ich dem Weg weiterfolgte, das Salzpäckchen fest an meine Brust gedrückt. Die Geräusche um mich herum beschränkten sich auf das gelegentliche Rascheln von Blättern und meinen eigenen Atem.

Obwohl ich die ganze Zeit gewusst hatte, was mich erwarten würde, blieb ich wie angewurzelt stehen, als die Nebel schließlich kamen. Wie weiße Schlangen krochen die Schleier zwischen den Baumstämmen hindurch auf mich zu und streckten ihre bleiche Finger nach mir aus. Aus der Ferne erklang ein schmatzendes Geräusch und eine sanfte Brise brachte den Geruch von Salz und Meer mit sich.

Meine Finger krallten sich so fest in die Salztüte, dass sie beinahe das Papier zerrissen. Ich hatte das Moor erreicht.

Das Blut begann in meinen Ohren zu rauschen. Ganz langsam setzte ich mich wieder in Bewegung und ging weiter, folgte dem salzigen Geruch, vom dem auch Fina angelockt worden war. Das Licht meiner Taschenlampe flackerte. Ich kniff die Augen zusammen und starrte angestrengt zu Boden, um ja nicht die Grenze zu überschreiten, nach welcher der feste Waldboden in das schlickartige Gewässer übergehen würde.

Als ich keinen Herzschlag später jedoch etwas an meiner linken Schuhsohle saugen spürte und ein wenig tiefer sank, wusste ich, dass ich längst im Moor stand. Erschrocken riss ich den Fuß zurück, stolperte nach hinten und prallte mit dem Rücken gegen einen Baumstamm.

Meine Brust senkte sich unter schweren Atemstößen. Während ich dem Glucken des Schlamms lauschte, wurde mir plötzlich klar, was ich getan hatte. Ich war zu einem Abenteuer aufgebrochen, von dem ich nicht einmal annähernd wusste, wie ich es bestehen sollte. Verdammt, wie hatte ich mir das vorgestellt? In den Wald zu rennen, Fina am Schlafittchen zu packen und hinter mir her zur Mühle zurück zu schleifen? Nicht eine Sekunde hatte ich darüber nachgedacht, dass es schon zu spät sein könnte – dass ich selbst sogar im Moor verloren gehen könnte! Unleugbar war ich der größte Dummkopf, den diese Welt je hervorgebracht hatte.

Ich brauchte einen Plan, dringend, bevor-

Das Knacken eines Astes ließ mich herumfahren. Hektisch ließ ich den Lichtstrahl meiner Taschenlampe zwischen den Bäumen hin und her gleiten. Mein Atem verwandelte sich in ein Keuchen und Schweiß brach auf meiner Stirn aus. Da war nichts, niemand, der das Geräusch verursacht haben könnte. Kein Tier und kein Mensch. Doch ich wusste, dass das nichts zu bedeuten hatte. Andere Kreaturen lauerten in diesem Wald, unsichtbare Kreaturen.

Hastig ging ich hinter dem Baum in die Hocke, klemmte mir die Taschenlampe zwischen die Zähne und riss das Salzpäckchen auf. Ich griff hinein und fühlte, wie sich die feinen Körner unter meine Fingernägel schoben. Nach einem Blick in beide Richtungen, streute ich mithilfe des Salzes eine Linie über den Waldboden. Dann holte ich noch einmal tief Luft, erhob mich und trat über die von mir gezeichnete Grenze. Für einen Moment verschwamm meine Umgebung, flossen die verschiedenen Grauschattierungen des nächtlichen Waldes ineinander über. Ich kniff die Augen zusammen, aus Angst davor, was ich gleich erblicken würde. Als ich sie wieder öffnete … hatte sich nichts verändert.

Meine Stirn zog sich in Falten. Hatte ich zu wenig Salz genommen, um ein Tor in das Reich des Geheimen zu öffnen? Erneut griff ich in die Papiertüte, streute einen Strich auf den morastigen Boden und überschritt diesen. Mehrmals drehte ich mich um die eigene Achse, aber ich sah immer noch nichts, das vorher nicht auch schon dagewesen wäre: Bäume, wohin das Auge reichte.

Hieß das, bei mir funktionierte das mit dem Salz nicht? Mein Blick kehrte zu den von mir gezogenen Spuren zurück. Gerade noch so sah ich die letzten weißen Körner in der Erde versickern. Ich schluckte. Vielleicht musste ich einfach noch mehr Salz auf einmal nehmen.

Entschlossen, wenn auch weniger als zuvor, kniete ich mich hin und stellte das Päckchen vor mir ab. Nacheinander füllte ich meine Hände mit Salz und beugte mich vor, um ein drittes Mal eine Gerade zu ziehen.

Im Dickicht hinter mir raschelte es. Ich schreckte so heftig zusammen, dass mir die Körner aus den Händen glitten. Als ich mich herumdrehte, erwischte ich mit dem Ellenbogen die Papiertüte und stieß sie um. Das restliche Salz ergoss sich über dem Boden.

Nein!“ Panisch versuchte ich die Körner zusammenzukratzen, doch sie lösten sich so schnell auf, dass ich außer Schlamm kaum etwas zwischen die Finger bekam. „Nein, bitte … bitte!“ Ein Wimmern entwich meinen Lippen. Ich fasste mir an die Schläfe und etwas Schmieriges blieb an meiner Haut kleben.

Was nun, was sollte ich tun? Ich schnappte mir die Tüte, in der gerade mal der Boden noch von Salz bedeckt war. Meine Gedanken rasten. Taumelnd kam ich auf die Beine und versuchte mich daran zu erinnern, wie oft ich über die Grenze getreten war. In welcher Welt befand ich mich jetzt? Wenn ich mit den restlichen Körnern ein letztes Mal eine Linie zeichnete, gelangte ich dann zurück in meine oder überhaupt erst in seine Welt?

Ich wandte den Kopf nach allen Richtungen. Irgendetwas hier musste mir doch einen Hinweis darauf geben können, wo ich mich befand. Aber was nur, was …

Ohne mein Zutun setzten sich meine Füße in Bewegung. Im Vorbeigehen hob ich die Taschenlampe auf und ließ ihr Licht meinen Weg bestimmen. Eine vage Erinnerung streifte meine Gedanken. Vor meinen Augen flackerte das Bild eines Weges auf, der verschwand und wieder sichtbar wurde. Ein Weg, der verschwand …

Natürlich, der Wanderweg! Ihn musste ich finden, denn er existierte nur in meiner Welt!

Ich beschleunigte meine Schritte, bis ich fast schon rannte. Äste griffen nach meiner Jacke, als wollten sie mich zurückhalten. Jedes Mal riss ich mich los und stolperte weiter. Der Weg, ich musste den Weg finden … musste ihn …

Ich blieb stehen und hob mir die stechende Seite.

„Welch schöner Besuch an so heiligem Tage!“, ertönte neben mir ein kaum hörbares Schnurren.

Ich wirbelte herum. „Wer …!“ Die Worte erstarben auf meinen Lippen. Wie eisiges Wasser durchdrang das Entsetzen meinen Körper, ließ mich zur Salzsäule erstarren. Vor mir stand ein Wicht, nicht größer als ein Kind. Die Taschenlampe schien ihm direkt ins Gesicht, beleuchtete blasse Haut und struppiges, rotes Haar. Unnatürlich große Augen reflektierten den Lichtkegel.

Das Wesen kniff die Lider zusammen. In den Schlitzen glänzte es wässrig grau. „Wünscht sie sich Gold? Oder ist sie gekommen, um ihm Gesellschaft zu leisten?“ Das Männchen verzog den Mund zu einem Grinsen. Ein hungriger Ausdruck lauerte in den Tiefen seiner Augen.

Ich wusste, wonach es ihn in seiner Gier verlangte. Abwehrend hob ich die Hände und trat einen Schritt zurück. „Bleib weg, fass mich ja nicht an!“ Unbändige Angst schwang in meiner Stimme mit, doch ich konnte nichts dagegen tun.

„Was denn? Glaubt sie, er würde es wagen, sie zu versehren?“, fragte er und schritt gemächlich um mich herum. Ich drehte mich mit ihm, wollte ihn keine Sekunde aus den Augen lassen. Plötzlich drückte er sich zu einem Sprung vom Boden ab und war verschwunden. Hektisch wandte ich mich nach beiden Seiten.

Da traf mich ein kräftiger Schlag in den Rücken und warf mich nach vorne. Schmerz explodierte in meinem Schädel, als ich mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug. Der Geruch nach modriger Erde zog mir in die Nase. Steine und Äste pressten sich in mein Gesicht und rissen mir die Haut auf.

Den zweiten Schlag gegen die Schläfe spürte ich kaum mehr, bevor mir die Sinne schwanden und die Dunkelheit mich verschluckte.

~*~

Ein stechender Schmerz saß hinter meiner Stirn, als ich wieder zu mir kam. Blinzelnd hob ich die Lider und funkelndes Licht stach mir in die Augen. Ich stöhnte und schirmte es mit der Hand ab.

„So ist sie also endlich aufgewacht!“, ertönte eine schnarrende Stimme von irgendwo rechts. „Wie schön! Er hätte schon fast seine Geduld verloren!“

Mein Kopf fuhr herum. Eine Geste, die ich sofort mit einem noch heftigeren Stechen bezahlte. Ich presste mir die Fäuste gegen die Schläfen und versuchte trotz der aufsteigenden Tränen etwas von meiner Umgebung zu erkennen.

„Was hat sie denn?“ Die Stimme senkte sich zu einem Säuseln. „Hat sie Schmerzen? Das tut ihm leid!“

Mein Blick klärte sich und blieb an einer Reihe goldglänzender Stäbe haften. Der Schein einer Kerze strich über das Gitter und ließ das Metall aufblitzen. Lichtreflexe jagten durch den Raum und wurden von den umliegenden Wänden zurückgeworfen. Ein in Gold gegossener Rehkadaver lag in der einen Ecke und der Boden war unter einer Flut an vergoldeten Blättern und Steinen begraben.

Meine Augen wurden immer weiter. Umgeben von den größten Reichtümern, die ich je in meinem Leben erblickt hatte, saß ich gefangen in einem goldenen Käfig.

Ein Lachen ertönte und da bemerkte ich den Schatten, der direkt hinter dem Gitter lauerte. Wie eine Katze, die ihre Beute im Visier hatte und sich zum Sprung bereit machte, strich der Geheime an meinem Gefängnis entlang. Ein hässliches Grinsen verzerrte den dünnen Strich, der seinen Mund darstellte. Die wässrigen Augen waren so weit aufgerissen, dass es aussah, als würden sie ihm gleich aus dem Gesicht fallen. Schadenfreude, aber auch Wut glomm in ihnen.

„So ein törichtes Weibchen!“ Der Wicht duckte sich und strich um den Käfig herum, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Hastig kämpfte ich mich auf die Füße und verrenkte mir schier den Hals, um ihn weiterhin im Blick zu behalten. Mein Gefängnis war hoch genug, um mich ganz aufzurichten.

Langgliedrige Finger schlossen sich um die Goldstäbe und das Gesicht des Geheimen kam näher. „Was hat sie sich nur dabei gedacht, ihr kostbares Salz in den Schnee zu streuen? Hat sie etwa gewusst, was sie damit bezwecken würde?“ Er drückte sich ab und umrundete abermals den Käfig.

Ich kämpfte gegen den Kloß an, der mir den Hals verstopfte. „Sie weiß alles!“

In dem Moment, da ich die Worte hervorstieß, wusste ich schon, dass es die falschen gewesen waren.

Der Geheime hielt in seiner Bewegung inne und für einen Moment meinte ich so etwas wie Panik in seinem Blick auszumachen. Unvermittelt warf er sich gegen die Käfigstangen, sodass das Metall scheppernd in ihren Halterungen vibrierte. Ich schrie auf und wich zurück, umklammerte die Stangen in meinem Rücken.

„Alles?“ Speichel spritze aus seinem Mund. „Wie will sie ALLES wissen? Ist sie einer dieser Menschengötter, die ihre Art sich geschaffen hat?“

„U-und wenn es so wäre?“ Ich wusste nicht, was in mich gefahren war, ihn noch mehr zu provozieren.

Der Geheime brach in Gelächter aus. „Oh nein! Was auch immer sie ist – was auch immer sie im Schilde führt – eine Göttin ist sie sicher nicht!“ Erneut sprang er gegen das Gitter und schob eine Hand zwischen den Stäben hindurch. An einem seiner Finger trug er einen Ring. „Sie ist ein einfältiges, kleines Menschenweibchen! Nichts weiter! Und wenn sie glaubt, sie könne ihn zum Narren halten …“ Ein goldenes Glühen umspielte seinen Daumen.

Mein Herz schien einen Schlag lang auszusetzen, während ich wie hypnotisiert auf das Glimmen starrte.

Seine Hand hob sich vor mein Gesicht, den Daumen nur Zentimeter von meiner Nase entfernt. „Sie ist recht nervös für eine Göttin. Meint sie nicht?“

Jetzt durfte ich keinen Fehler machen. „E-er hat sie gefragt, warum sie hier ist. Ich … Sie ist hier, weil sie ihm etwas sagen muss.“ Ich schluckte. „Sie weiß von dem Betrug der Menschenweibchen. Sie weiß, was die Weibchen ihm für sein Gold versprochen, aber nie gegeben haben. Deswegen ist sie hier, um ihn zu warnen. Das nächste Weibchen, Fina, wird ihn ebenfalls enttäuschen. Er muss wissen, dass sie krank ist. Sterbenskrank.“

Die Augen des Wichts weiteten sich. Er zog seine Hand zurück.

All meinen Mut zusammennehmend, löste ich mich von den Käfigstangen und trat einen Schritt in seine Richtung. Meine Knie schlotterten so sehr, dass ich fürchtete, sie könnten gleich unter mir nachgeben. „Wenn er sie gehen lässt, wird sie zusammen mit Fina ein viel besseres Weibchen für ihn finden. Eines, das bei ihm bleiben kann. Sie verspricht es!“

Der Geheime legte den Kopf schief, musterte mich abschätzig und setzte dann wieder dazu an, den Käfig zu umrunden. Ich drehte mich mit ihm im Kreis, einmal, zweimal … dreimal. Die Angst ballte sich zu einem Knoten in meinem Magen zusammen und ließ Übelkeit in mir aufwallen. Als er vor mir stehenblieb und mir die Hand mit dem glühenden Daumen entgegenstreckte, war ich mir sicher, dass jetzt mein letztes Stündlein geschlagen hatte. Was war ich aber auch für eine arrogante Ziege gewesen. Hatte ich ernsthaft geglaubt, ihn mit einem so plumpen Trick überlisten zu können? Im echten Leben gab es keine Garantie dafür, dass die Guten überlebten.

Ich krampfte die Finger um den Saum meiner Jacke. Würde ich es bis zum Schluss spüren können, wie das Gold meinen Körper durchdrang? Würde ich … Schmerzen haben?

Der Geheime beugte sich weiter vor. „Es ist wirklich bedauerlich. Sie ist gewiss eine gute Menschenfreundin. Doch ihre Lügen sind vergeblich. Er weiß um die blendende Gesundheit seiner Braut.“ Er stieß mir seinen Zeigefinger gegen die Brust und ich hielt den Atem an. Obwohl eine Welle des Ekels über mich hinwegschwappte, wagte ich es nicht, seiner Berührung auszuweichen. „Aber sie – sie ist ein hinterhältiges Weibchen, das ihm seinen teuersten Schatz entreißen will!“

„Nein, sie will keine Schätze“, flüsterte ich. Als sich meine Brust beim Sprechen ein wenig hob und fester gegen seinen Finger stieß, keuchte ich auf. Ich fühlte, wie eine Träne meine Wange hinabrann. Plötzlich war mir alles zu viel und ich wollte nur noch eines: „Sie … sie will nur nach Hause …“

Ein Zischen ertönte, wie bei einem Ölspritzer, der auf eine heiße Herdplatte traf. Dann ein Klackern.

Ich schielte hinab und sah etwas Blitzendes über den Käfigboden rollen, weiter zwischen den Stäben hindurch. Tränen tropften von meinem Kinn auf den glühenden Daumen des Geheimen und verwandelten sich. Das Prasseln herabregnender Goldperlen erfüllte die Schatzkammer.

Eine Ewigkeit schien zu vergehen, in der er einfach nur dastand und schwieg. Ich hielt den Blick gesenkt, zählte die letzten Sekunden meines Lebens anhand der zu Boden fallenden Goldtränen ab. Zehn, elf, zwölf, …

Die Hand des Geheimen zog sich zurück. Überrascht schaute ich auf und sah, wie er sich eiligen Schrittes von dem Käfig entfernte. Ein gehetzter Ausdruck huschte über seine Züge. „Er bedauert sehr, dass er sie nun sich selbst überlassen muss – doch er hat Dringenderes zu tun, als ihr Gesellschaft zu leisten.“

Ich brauchte einen Moment, um den Sinn hinter seinen Worten zu begreifen. Mein Mund klappte auf. „Aber …!“ Nun verstand ich gar nichts mehr. Hieß das, er wollte mich gar nicht töten?

Zu verwirrt, um Erleichterung zu verspüren, presste ich mir die Hand aufs Herz und ließ mich auf die Knie sinken.

Nach einem letzten Blick auf mich, schnellte der Geheime herum und lief durch die Kammer auf einen schmalen Ausstieg zu. Keinen Atemzug später war er verschwunden.

Ich vergrub das Gesicht in den Händen. Wie lange ich in dieser Position verharrte, hätte ich hinterher beim besten Willen nicht mehr sagen können. Vermutlich wäre ich sogar noch bei der Rückkehr des Wichts so dagesessen, hätte nicht das Läuten meines Handys mich aus meiner Starre gerissen. Halfway gone von Lifehouseschallte durch den Raum.

Moment … ich hatte hier unten Empfang? Hastig tastete ich meinen Oberkörper und meine Jeans ab und fand das Smartphone schließlich in der rechten hinteren Tasche. Als ich das Zeichen einer eingetroffenen SMS-Nachricht auf dem Bildschirm aufblinken sah, schossen mir abermals die Tränen in die Augen. Ich presste mir das Handy gegen die Stirn. Damit bestand noch Hoffnung, denn zum ersten Mal in diesem ganzen Alptraum wusste ich tatsächlich, was ich zu tun hatte.

Ich ignorierte die eingetroffen SMS und öffnete ein neues Nachrichtenfenster. Obwohl ich kein geübter Schreiber mit dem Smartphone war, flogen meine Finger nur so über den Touchscreen:

Brauche eure Hilfe! Wurde von einem Verrückten gefangen genommen und in einen Käfig gesperrt. Ihr müsst …

Ich hielt inne, da meine Hände so schweißig waren, dass mir beinahe das Handy aus den Fingern gerutscht wäre, und wischte sie an meiner Hose ab. Dann tippte ich weiter.

… Bitte, ohne euch schaffe ich es nicht heil hier raus! Ich zähle auf euch!

Clee

Ich drückte auf Senden und das kleine Briefchen ging an sämtliche Namen aus meiner Kontaktliste raus. Ein Seufzen entwich meinem Mund. Wieso hatte ich das Buch nicht selbst zu Ende gelesen, bevor ich aufgebrochen war? Dann würde ich mich jetzt nicht in dieser Misere befinden. Blieb nur zu hoffen, dass einer meiner Bekannten etwas in Winterfelds Buch fand, dass mir weiterhelfen konnte, bevor der Geheime seine Meinung ändern und mich doch noch umbringen würde.

Meine Lippen pressten sich zu einem Kuss auf den kalten Kunststoffrahmen des Smartphones.

Bitte, helft mir.

© Copyright 2012 by Anna Milo

Alle Rechte vorbehalten.

~~~~***~~~~

Ihr seid meine einzige Rettung. Die einzigen, die wissen, was mit mir passiert ist. Helft den anderen Bloggern, die Schwachstelle des Geheimen zu finden. Ansonsten bin ich verloren. Bitte – ich zähle auf euch!

 2016 Clee signatur

[Blogtour] Daniela Winterfeld – Der geheime Name

„Und wenn du erst die verrätst, die du liebst – dann verlierst du alles, was dir wichtig ist.“

 

Meine lieben Blogleser,

ich habe den Schritt zu einer Blogtourteilnahme gewagt – und sogleich nasse Füße bekommen. Gelandet bin ich nämlich in einem düsteren, von allerhand *Blatt vom Jackenärmel klaub* gruseliger Gestalten bewohntem Moor. Ich meine … Himmel, ist das hier düster. Muss daran liegen, dass die Bäume so dicht beieinander stehen. Das nächste Mal nehme ich eine Taschenlampe mit, hier sieht man ja kaum die eigene Hand vor Aug-… *Atem stockt* Was war das? Hat sich angehört wie -… ah!

Blogtour, Winterfeld, der geheime Name

Beginn ist der 27.12.12!

Hier könnt ihr euch die Tourdaten ansehen:

27.12.: http://manjasbuchregal.blogspot.de/
28.12.: dieser Tag gehört mir ;)
29.12.: Hannah http://ledbyapapertrail.blogspot.de/
30.12.: Chrisy http://rozasleselieblinge.blogspot.de
31.12./01.01.: Petra http://books-are-fantastic.blogspot.com/
02.01.: Sandy http://tintenmeer.wordpress.com/
03.01.: Katja http://devilishbeauty78.blogspot.de
04.01.: Bianca http://buchimpulse.blogspot.com/
05.01.: Tina http://readingtidbits.blogspot.de
06.01.: Daniela http://daniela-winterfeld.de/der-geheime-name-blogtour/
(Danielas Blog wird mit der Blogtour eröffnet)
__________________________________________________

Alle, die das Banner oder die Tourdaten weiterverbreiten, erhalten schon vorab die ersten Lose für das Gewinnspiel zur Blogtor, bei dem ihr ein Exemplar von „Der geheime Name“ so wie einige Trostpreise gewinnen könnt! Genaueres dazu findet ihr: Hier! 

~*~
cover_der_geheime_name
 
Der geheime Name
von Daniela Winterfeld
Droemer Knaur, Januar 2013
Taschenbuch, 528 Seiten
ISBN: 3426511274
12, 99 €
Leseprobe

Klappentext:

„Rumpelstilzchen wollte das Kind der Königin. Er bekam es nicht. Jahrhunderte später schließt ein anderes Wesen seiner Art einen neuen Pakt – und wird ebenfalls betrogen. Seitdem sucht es unablässig nach dem Kind … Seit sie denken kann, ist Fina mit ihrer Mutter auf der Flucht. Doch jetzt, mit 19, will sie endlich ein richtiges Zuhause finden und zieht zu ihrer Großmutter, die am Rand eines düsteren Moores lebt. Das Moor fasziniert Fina vom ersten Moment an – genau wie der geheimnisvolle Junge, der dort lebt. Weder Fina noch der Junge ahnen, dass sie beide nur Figuren in einem Spiel sind, das dem betrogenen Wesen endlich seinen Lohn bringen soll …“

Des Autors schauspielerisches Handwerk

Verstehen sich Autoren als Schauspieler, wenn sie sich in die Gedanken ihrer Protagonsiten hineinversetzen? Diese Frage habe ich mir selbst und nun auch diversen Kollegen gestellt. Das hier haben Bernd Perplies, Jennifer Benkau, Gabriella Engelmann, Sabrina Qunaj, Brigitte Riebe, Claudia Toman, Brigitte Melzer, Aileen P. Roberts, und viele andere AutorInnen dazu zu sagen:

Ich: Mit jedem neuen Buch versetzt du dich in den Kopf und das Herz deiner Protagonisten. Würdest du dich selbst in gewisser Weise als Schauspieler bezeichnen?

© Ute Klein

Jennifer Benkau, Autorin von, u.a., Dark Canopy:

„Ein Schauspieler, das ist eine schöne Bezeichnung für einen Autor. Ich muss mich da auch outen: ich spiele oft kleine Szenen oder Bewegungen nach, weil es mich der Figur näher bringt. Wobei der Schauspieler dem Drehbuch unterworfen ist, der Autor nur der Figur selbst. Ein Seelenschauspieler, das bin ich wohl.“

Gabriella Engelmann, Autorin von, u.a., Goldmarie auf Wolke 7 – Eine himmlische Liebesgeschichte:

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© Mirco Lieffertz, Art & Photography

„Als Buchautorin frage ich mich oft: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Ich stecke im Kopf einer jeden Figur, kleide mich wie sie, fühle wie sie, denke wie sie und handle wie sie. Das kann manchmal sehr verwirrend sein, denn es gefällt mir nicht immer, was meine Protagonisten tun … Allerdings bin ich nicht nur diejenige, die den Text lernt, den sie zu sagen hat, sondern ich kreiere ihn auch. Von daher geht es mir wie vielen Filmschaffenden, die alles in Personalunion machen: Drehbuchschreiben, selbst spielen und Regie führen. Anstrengend, aufregend, furchterregend – aber vor allem eins: Immer wunderbar, egal, was passiert! Denn es entsteht ein neues BUCH.“

Carina Bargmann, Autorin von, u.a., Die letzte Wächterin:

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© Thomas Erdl

„Würde ich mich als Schauspieler betrachten? Wann ist jemand ein Schauspieler? Bin ich nicht jeden Tag eine Schauspielerin, die auf der Bühne „Alltag“ sich selbst inszeniert?
Vielleicht bin ich ein Schauspieler, aber ich empfinde mich mehr als Chamäleon. Wechselt der Hintergrund, wechselt meine Farbe. Meine Haut ist wie ein Kostüm, meine Worte entstehen im Moment der Interaktion, in Abhängigkeit meines Gegenübers, meine Stimmfarbe, mein Tonfall, meine Geste, alles ist angepasst, malt ein Bild von meiner selbst, in Abhängigkeit der Situation und so unterschiedlich, wie Orte des Alltags nur sein können.
Bin ich gerade Studentin, Tochter, Freundin oder Autorin, Ehrenamtliche, Teamerin oder Teilnehmerin? Gestik, Mimik und Haltung, Stimme, Auftreten und Wortwahl, alles kann im Bruchteil einer Sekunde wechseln. Auf der Straße fühl ich mich schäbig im alten Pullover, zu Hause ist er mir die liebste Haut. Was ich meinem Bruder sage, erzähl ich meiner Freundin mit anderen Worten und meine Haltung gegenüber meiner Teilnehmer ist eine andere als gegenüber der Dozenten. Kostüme und Rollen gehören zusammen, werden mit Sprache, Mimik, Gestik verknüpft, mit Inhalten und Wissen gefüllt und gelebt. Aber sind es nicht doch nur Rollen? Farben, die das Chamäleon in mir annimmt, wenn es die Umgebung wechselt?
Gleichzeitig bin ich stets derselbe Mensch hinter den Rollen meines Lebens. Ich kann ja doch nicht aus meiner Haut. Und trotzdem bin ich nicht immer ich selbst. Was verbindet die Rollen miteinander, schafft aus ihnen ein einheitliches Bild eines einzigen Menschen? Bin ich ich, weil ich diese Rollen alle verkörpere oder bin ich ich, weil alle Rollen einen Teil von mir enthalten?
Was ist von den Rollen noch übrig, wenn ich alleine bin? Wenn kein Mensch nach mir fragt und ich keine Rolle spiele. Was bin ich dann noch? Dann bin ich ich. Aber was ist das ich? Ein farbloses Chamäleon, das sich Charaktere schafft, Gedanken spinnt, diese zu Handlungssträngen verknüpft und darüber ein Netzt aus Bilder legt, das es aus Worten malt, weil sie die Leere um sich herum nicht erträglich findet. Und dann malt es Farben an die Wand, nimmt sie an und schlüpft in ausgedachte Rollen, um in Gedanken auf Reisen zu gehen, der Unbedeutsamkeit der einzelnen Existenz zu entkommen und ein neues Leben auszuprobieren. Nur, um nicht allein zu sein? Oder um auch alleine zu existieren? Um die Existenzen anderer zu Erkunden? Es füllt sich selbst mit Farben, bis es im Farbenstrudel versinkt und sich selbst verliert.
Ja, ich bin eine Schauspielerin: Eine Schauspielerin in meinem eigenen Leben auf täglich wechselnden Bühnen, immer bemüht den Überblick zu behalten und doch im Meer des Lebens versunken, denn das kleine Chamäleon hat ein solches Farbchaos erlebt, dass es vergessen hat, welche Farbe es selbst eigentlich trägt.
Es ist völlig von der Rolle und auf der Suche nach sich selbst. Und dabei schlüpft es doch nur wieder in neue Rollen, denn Rollen zieht man sich nicht selbst an, sie sind wie die Vorurteile, die einem entgegenbranden, wenn man auf Menschen stößt. Sie sind wie der Anstrich, den man erhält, bevor man gesehen hat, was überhaupt zur Wahl steht. Denn es gibt keine Wahl. Jeder hat seine Rolle zu spielen.
Deshalb stellt sich das Chamäleon in mir ab und zu vor eine weiße Wand und fragt sich selbst, welche Farbe es am liebsten trägt. Und das bin dann wohl ich. Auch wenn nur ich mich so kenne. Auch wenn niemand mich so wahrnimmt.
Kennt einen also eigentlich niemand, nur man selbst? Ich glaube nicht. Ich glaube, in jeder Farbe, in jeder Rolle ist der eigene Grundton rein gemischt. Und auch wenn das Chamäleon sich immer wieder zu verlieren droht, kann es doch gar nicht, denn all diese Rollen sind ein Teil von mir. Und ich bin ein Teil von ihnen.
Deshalb bin ich vielleicht auch kein Schauspieler. Denn ich lese mir keine fremden Rollen an. Alles was ich schaffe, alles, in das ich mich denke, und wenn ich die buntesten Farben an die Wand male – sie sind doch alle aus mir gekommen und damit ein Teil von mir und des Chamäleons in mir.“

Claudia Toman, Autorin von, u.a., Hexendreimaldrei:

© Lois Lammerhuber

„Für mich hat dieser Vorgang weniger mit Schauspiel zu tun als mit Regie. Ich dringe nicht in meine Protagonisten ein, ich führe sie. Ich lenke ihre Handlungen und Gedanken, bin das Objektiv der Kamera, bestimme, aus welchem Winkel der Zuseher sie betrachtet und wähle den Bildausschnitt. Wäre ich Schauspieler, wäre es mir unmöglich, eine Geschichte zu erzählen, weil ich zu sehr auf mich konzentriert wäre. Der Schauspieler erlebt immer nur ein Stück des Plots, der Autor muss wie der Regisseur den Überblick behalten.“

© Bernd Perplies

Bernd Perplies, Autor von, u.a., Flammen über Arcadion:

„Mit Sicherheit steckt in mir – wie wohl in den meisten Autoren – auch ein verkappter Schauspieler. Und ein Regisseur, ein Weltenbauer, ein Gutmensch, ein Psychopath und vieles mehr, ohne dass es mir/uns an Fantasie fehlen würde, all das aufzuschreiben, was wir aufschreiben. Auf die Bühne zieht es mich deswegen jedoch nicht. Es ist eine Sache, Gefühle, Gedanken und Handlungen glaubhaft beschreiben zu können, aber eine ganz andere, sie auch glaubhaft darzustellen.“

Brigitte Melzer, Autorin von, u.a.,  Seelenglanz:

© Lalo Jodlbauer

„Eine spannende Frage, die ich dann aber doch mit Nein beantworten muss (schauspielerisch betrachtet, bin ich komplett talentfrei). Ich bin eher der Drehbuchautor und Regisseur, der im Hintergrund die Fäden zieht. Ich glaube, die einzige Überschneidung mit einem Schauspieler ist die, dass wir beide versuchen, uns in die jeweiligen Figuren hineinzuversetzen, um zu verstehen, wie sie denken, was sie fühlen und was sie antreibt. Während sich ein Schauspieler nur auf seine eigene Rolle konzentriert und auf der Bühne oder vor der Kamera vollständig in diese eine Rolle schlüpft, spiele ich das lediglich in Gedanken durch, dann aber für alle Figuren. Einen Teil der Arbeit eines Schauspielers – nämlich eine Figur zum Leben zu erwecken – übernimmt in gewisser Weise später der Leser, für den die Protagonisten hoffentlich plastisch genug geschildert sind, um sie in seinem Kopf lebendig werden zu lassen.“

Antje Szillat, Autorin von, u.a., Rick:

© Antje Szillat

„Oh ja. Ich bin nicht nur Schauspieler beim Schreiben, wenn ich ganz und gar zu der Person werde, die ich gerade „beschreibe“ oder besser gesagt, für die ich gerade schreibe, sondern bei jeder meiner Lesungen. Da bin ich Stalker, verängstigtes Mädchen, gehässiger Mitschüler, besorgte Mutter, wütender Vater, verliebter Junge, zynischer Nachbar … Ich liiiebe das wirklich sehr.“

Uta Maier, Autorin von, u.a., Triklin – Die Feuertänzer:

© Uta Maier

„Ich glaube, dass in jedem Autor in gewisser Weise auch ein Schauspieler steckt oder auch stecken muss, um Emotionen glaubhaft zu vermitteln. Ich würde sogar noch weitergehen und behaupten, dass man als Autor nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur, Kameramann und Drehbuchautor ist, denn die einzelnen Szenen und Kapitel entstehen ja im Kopf. Wenn ich eine Szene schreibe, dann kann ich entweder nah an die Figuren heranzoomen, oder aber auch auf Distanz gehen, je nachdem, was ich beabsichtige. Will ich Sympathie erzeugen, muss ich tatsächlich in Kopf und Herz des Protagonisten stecken. Ich glaube, dass Einfühlungsvermögen das Wesentliche dabei ist, zumindest bei mir. Oft erlebe ich die Abenteuer meiner Figuren so hautnah mit, dass ich mich nach düsteren Sequenzen selbst ganz Elend fühle, es ist ein bisschen so wie eine Rolle spielen und parallel schreiben. Um Gefühle so transparent wie möglich zu machen, muss ich sie selbst empfinden, muss mir überlegen, welche Körperhaltung würde ich einnehmen, was denke ich, was sage ich, wo sind meine Hände, wie handle ich, wäre ich diese Figur. Sozusagen schreibe ich erst das Drehbuch im Kopf, entwerfe einen groben Handlungsrahmen, dann stürze ich mich hinein und beginne zu schreiben. Das gelingt je nach Figur natürlich mal besser und mal schlechter. Hat man den klassischen Bösewicht oder Gegenspieler, muss man schon sehr tief in sich graben, um diese negativen Emotionen nachvollziehbar zu machen. Das ist das tägliche Brot der Schauspieler, sie gehen allerdings noch den letzten Schritt weiter und leben die Rolle körperlich aus. Aber wenn ich manche von ihrer Arbeit sprechen höre, denke ich oft: Hey, das machst du auch, nur stehe ich nicht auf der Bühne – aber dieses sich Hineinversetzen, dieses Nachspüren ist es, was jeder Autor ebenfalls tun muss. Allerdings haben wir Autoren natürlich einen viel größeren Handlungsspielraum, weil wir die Figuren erfinden, die dann Schauspieler auf der Bühne lebendig machen. Im Grunde ist die Arbeit des Autors kreativer, er reproduziert nicht. Wie weit man als Autor bei dieser ganzen Arbeit gehen kann und darf, ist schwer zu sagen. Als ich neulich plötzlich unter den gleichen körperlichen Symptomen wie meiner Figur litt, habe ich mich gefragt, ob ich mich nicht ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt habe. Ich denke, man muss sich nach der Arbeit auch abgrenzen können, dem einen gelingt es gut, dem anderen weniger und mir manchmal gar nicht. Nicht selten schauen meine Kids mich irritiert an, wenn ich nach diversen Schreibattacken anfange, in tiefstem Jugend-Slang mit ihnen zu sprechen, nur weil ich das gerade für eine Figur so verinnerlicht hatte, oder einfach plötzlich verrückte Dinge tue.

Und um Friedrich Nietzsche (jenseits von Gut und Böse) zu zitieren, dessen Rat vor allem Krimiautoren beherzigen sollten:

Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zu sehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“

Ich denke, da ist etwas Wahres dran, sowohl bei negativen Charakteren als auch bei positiven.“

Susanne Rauchhaus, Autorin von, u.a., Die Messertänzerin:

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© Susanne Rauchhaus

„An den Beruf des Schauspielers habe ich beim Schreiben tatsächlich schon oft gedacht. Wenn ich eine Szene schreiben möchte, dann schließe ich vorher die Augen und spiele sie durch, damit ich weiß, wie die Figuren sprechen und was sie dabei empfinden. Der Unterschied zum Schauspieler ist nur der, dass ich in alle beteiligten Figuren „hineinspringen“ muss, immer abwechselnd. Ihre Reaktion darf ja nicht einfach ein Spiegel der Hauptperson sein, sondern jede einzelne Figur sollte ihre eigene Welt in sich tragen. Nur dann lebt sie. Ich denke, ein Autor ist wohl eher so etwas wie der Regisseur. Sein Job ist es, das tägliche Chaos zu kontrollieren: Wenn einer Figur ihr Text nicht gefällt. Wenn eine Figur nicht mehr in ihr Kostüm passt. Wenn eine weitere Figur unbedingt mitspielen will, obwohl alle Rollen schon verteilt sind. Wenn eine Figur die andere hasst, mit der sie eine Liebesszene spielen soll. Und wenn eine Figur plötzlich stirbt, womit nicht einmal der Regisseur gerechnet hat. Und wenn der kurz davor ist, das ganze Stück hinzuschmeißen und die Bühne anzuzünden, dann sieht man die Gemeinsamkeit mit dem Autor: Beide müssen jeden Tag und immer wieder in der Lage sein, hinter dem Chaos den ursprünglichen Traum zu erkennen. Und der enthüllt sich erst am Premierenabend … oder auch nicht.“

Sabrina Qunaj, Autorin von, u.a., Elfenmagie:

© Sabrina Qunaj

„Ich würde mich generell weniger als Schauspieler, als Beobachter bezeichnen. Als Schauspieler wäre ich auch furchtbar schlecht, denn ich kann nicht ernst bleiben und fange immer an zu lachen. Aber ich beobachte Schauspieler sehr gerne bei ihren Gesten und Mimiken, so auch einfache Leute auf der Straße. Dieses Hineinversetzen in andere Charaktere ist beim Schreiben etwas sehr Zurückgezogenes und Persönliches. Man steht vor keinem Publikum. Einzig bei Lesungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass man schon bis zu einem gewissen Grad Schauspieler ist, wenn man den Figuren mit verstellter Stimme und Gesichtsausdrücken Leben einhaucht.“

Siri Lindberg, Autorin von, u.a., Nachtlilien:

© Christophe Schneider, München

„Sich in die Köpfe seiner Figuren hineinversetzen zu können finde ich die allerwichtigste Fähigkeit für AutorInnen. Aber es gibt auch Nachteile: Bei manchen Romanen hatte ich richtig Mühe, aus diesen Köpfen wieder rauszukommen… die Figuren haben mich noch lange begleitet und wollten nicht dulden, dass ich über andere Themen und Menschen schreibe :-) Als Schauspielerin wäre ich übrigens eine Totalpleite, da bin ich ziemlich sicher. Dafür muss man seinen Körper und seine Mimik sehr stark unter Kontrolle haben – das bin ich nicht gewohnt. Ich fühle mich wohl am Schreibtisch, wenn ich meine Gedanken fließen lasse. Unbeobachtet vom Publikum, das später meine Bücher liest.“

Brigitte Riebe, Autorin von, u.a., Feuer & Glas – der Pakt:

© Schelke Umbach

„Schauspieler, sagst du?

So empfinde ich es nicht.

Ich komme mir eher vor wie ein Theaterdirektor, der viele verschiedene

Charaktere erst einmal kennenlernen muss, bevor er sie unter einen Hut

bringen kann – was mal leichter, mal schwerer ist. Denn „meine“ Figuren

machen beileibe nicht immer, was ich will, das kann ich dir sagen!  Haben

sie sich erst einmal halbwegs entwickelt, führen und verlangen sie ein

Eigenleben, das es in sich hat. Ab einem bestimmten Punkt beginnen sie sogar mit mir „zu reden“ (keine Angst, ich höre keine Stimmen!), sondern meine es in dem Sinn, dass sie immer kompletter und selbständiger werden.

In jedem Roman gibt es eine Nebenfigur, die sich größer macht, als ich es

ursprünglich vorhatte – da wollte der kleine Toni aus „Die Hüterin der

Quelle“ plötzlich singen oder Ita, „die Rote“, aus meinem jüngsten Roman

„Die Pestmagd“ sich nicht mit Niederträchtigkeiten in der Vergangenheit

begnügen, sondern auch in der Gegenwart weiter ihre Ränke schmieden.

Jedes Mal bin ich gut bedient, diesen „Forderungen“ nachzugeben, denn die

Story wird dadurch praller, bunter – und individueller.

Nur: wer es sein wird, erfahre ich selbst auch erst im Lauf des Romans …“

Rainer Wekwerth, Autor von, u.a., Damian – Die Stadt der gefallene Engel:

© Chrisian Witt

„Ich bin viel mehr als ein Schauspieler. Im Augenblick des Schreibens werden meine Figur und ich eins. Ich sehe und fühle, was die Figur fühlt und sie ist mir in diesem Moment näher als die meisten realen Menschen in meinem Leben.“

Daniela Ohms, Autorin von, u.a., Harpyienblut

„Das ist eine sehr passende Frage. Ganz klar „ja“. Ich habe zwar selbst nur wenige Erfahrungen mit der Schauspielerei gemacht. Aber wenn ich höre, was Schauspieler über ihre Figurenarbeit sagen, läuft mir immer eine Gänsehaut über den Rücken, weil ich genau weiß, was sie meinen. Von der Schauspielerei heißt es ja, ein Schauspieler müsse sich ganz und gar mit seinen Gefühlen in die Figur einleben. Selbst wenn es im Stück oder im Film gar nicht vorkommt, erarbeitet er die Biografie seines Charakters und versucht quasi das ganze Leben der Figur nachzuempfinden, bis zu dem Punkt, an dem er in die Rolle einsteigt. Damit betrachtet er die

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© Daniela Ohms

Eigenschaften der Figur nicht von außen, sondern von innen und wenn dann in der Geschichte ein gewisser Angriff auf den Charakter gestartet wird, spürt er genau, ob damit ein wunder Punkt getroffen wurde, oder ob es an seiner inneren Stärke abprallt. Die „Schmerzgrenze“ scheint so ein Zauberwort in der Schauspielerei zu sein. Wer es schafft, sie zu übertreten, der hat das Zeug zu einem guten Schauspieler, der kann auf der Bühne weinen und leiden, als würde er um sein eigenes Leben kämpfen.
Beim Schreiben ist es genau das gleiche, nur dass ich als Schriftstellerin für mehrere Figuren gleichzeitig „spiele“. Eine Buchidee wird für mich erst dann lebendig, wenn ich meine Figuren kennengelernt habe. Wenn ich weiß, woher sie kommen, wie ihre Eltern sie behandelt haben, welche Dramen und Triumphe sie bereits durchlebt haben. Wenn ich diesen Weg der Figur nachgezeichnet habe, fange ich an zu spüren wie sie fühlt, wann ihr Herz zu rasen beginnt und wie sie auf die Menschen um sich herum reagiert. Ihr Charakter formt sich dabei dann ganz von allein, meistens mit allen Ecken und Unvollkommenheiten, die einen Menschen eben ausmachen.
Und wenn ich dann still und allein vor meinem Computer sitze und meine Figuren durch die Szenen begleite, fange ich tatsächlich oft an, mit ihnen mitzuspielen. Dann ist es mein Herz, das rast und mein Kopf, der sich vor einem Angriff duckt und wenn die Tragik den Höhepunkt erreicht, stehen auch mir die Tränen in den Augen und ich weiß genau, von welcher Schmerzgrenze die Schauspieler sprechen.
Wenn du mich fragst, dann ist es ein und dasselbe grundlegende Talent, das Schauspieler und Schriftsteller ausmacht: Das eigene Ich auszublenden und stattdessen das Glück und die Schmerzen von anderen, (fiktiven) Menschen zu empfinden.
Der Unterschied besteht dann in der Technik, die wir gelernt haben, um die Gefühle zu unseren Zuschauern/Lesern zu transportieren: Der Schauspieler spielt mit seinem Körper und ich „spiele“ mit meinen Worten. Der Schauspieler arbeitet öffentlich zwischen vielen anderen Menschen und ich arbeite allein und in völliger Ruhe an meinem Computer.“

Aileen P. Roberts, Autorin von, u.a., Der Feenturm:

© Isabelle Grubert

„Ich muss gestehen, als Schauspieler habe ich mich bisher noch nicht wirklich gesehen, mal abgesehen von einer Schulaufführung zu Weltennebel, wo ich gemeinsam mit einem Schauspieler einige Passagen aus dem Buch auch gespielt habe.
Aber im Grunde genommen hast Du Recht. Ein Stück weit ist man als Autor sicher Schauspieler, denn man schlüpft in jeder Szene in eine andere Rolle. Ich lebe quasi das Leben verschiedener Protagonisten, empfinde ihre Freude, ihr Leid und ihre Qualen mit, und egal ob „gut“ oder „böse“ oder was dazwischen liegt, in den meisten Protagonisten steckt auch immer ein Stück von einem selbst.“

Tanya Stewner, Autorin von, u.a., Das Lied der Träumerin:

© Caroline Schreer

„Als Autor ist man sowohl Schauspieler als auch Regisseur. Oder ein Schauspieler, der selbst entscheiden kann, was er in seiner Rolle tut und sagt. Ich weiß gar nicht, ob andere Autoren das auch so machen, aber ich spiele manche Dialoge richtig durch, bevor ich sie aufschreibe. Das klingt dann für andere wohl wie ein Selbstgespräch und führt irgendwann wahrscheinlich noch mal dazu, dass ich in der Klapse lande. Aber für mein Schreiben ist es wichtig, dass ich manche Zeilen laut ausspreche und eine Mimik dazu versuche, um die Emotion dahinter besser fühlen und dann beschreiben zu können. In meiner Schreibecke ist also immer was los.“

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Ich muss zugeben, dass ich selbst nichts mehr Neues zu dem Thema beitragen könnte, da sich die Aussagen meiner Kollegen mit meinen Ansichten decken. Somit danke ich allen Kollegen, die mir hierin Rede und Antwort gestanden haben. Es hat durchaus etwas für sich, wenn einmal andere den Blogpost für einen schreiben. *zwinker*

Viele Grüße

2016 Clee signatur

[Tag] Acht Dinge über mich

Die liebe Sema IV hat mich getaggt. Das bedeutet: ich werde mal wieder aus dem Nähkästchen plaudern, so als Abwechslung zu sonst immer. ;)

Das Thema des heutige Tages lautet: Magische Wesen

  1. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es sie gibt. Ja, sogar, dass sie des Öfteren im Fernsehen auftreten: 50-70 Jährige, die aussehen wie 30 und das naürlich nur durch gesunde Ernährung und Sport  … Ganz klar: da ist Magie im Spiel.
  2. Fantasy ist eines meiner Lieblingsgenre, aber nicht jedes magische Wesen findet mein Wohlgefallen. Wenn ich noch einmal einen Vampirroman vorgelegte bekomme, beiße ich in Hälse! Der einzige Vampir, der mir noch ins Haus kommt, ist einer, der im Schwimmbad Fußpilz bekommen hat.
  3. Im Gegensatz zu einigen Autoren finde ich die Idee, einer Protagonistin einen Freund mit magischen Attributen an die Seite zu stellen, furchtbar. Die wirklich wichtige Magie in einer Beziehung ist die, die zwischen den beiden Partnern besteht. Vielleicht sollten gewisse Schriftsteller eher dafür sorgen, dass der Leser davon etwas mitbekommt. Überirdische Schönheit reicht nichts als Partnerschaftskleber, tut mir leid.
  4. Als Kind wollte ich immer selbst eine Meerjungfrau sein. Wenn ich heute so darüber nachdenke, wäre das aber eine Katastrophe: Ich liebe Tanzen und dafür brauche ich zwei Beine.
  5. Ich hoffe bald von einem magischen Wesen zu lesen, das es noch nie zuvor gegeben hat.
  6. Ich frage mich schon seit Längerem, ob Werwölfe auch mit Flöhen im Fell zu kämpfen haben. Oder was mit einem Menschen passiert, der zum Werwolf wird, aber eine Tierhaarallergie hat.
  7. Gibt es ein magisches Wesen, dem ich gerne mal begegnen würde? Indirekt. Ich schwärme seit dem ersten Leseerlebnis mit Der Kuss des Kjer für Mordan und würde zu gerne sehen, wie ein Kjer auf mich wirkt. Ob das Fell und die Reißzähne abstoßend sind oder kaum auffallen? Hm …
  8. Das erste, was ich einem Vampir sagen würde, sollte mir einmal einer über den Weg laufen, ist: „In deinem Fall sagt der Teint viel über deinen Charakter aus.“

 

So, das war’s. Das ging flott. Dann werde ich mal froh meines Amtes walten und weiterlesen.

Diesen Tag leite ich weiter an:

Daydreaming & Dreaming

Buchlabyrinth

LeseLust&LeseLiebe

Büchersüchtig

BookLover

Vampire_Addict’s beloved books

Nicas Bücherblog

Buchtastisch

Liebe Grüße an euch alle!

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